Brandmeisteranwärter: 89 Bewerber gehen ins Rennen

Von: Laura Beemelmanns
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Hoch hinaus: Wer beim Auswahlverfahren für Brandmeisteranwärter unter die Ersten kommen möchte, der muss unter anderem die 30 Meter hohe Drehleiter einmal rauf und einmal runterklettern. Wer daran scheitert, ist direkt raus. Foto: L. Beemelmanns
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Sicherheit geht vor: Bevor die Bewerber die Drehleiter hochklettern, werden sie registriert und gesichert. Foto: L. Beemelmanns
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Anstehen für den großen Aufstieg: Die 89 Bewerber warten in der warmen Fahrzeughalle der Feuerwache Stolberg darauf, auf die 30 Meter hohe Drehleiter zu steigen – eine der Aufgaben, die sie erfüllen müssen. Foto: L. Beemelmanns
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Die Bewerber müssen zunächst 3000 Meter laufen und dann noch mal 400 Meter sprinten – bei den eisigen Temperaturen an diesem Tag kein leichtes Unterfangen. Foto: L. Beemelmanns
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Glücklich sind die, die das Auswahlverfahren schon hinter sich haben. Dennoch müssen auch die Feuerwehrleute der Kommunen Stolberg, Eschweiler, Alsdorf, Würselen und Herzogenrath in der Kälte arbeiten – beispielsweise als Wertungsrichter. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Schwindelfrei sind wohl nicht alle der 89 jungen Männer, die an diesem sonnigen, aber wahnsinnig kalten Tag die 30 Meter hohe Drehleiter hinaufsteigen. „Zügig und sicher hinaufgehen“, lautet die Anweisung der Wertungsrichter, die beim Auswahlverfahren für die künftigen Brandmeisteranwärter der Städteregion auf der Feuerwache Stolberg ein Urteil darüber fällen, ob die Männer für diesen Job überhaupt geeignet sind.

Zum ersten Mal

Die meisten von ihnen steigen so eine hohe Leiter zum ersten Mal hinauf – eine schwindelerregende Angelegenheit. Denn nicht nur Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr versuchen ihr Glück, die das vielleicht schon das eine oder andere Mal gemacht haben, bei diesem Auswahlverfahren haben sich auch Rettungsassistenten und Quereinsteiger beworben.

Doch sie können aufatmen: Hinter alle Namen auf der langen Liste wird schließlich ein Haken gesetzt – das Zeichen dafür, dass sie es geschafft haben. In diesem Jahr hat die Höhenangst niemanden übermannt. Das komme in der Regel auch so gut wie nie vor, sagt einer der Wertungsrichter. War die Leistung allerdings besonders gut, wenn also jemand besonders sicher beim Aufstieg war, wird das auch gesondert vermerkt.

Und das lässt sich von unten – auf sicherem Untergrund – in der Tat sehr gut beurteilen. Denn je schneller man die Drehleiter hinaufsteigt, desto mehr wackelt sie. Das ist in so einer Höhe nicht nur sehr unangenehm, sondern auch gut sichtbar.

Wer oben angekommen ist, muss rufen und dann wieder runterklettern. „Da wird es dann schwierig“, sagt einer der Wertungsrichter. „Wenn man oben angekommen ist, für einen Moment verharrt und dann realisiert, wo man da eigentlich gerade ist, da wird es einem dann schon mal schummrig“, fügt er hinzu.

Doch er weiß auch: „Wer da hochgeht und sich nicht unwohl fühlt, mit dem stimmt etwas nicht“, sagt er und lacht. Dennoch gehöre auch diese Aufgabe zum Feuerwehr-Dasein dazu. Und auch wenn es kalt ist an diesem Tag, so ist es zumindest trocken und nicht allzu windig. „Die Anwärter hätten bei jedem Wetter hoch gemusst“, sagt der Wertungsrichter.

Mit diesem Aufstieg haben sie allerdings erst eine Hürde im Auswahlverfahren genommen. Eine von vielen. Denn an gleich zwei Tagen müssen sich die 89 angetretenen Bewerber beweisen und gegen die Konkurrenz durchsetzen, um die Ausbildung zum Brandmeister überhaupt beginnen zu dürfen. Nur etwa 15 bis 20 von ihnen werden eingestellt.

