Breinigs Pfarrer Ulrich Lühring: Ein Jeck wie jeder andere

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„Ich kann ganz gut singen.“ Pfarrer Ulrich Lühring hat das beim Gottesdienst zur Krönung des Breiniger Kaiserpaares in der Breiniger Pfarrkirche vor allen Gläubigen bewiesen – mit „Heimat es“ von den Paveiern. Foto: C. Hahn

Stolberg-Breinig. Bei der Krönung des Breiniger Kaiserpaares sang Ulrich Lühring ein Lied der kölschen Band Paveier, ging in seiner liturgischen Kleidung zwischen den Gläubigen in den Seitenschiffen der Kirche hin und her, derweil er „Heimat es“ anstimmte: Der gebürtige Niederrheiner, der seit 14 Jahren die Katholiken des Ortes (und auch die von Dorff) betreut, liebt den Karneval und zeigt das auch im geweihten Raum.

Ein weiteres Projekt, das er zusammen mit drei Mitstreitern angeschoben hat, geht nach der Premiere anno 2009 nun an diesem Samstag noch einmal über die Bühne der Mehrzweckhalle an der Stefanstraße geht ab 20.11 Uhr (Einlass ab 19.11 Uhr) zum ersten Mal der „Karneval em Dörp“, eine Sitzung ohne Elferrat und auch ohne teuer eingekaufte Gaststars aus Köln und anderen jecken Metropolen.

Im Gespräch mit Christoph Hahn erläuterte der aus Dülken bei Viersen stammende Priester, warum für ihn Kirche und Karneval gut zu einander passen.

Herr Pfarrer Lühring, sind Kirche und Karneval wie gegensätzliche Pole oder ergänzen sie einander?

Ulrich Lühring: Ohne Ostern gibt es keinen Aschermittwoch und ohne Fastenzeit keinen Karneval. Die ersten, die Karneval sagen: Wo katholisches Lebe haben, waren die, die dann feste gefastet haben. Das soll heißen: Wo katholisches Leben herrscht, da ist auch Karneval drin. Ich sehe jedenfalls nicht, dass die Kirche den Karneval irgendwo kritisiert.

Wie ordnen Sie sich selbst da ein?

Lühring: Es gibt Kostüme, die man anzieht, den Pfarrer aber nicht. Das Allerwichtigste ist, dass der Ulrich Lühring ein Jeck ist wie jeder andere auch.

Nun gibt es aber auch Leute, die sich daran stören, dass Sie den Karneval in die Kirche bringen...

Lühring: Das Wichtigste ist: Wenn Wandlung ist, dann ist eben Wandlung. Dann findet nichts anderes statt. Aber ich will auch mittun, um die Menschen so mit der christlichen Botschaft zu erreichen.

Kommt es denn auch vor, dass Sie so Kontakte knüpfen, die Ihnen dann zu einer anderen Zeit wieder nützlich sind?

Lühring: Wenn ich zu einem Sterbefall gerufen werde, sagen mir die Leute schon mal. Wir kennen Sie ja. Und wenn ich dann nachfrage, woher, heißt es: vom Karneval. Insofern sehe ich da eine Chance, aber ich mache es nicht deswegen. Wenn ich aber auch noch als Pfarrer mit einer Büttenrede oder etwas Ähnlichem auftreten würde – das würde nicht ernst genommen. Aber ich freue mich, wenn ich begrüßt werde – nicht weil ich der Ulrich Lühring, sondern weil ich der Pfarrer bin.

Inwieweit bereitet der Karneval auf die Fastenzeit vor?

Lühring: Ich kenne jede Menge Karnevalisten, die sagen: Nach so viel Alkohol bin ich froh, dass es am Mittwoch Fisch gibt. Es ist einfach die andere Seite, die der Mensch braucht. Karneval und Fastenzeit: das sind die Facetten, um die es im Leben geht, das Lustigsein und das Ernste.

Wie sind Sie denn als Kind zum Karneval gekommen?

Lühring: Ich bin bei meiner Oma in Viersen groß geworden, und diese Oma war an Karneval nicht zu halten. Normalerweise hat sie, wie das früher so war, den Haushalt versorgt. Aber beim berühmten Altweiber-Treiben hat der Opa nicht gewusst, was die Oma macht. Das Schönste war dann, wenn sie mit ihrem Mann getanzt hat und er nicht gemerkt hat, dass sie das war.

Und wie hat Ihre Oma auf Sie abgefärbt?

Lühring: Wie sie kann ich ganz gut singen, und wer das kann, der ist überall gerne gesehen.

Was fehlt Ihnen am Karneval, so wie sie ihn hier und jetzt vorfinden?

Lühring: Lokalkolorit gibt es viel zu wenig. Darum machen wir ja den „Karneval em Dörp“ und andere Sachen.

Was ist Ihr schönstes Erlebnis im Karneval?

Lühring: Die schönste Sitzung ist immer die nächste.

Und die Flüstersitzung?

Lühring: Die hat ja jetzt wieder am 10. Januar stattgefunden, und heißt so, weil die Leute still sein und zuhören sollen.

Das ist doch genau genommen etwas Spirituelles.

Lühring: Genau.

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