Bodenaushub: Stadt nimmt Entsorgung selbst in Hand

Von: Jürgen Lange
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Provisorisches Zwischenlager des Aushubs der Prämienstraße auf dem DLZ-Gelände: Stolberg möchte nun einen Wertstoffhof etablieren, um die Entsorgung belasteter Böden kostengünstiger zu regeln und einen reibungslosen Ablauf von Baustellen gewährleisten zu können. Foto: J. Lange
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Wenn sich die Baggerschaufel irgendwo in Stolberg in die Erde gräbt, kommen oft Abfälle zum Vorschein. Foto: Archiv

Stolberg. Stolberg wäre ohne seine Bodenschätze keine Industriestadt geworden. Doch heute gelten die Erze und ihre Abfallprodukte eher als Problem. Und das taucht immer dann auf, wenn der Boden aufgegraben wird. Das jüngste Beispiel ist der Ausbau der Prämienstraße, der im Frühjahr unterbrochen werden musste.

Der jahrelang gewohnte Entsorgungsweg für das mit Schwermetallen belastete Stolberger Erdreich war weggebrochen. Die Aufnahmekapazitäten der Deponie in Aldenhoven waren erschöpft; ein neuerliches Genehmigungsverfahren ist noch anhängig.

In Köln gefunden

Ein anderer Entsorgungsweg musste her. Den suchte das beauftragte Tiefbauunternehmen und fand ihn in Köln. Allerdings betrugen die Zusatzkosten dafür mit knapp 500.000 Euro nahezu die Hälfte des gesamten Straßenbaus. Das spornte die Verwaltung an, Alternativen zu suchen.

Gefunden wurden sie beim Altlasten-Sanierungs-Center Aachen (Asca), eine Tochterfirma mehrerer regionaler Bau- und Umweltunternehmen. Teilweise konnten die belasteten Böden auf der Deponie Horm verbracht, teilweise in Aldenhoven aufbereitet werden. Die Kosten für die Entsorgung sanken auf rund 225.000 Euro.

Dieser finanzielle Erfolg war für die Verwaltung ein Anreiz, aus der Not eine Tugend zu machen. Denn Tiefbauprojekte werden die Kupferstadt noch auf Jahre prägen. „Wir haben uns zwischenzeitlich aus Kostengründen entschlossen, die Deponierung der Aushubmassen in Eigenregie zu beauftragen“, erklärt Tobias Röhm. Das nächste Beispiel Rathausstraße gibt dem Technischen Beigeordneten recht. Rund 85.000 Euro spart Stolberg, wenn es selbst und nicht das beauftragte Tiefbauunternehmen die Entsorgung des Aushubs übernimmt.

Nun geht die Kupferstadt noch einen Schritt weiter. Sie möchte einen Wertstoffhof zur Zwischendeponierung von Bodenaushub etablieren. „Die Entsorgung von Aushubmaterial städtischer Baumaßnahmen gestaltet sich zunehmend schwieriger und teurer“, sagt Röhm. „Gründe sind die gesetzlichen Anforderungen mit verschärften Grenzwerten sowie der verknappte Deponieraum und weitere Frachtwege“.

Da aber gerade Stolberger Boden immer wieder zu Problemen bei der Entsorgung führt, möchte der Beigeordnete mit dem Projekt eine größere Planungs- und Kostensicherheit erreichen. Er schlägt vor, die Aushubböden der einzelnen Baumaßnahmen auf einem Wertstoffhof zwischenzulagern, dort beproben zu lassen und anschließend auf Basis der dann festgestellten chemischen Zusammensetzung ordnungsgemäß zu entsorgen.

Auf diese Weise könne der Boden in Gänze analysiert und der Entsorgungsweg einheitlich ermittelt werden. Zudem seien weniger Bodenproben erforderlich als bei einer direkten Entsorgung von vor Ort aus, während die eigentlichen Tiefbauarbeiten ungestört weiter laufen könnten.

Allerdings müsse der Wertstoffhof aufgrund der zur Lagerung erforderlichen Genehmigungen von einem privaten Dritten betrieben werden. Um kurze Wege zu haben, soll sich die Anlage im Stadtgebiet befinden und eine jährliche Kapazität von 20.000 Tonnen bewältigen können.

Der jeweilige Transport soll ausgeschrieben und baustellenscharf abgerechnet werden. Die Abwicklung der Kosten für Zwischenlagerung, Beprobung, Transport und Entsorgung soll über einen Rahmenvertrag geregelt werden –zuerst bis Ende 2018, dann mit jährlicher Verlängerungsoption zur besseren Kalkulation der Deponiekosten.

Schon zugestimmt

Da das Vorhaben den Schwellenwert von 209.000 Euro überschreiten wird, muss es europaweit ausgeschrieben werden. Der Bau- und Vergabeausschuss des Stadtrates hat dem Vorgehen bereits zugestimmt.

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