Stolberg - Böllerreste der Silvesternacht mit Schaufel und Besen beseitigt

Böllerreste der Silvesternacht mit Schaufel und Besen beseitigt

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
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Schon am Morgen des Neujahrstages unterwegs: Diese „Saubermänner“ beseitigten zwischen Mühlener Brücke und Bastinsweiher auf Straßen und Plätzen Überreste von Feuerwerk. Foto: C. Hahn

Stolberg. „Es wird immer weniger, von Jahr zu Jahr.“ Mohammad Umar Tahir, Gemeindepräsident der Ahmadiyya-Muslime in Stolberg, ist alles andere als unzufrieden. Zusammen mit seinem Sohn Arsalan, Ortsvorsitzender der Jugendorganisation in der Kupferstadt, und zehn weiteren Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft hat er am Neujahrstag die Straßen und Plätze zwischen Mühlener Brücke und Bastinsweiher von sämtlichen Überresten der Silvesternacht gesäubert.

Seit zehn Jahren treten Tahir, der wie die meisten Ahmadiyya-Mitglieder aus Pakistan stammt, mit Putzaktionen zum Jahreswechsel in Erscheinung. Das Ziel: Im Sinne des Mottos „Liebe für alle, Hass für keinen“ wollen die Muslime einer weit verbreiteten Feindseligkeit entgegenwirken – indem sie ihren Mitbürgern einen nützlichen Dienst wie das Aufräumen von detonierten Böllern, Raketen und anderen Überresten irgendwelcher Feuerwerksartikel.

Auch wenn es in Stolberg nur rund 30 Ahmadiyya-Muslime, Anhänger einer 1889 gegründeten islamischen Reformbewegung, gibt, suchen sie in ihrer Freizeit bewusst den Kontakt mit der Öffentlichkeit und sich für das Gemeinwohl nützlich machen. Dahinter steckt eine Philosophie dessen, was der Gemeindepräsident und seine Mitstreiter mit ihrem Einsatz erzielen wollen.

Vor allem wollen Umar Tahir und die Seinen dem verbreiteten Hass gegen Muslime und dem, was sich dahinter verbirgt, Kontra bieten. Für Umar Tahir ist die wahre Ursache völlig klar, und er kleidet das ganze erst einmal in eine rhetorische Frage: „Wie begegnet man dieser Angst?“, diagnostiziert er und hat dabei das Gegenmittel klar vor Augen: „Indem man mit einander spricht.“ Dass an diesem Morgen die Saubermänner (Frauen sind nicht mit dabei) auf das Warum und Wieso ihrer Aktion anspricht, ist also weit mehr als ein Nebeneffekt.

Sauber machen, und das so schnell, wie das kaum ein anderer Mensch so früh am Neujahrsmorgen hinbekommen würde: Das leistet dieser ganz spezielle Reinigungstrupp mit großer Geschwindigkeit und typisch deutscher Gründlichkeit. Zwölf von 30 Gläubigen schwingen den Besen – diese Quote kann sich sehen lassen. Dass die Beteiligung so überragend ausfällt, ist mit das Verdienst von Umar Tahirs Sohn Arsalan: Der Psychologie-Student (Universität Köln) ist Vorsitzender der Kupferstädter Jugendgruppe und organisiert in dieser Eigenschaft die Aufräumaktion. Was sicher mehr als ein Zufall ist: Gemeinde und Putztruppe sind vor allem eines – jung.

Zuhause sind die Ahmadiyya-Muslime übrigens in der Bierweiderstraße 26, wo nicht zuletzt jeden Freitag die Zusammenkünfte der Gläubigen stattfinden. Einen eigenen Vorbeter haben sie nicht. Wohl aber kommt der Imam aus Aachen, der in Hessen eine theologische Ausbildung genossen hat, im Schnitt einmal pro Monat nach Stolberg.

Alleingelassen fühlen sich die Anhänger deshalb noch lange nicht. „Jeder, der sich gut genug auskennt, darf vorbeten“, erklären Vater und Sohn Tahir. Dass sie und die anderen Ahmadis gute Bürger sind und mit ihrer alljährlichen Aktion zum Wohl des Gemeinwesen beitragen, wird von den zuständigen Fachleuten im Rathaus längst anerkannt. Besen, Warnwesten und Schubkarre – kurzum: alles, was sie für das große Reinemachen brauchen – wurde den Saubermännern mit einer wichtigen Botschaft von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt.

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