Breitband: Eine Frage der Notwendigkeit?

Von: Robert Flader
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Während in Simmerath bereits 11,5 Kilometer Glasfaserkabel verlegt sind, gucken die Stolberger weiter in die Röhre des langsamen Internets. Die Beschwerden darüber nehmen zu.

Stolberg. Geworben wird vielerorts auffallend deutlich mit schnellen Internetanschlüssen, möglichst noch zum (gefühlten) Nulltarif. Mit fünfstelligen DSL-Leitungen und steigenden Breitband-Versorgungen. In der Theorie gibt es offensichtlich nichts, was einem schnellen Internet 2.0 im Weg steht. So weit, so gut.

Nur, im Stolberger Stadtgebiet scheint an vielen Stellen von solchen Versprechen nicht allzu viel spürbar, die Internetverbindungen variieren teilweise so extrem, dass sich vor Monatsfrist bereits eine Art „Task Force” der Stadt zusammenfand, um über einen möglichen Ausbau der Breitbandversorgung zu beraten.

Das Ergebnis: Es wird in absehbarer Zeit keine Unternehmungen in diese Richtung geben, da ein Ausbau keine konkrete Pflichtaufgabe der Stadt darstellt. Im Gegenteil: Eine freiwillige Ausgabe dieser Größenordnung sei durch die dramatische Haushaltslage zur Zeit nicht drin, sagt Fachbereichsleiter Josef Braun. Alles also eine Frage der individuellen Notwendigkeit?

Nun, die Reaktionen von Stadt und Telekom sorgen zumindest seit der Ankündigung, in absehbarer Zeit nichts für schnelleres Internet zu unternehmen, für zunehmenden Ärger bei Anwohnern und ortsansässigen Unternehmen, die vielerorts von vergleichsweise schwachen Internetverbindungen betroffen sind. So müssten sich etwa manche Zweifaller mit einem 384 Kilobyte-Anschluss zufrieden geben, Unternehmen auf dem Donnerberg klagen in Leserbriefen über „mangelhafte” 2000er DSL-Leitungen.

Die Telekom verweist ihrerseits darauf, dass im Umkreis von einem Kilometer um die Vermittlungsstelle an der Rathausstraße „mindestens 16 Megabit pro Sekunde verfügbar sind”, wie es in einem Schreiben heißt. In den ländlicheren Stadtgebieten wie Zweifall oder Gressenich müsste der Kunde selbst entscheiden, ob er eine schnellere Internetverbindung wünsche - vorausgesetzt, er bezahlt den entsprechenden Preis dafür. Die Kosten würden schnell vierstellig werden.

Eine grundsätzliche Verbesserung mit neuen Glasfaserleitungen für ganze Stadtgebiete würde es - auch im Hinblick auf das Nein der Verwaltung - nicht geben, heißt es in dem Schreiben weiter.

Der Ärger scheint programmiert: Hatte vor rund zwei Monaten der zuständige Fachbereichsleiter Josef Braun noch erklärt, dass sich „bei uns niemand über eine Unterversorgung beschwert hat”, sind unserer Zeitung zahlreiche Klagen über vermeintliche Unterversorgungen bekannt. Fälle, wo Kinder für schulische Zwecke einen leistungsfähigen Anschluss brauchen, einen solchen im Elternhaus aber nicht vorfinden, oder Unternehmen, die für Arbeitszwecke ebenfalls nur über eine zu geringe Bandbreite verfügen.

Doch bei aller Notwendigkeit stellt sich zwangsläufig auch die Frage der Wirtschaftlichkeit: Nimmt eine Kommune für verbesserte Versorgung Geld in die Hand, so liegt es am Anbieter, die eventuell entstehende Deckungslücke auszugleichen. Braun stellt klar: „Die Stadt hat für diese freiwillige Ausgabe momentan kein Geld zur Verfügung und für die Telekom rechnet sich das ebenfalls nicht.”

Dies bedeutet: Erst wenn der Telefonanbieter genügend Kunden bekäme und die wegen der Ausbaukosten anfallende Deckungslücke auf diese Weise kompensiert werden würde, könnte das Warten auf schnelleres „Netz” in der Kupferstadt dem Ende entgegen gehen.
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