Boxtraining: Mehr als nur Schläge, Schweiß und Muskelkater

Von: Rolf Hohl
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Durchboxen: Nicht nur im Sport, sondern in allen Lebensbereichen. Andreas Keloglou und Robert Kuttler zeigen, wie es geht. Foto: R. Hohl

Stolberg. „In jedem steckt ein guter Charakter“, sagt Robert Kuttler. „Manchmal braucht es nur ein wenig Zeit, um ihn zum Vorschein zu bringen.“ Er muss es wissen: Der Boxtrainer vom Kampfsport Club Stolberg (KSC), den er 1999 Jahren selbst gegründet hat, ist seit über 40 Jahren aktiver Kampfsportler und fast ebenso lange auch als Trainer tätig.

Heute geht er es etwas ruhiger an, aber nicht weniger engagiert. Mit seinem ehemaligen Schüler Andreas Keloglou organisiert er seit Oktober vergangenen Jahres einen Boxkurs für Jugendliche und Kinder im Alter von elf bis 18 Jahren.

Ein Angebot, das sich insbesondere an junge Menschen mit Migrationshintergrund richtet, um soziale Kompetenzen und Bewegung zu fördern – und es wird gut angenommen. „Mit der Pünktlichkeit hapert es manchmal noch ein wenig“, schmunzelt Sabine Souren, während sich die Jugendlichen immer zahlreicher in der Mitte der Turnhalle der Hauptschule Kogelshäuserstraße einfinden. Sie ist die Leiterin des Projekts „Mach mit, sei fit“ vom Deutschen Roten Kreuz Aachen, in dessen Rahmen die regelmäßigen Boxtrainings sowie andere Sportangebote in der ganzen Städteregion organisiert werden.

„Zuhören, aufstellen!“, hallt es den Kindern entgegen. Die Anweisungen von Trainer Keloglou sind kurz und deutlich. Nachdem sie sich in einer Linie aufgestellt haben, schickt er sie sogleich zum Aufwärmen über einen Hindernis-Parcours. Unter seinem strengen Blick balancieren die jungen Boxer – auch Mädchen sind dabei – über einen Balken, gehen im Slalom um Plastikhütchen und überwinden einen Turnkasten. „Wir sind früher immer auf Bäume geklettert, aber heute darf man das ja kaum noch irgendwo“, sagt Kuttler lachend.

Schon jetzt wird deutlich: Es geht um mehr als nur das Erlernen einer Kampfsportart. Koordination und Selbstbewusstsein heißen die Stellschrauben, an denen Keloglou und Kuttler drehen. Und Disziplin. „Anfangs hatte ich Bedenken, dass die Kinder durch die strengen Anweisungen verschreckt werden“, erklärt Organisatorin Souren, die die Trainingsstunden immer begleitet. „Doch viele haben mir erzählt, dass ihnen die deutlichen Worte gefallen, sie geben ihnen einen klaren Weg vor.“

Eine Orientierung, die vielen der jungen Menschen hier im Alltag offenbar fehlt. Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede stehen dem selbstverständlichen Umgang häufig im Weg und erschweren die Kommunikation. Hürden, die der Sport ohne Probleme überwindet. „Sozialer Status oder Herkunft sind bei uns vollkommen egal“, sagt Keloglou. „Die Werte, die wir vermitteln, sind Disziplin, Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt. Das sind auch jene Werte, die mir von Kuttler vermittelt wurden, als ich mit dem Training bei ihm begonnen hatte.“

Er weiß wovon er spricht, denn auch bei Keloglou war es der Boxsport, der ihm in schwierigen Zeiten die Richtung gewiesen hat. Mit fortschreitendem Verlauf des Trainings tauen an diesem Abend auch die Kinder immer mehr auf. Die Unsicherheit verschwindet und der Spaß an den gemeinsamen Übungen tritt an deren Stelle. Schnell wird klar, dass Boxen weniger eine Frage der Körpermaße oder der Kraft ist, sondern ganz besonders den Kopf fordert. „Koordination und Konzentration sind das Wichtigste bei diesem Sport“, mahnt Kuttler immer wieder.

Das ist auch bei der letzten Übung an diesem Tag nicht anders. Hierbei wird besonders die Körperhaltung trainiert und das Platzieren von Schlägen auf einen bestimmten Punkt auf einer dicken Matte an der Wand. Das klingt einfacher als es ist, doch wenn Probleme auftreten, sind die beiden Trainer immer sofort mit motivierenden Tipps zur Stelle. In solchen Momenten weicht auch die Strenge aus ihren Gesichtern und die Freude an der gemeinsamen Arbeit mit den Kindern blitzt erkennbar auf.

Und nach ihrer Meinung hat sich schon vieles getan, seit das Projekt im vergangenen Jahr gestartet ist. „Besonders die Disziplin ist besser geworden“, sagt Keloglou, bevor er zum Abschluss wieder antreten lässt. Nach einer kurzen Ansprache geht die Trainingsstunde schließlich zu Ende, aus der die Kinder weit mehr mitgenommen haben, als bloß Muskelkater.

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