Brandstiftung und Mordversuch: Junges Paar vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
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Herzogenrath/Stolberg. Seit Donnerstag müssen sich eine 25-jährige Frau aus Herzogenrath und ihr 20-jähriger Freund aus Stolberg wegen versuchter schwerer Brandstiftung und wegen versuchten Mordes vor der 6. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht verantworten.

In der Nacht des 2. auf den 3. Mai dieses Jahres war das Paar in Herzogenrath-Merkstein vor dem Haus eines ehemaligen Arbeitskollegen der 25-Jährigen vorgefahren und hatte einen selbst gebastelten Molotowcocktail vor die Fassade geworfen. Laut Anklageschrift loderten die Flammen drei Meter hoch.

Es sei durchaus von den Tätern in Kauf genommen worden, hieß es laut Staatsanwaltschaft, dass das Feuer den Dachstuhl habe entzünden können und damit Gefahr für Leib und Leben der dort wohnenden vierköpfigen Familie bestand. Deshalb lautet die Anklage zusätzlich auf versuchten Mord. Ein größerer Schaden entstand jedoch nicht.

Die 25-Jährige gestand am Donnerstag vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Hans Günter Görgen den äußeren Rahmen der Tat und bestätigte, dass sie sich nach Mitternacht im Fiesta ihres neuen Freundes nach Merkstein aufgemacht hatten. Er sei vor dem Haus ausgestiegen und habe den selbst gebastelten „Molli“ vor die Klinkerfassade geworfen, dann sei man weggefahren.

Der dort wohnende junge Mann habe einen Denkzettel gebraucht, erklärte die 25-Jährige Richter Görgen, vor allem auch deswegen, weil er ihren zur Gewalttätigkeit neigenden Ex-Freund gegen sie aufgehetzt habe. Mit dem älteren und besitzergreifenden Mann habe sie bereits erhebliche Schwierigkeiten bekommen, weil das Tatopfer intime Gerüchte über sie verbreitet habe. Die hätten keinesfalls der Wahrheit entsprochen.

Sie habe sich tief in ihrer Ehre verletzt gefühlt und wollte dem Arbeitskollegen, der ihr Vertrauen sträflich missbraucht habe, einen Denkzettel verpassen, mehr aber nicht. Von irgendwelchen Mordabsichten distanzierte sich die junge Frau ebenso wie der 20-Jährige.

Weil er zur Tatzeit erst 19 Jahre alt war, gilt er juristisch als Heranwachsender, so dass in diesem Fall eine Jugendkammer zuständig ist. Im Vorfeld der Tat vom 3. Mai hatten beide bereits die künstlerischen „Fähigkeiten“ des Freundes genutzt, um ihren Unmut mit Graffitis auf der Wand des Hauses und einer unweit gelegenen Wäscherei zu dokumentieren. Dort hatten sie dann Beleidigungen aufgesprayt. Der 20-Jährige gab an, er sei gut im Zeichnen und die Graffiti-Kunst sein Hobby.

Doch auch das Basteln von Molotowcocktails scheint zu seinem Freizeitvergnügen zu gehören. Denn die Freundin berichtete, er habe in seiner Heimatstadt Stolberg bereits die selbst gebastelten Benzinbomben an leerstehenden Häusern ausprobiert. Für den aktuellen Brandsatz nahm er ein Rote Beete-Glas mit einer Füllmenge von 0,64 Litern.

Dass mit dem Molotowcocktail eigentlich gar nicht so viel passieren könne, habe sie vorher „gegoogelt“, berichtete sie offenherzig naiv dem staunenden Gericht. Sie habe sich auch entsprechende You Tube-Videos angesehen, da hätten Häuserwände nie Feuer gefangen. Für beide Angeklagte ist je eine psychiatrische Sachverständige bestellt worden, der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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