Kein Bedarf in Alsdorf

Die Kommunen Stolberg, Eschweiler, Würselen und Herzogenrath haben Stellen zu vergeben. Lediglich Alsdorf sucht derzeit keine neuen Brandmeister. Für Stolberg sind beispielsweise 27 Männer angetreten. Drei von ihnen sollen übernommen werden, sofern der Personalausschuss zustimmt. Wie viele Bewerber in den anderen Kommunen übernommen werden, ist noch nicht abschließend geklärt.

Dennoch haben sich alle der fünf hauptamtlichen Feuerwachen in der Städteregion an diesem Auswahlverfahren beteiligt. Sie haben Wertungsrichter gestellt und jede Menge helfende Feuerwehrleute. Viele Augen sehen schließlich mehr, wenn „die persönliche Eignung“ festgestellt wird, wie es heißt. Zudem sei das „eine sehr kostengünstige Variante, wenn sich alle Wachen zusammenschließen“, wie Andreas Dovern, Leiter der Feuerwehr Stolberg, sagt.

Grammatik und Kommasetzung

Zu diesem Auswahlverfahren gehört allerdings nicht nur das Erklimmen der Drehleiter. Zuvor haben die Bewerber einen theoretischen Test absolviert. Darunter fallen Aufgaben wie beispielsweise ein Diktat. Dabei wird ein Artikel aus der aktuellen Nachrichtenlage vorgelesen, den die Bewerber handschriftlich aufschreiben müssen – mit entsprechender Grammatik und Kommasetzung.

Schließlich sollen aus ihnen mal Beamte werden. Im Anschluss folgt ein Staatsbürger- und Allgemeinwissenstest mit Fragen wie „Wer ist das aktuelle Staatsoberhaupt Deutschlands?“ oder „Nennen Sie vier Bundesländer und deren Hauptstädte“ sowie ein Test zur technischen Mathematik. Dabei geht es vor allem um die Berechnung von Flächen, Volumen und Aggregatzuständen oder das Umrechnen von Einheiten.

Zum Abend hin müssen die Bewerber dann noch 3000 Meter auf dem Sportplatz Glashütter Weiher laufen. Das entspricht rund siebeneinhalb Runden auf der Tartanbahn. Und danach noch 400 Meter sprinten. Bei gerade einmal fünf Grad Außentemperatur ist das an diesem Tag kein Zuckerschlecken.

Auch wenn danach erst einmal Schluss ist, ist das Auswahlverfahren damit noch nicht beendet. Am nächsten Tag geht es weiter – im Schwimmbad. Dort müssen die Anwärter 15 Meter tauchen und in sechs Minuten 200 Meter schwimmen; immerhin dürfen sie sich den Stil selbst aussuchen. Und außerdem müssen sie noch ein Zirkeltraining absolvieren, das die Sporthochschule Köln entwickelt hat.

Eine Disziplin, die an diesen beiden Tagen nicht bestanden wird, führt zum Aus. Wer es also nicht schafft, die 3000 Meter zu laufen, 400 Meter zu sprinten, die 30 Meter hohe Drehleiter hinaufzusteigen oder die Theorie mit „mangelhaft“ abschließt, für den ist der Traum vom Brandmeister ausgeträumt.

18 Monate Ausbildung

Wer die Tests erfolgreich hinter sich gebracht hat, ist damit aber noch nicht eingestellt. Es folgt ein Auswahlgespräch. Erst danach wird entschieden, wer eingestellt wird.

Im Anschluss beginnt die 18 Monate dauernde Ausbildung zum Brandmeister und Rettungssanitäter. In dieser Zeit müssen die künftigen Brandmeister unter anderem Fachlehrgänge wie beispielsweise einen Motorsägen- und Maschinistenlehrgang besuchen, Dienst mit Brandmeistern machen, ein Praktikum in einem Krankenhaus absolvieren und das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber machen.

„Der größte Teil der Ausbildung findet in Eschweiler statt“, sagt Michael Konrads, Sprecher der Feuerwehr Stolberg. In Stolberg wird dann beispielsweise die Funk- und Maschinistenausbildung übernommen. Bis es soweit ist, müssen die Bewerber aber noch ein wenig zittern – und hoffen, dass sie als künftige Brandmeister überzeugen konnten.

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