BM-Kandidat der SPD will Leiter werden

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
reinerybu
Rückendeckung von SPD-Chef Franz Müntefering im Wahlkampf: Andreas Reinéry, Bürgermeister-Kandidat in Reichshof, will neuer Fachbereichsleiter in Stolberg werden. Er ist einer von sieben in der Vorstellungsrunde.

Stolberg. Wenn am kommenden Montag die Vorstellungsrunde der Bewerberinnen und Bewerber für die Position der Fachbereichsleitung Innere Verwaltung im Stolberger Rathaus beginnt, ist noch recht offen, wie zielführend das Auswahlverfahren sein wird.

Das hatte zwar am 5. Dezember mit der Ausschreibung der nach A15 dotierten Stelle begonnen, aber sieben Wochen später hatte der Stolberger Stadtrat ganz formal den Zustand der drohenden Überschuldung feststellen müssen.

Und angesichts der erwarteten Insolvenz sind der Kupferstadt auch die personellen Gestaltungsmöglichkeiten zusammen gebrochen. „Personalwirtschaftliche Maßnahmen, zu denen die Gemeinde nicht rechtlich verpflichtet ist, sind nicht zulässig”, zitierte bereits Kämmerer Dr. Wolfgang Zimdars aus dem „Leitfaden Maßnahmen und Verfahren zur Haushaltsicherung” des Innenministeriums aus dem Kapitel „Umgang mit drohender Überschuldung”.

Wobei eine „rechtliche Verpflichtung” zur Einstellung eines vierten Fachbereichsleiters nicht erkennbar ist, allenfalls ein politischer Wille: Denn die Organisationsgewalt für die Struktur einer Verwaltung obliegt laut Paragraph der Gemeindeordnung dem Bürgermeister.

Entsprechend diplomatisch zurückhaltend äußerte sich am Montag die Kommunalaufsicht der Städteregion zur Besetzung einer neuen Fachbereichsleitung, die einer Entscheidung in der Kupferstadt nicht vorweggreifen wollte, aber „diese Maßnahme muss von der Kommunalaufsicht genehmigt werden”, erklärte Städteregions-Sprecher Hans-Josef Heinen auf Anfrage unserer Zeitung.

Ungeachtet der rechtlichen Frage der Stellenbesetzung nimmt das Personalkarussell seine Fahrt auf, auf das kein Bewerber aus dem Rathaus springen konnte. Am kommenden Montag präsentieren sich den Vertretern der Ratsfraktionen sowie des Personalrates, dem Bürgermeister und dem Ersten Beigeordneten zunächst drei, am Folgetag vier Interessenten.

Die sieben Kandidaten - darunter vier Damen - waren ausgewählt worden aus über 70 Bewerbungen für die Position der Fachbereichsleitung, die nach Auffassung der Opposition der SPD nur dazu diene, einen potentiellen Nachfolger für Ferdi Gatzweiler als Bürgermeisterkandidat 2015 zu positionieren. Dies dementiert der Bürgermeister, der „keine Kandidatur mit rein politischem Hintergrund” unter den Interessenten ausmachen könne.

Gleichwohl sticht die Vita des Mannes aus den Bewerbungen hervor, der sich als letzter der Kandidaten am kommenden Dienstag präsentieren soll: Andreas Reinéry, Leiter des Tourismus der Stadt Bad Berleburg im Wittgensteiner Land, trat bereits 2009 an in Reichshof als Bürgermeister-Kandidat der SPD, unterlag aber seinem christdemokratischen Mitbewerber.

Die Genossen in Reichshof und seinem Heimatort Morsbach schlugen den 46-Jährigen auch als Landtagskandidaten vor, er unterlag aber bei der SPD-Wahlkreiskonferenz im Oberbergischen deutlich seinem parteiinternen Mitbewerber.

In Bad Berleburg gilt es als offenes Geheimnis, dass Reinéry, dem eine hohe Qualifikation nachgesagt wird, eine neue Herausforderung sucht. Dort war er bis 2007 Erster Beigeordneter, wechselte aber nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Bürgermeister vorzeitig in die niedriger dotierte Position des Tourismusleiters, die eigens von A11 nach A13 aufgewertet worden war.

Zuvor war der Vater mit Lebensgefährtin und sieben Kindern unter anderem beim Bundesrechnungshof, bei den Bundesanstalten für Post und Telekommunikation sowie Anerkennung politischer Flüchtlinge, bei der Wirtschaftsförderung Rhein-Sieg sowie als Polizeibeamter im Streifendienst tätig.

In seiner Studienzeit (EU Verwaltungsmanagement) lernte Renéry die Region kennen und betreute ein Projekt in Kerkrade. In Stolberg reizt ihn besonders auch die Rolle in der Städteregion - „ein Modell für NRW. Ich bewundere den Mut und die Kreativität”, sagte der Bewerber auf Anfrage unserer Zeitung und ordnete auch seine politische Rolle ein. „Ich bin 30 Jahre berufstätig und habe die Politik kennengelernt, aber ich habe ein größeres Faible für die Arbeit in einer Verwaltung”.

Auch zu der von der Stolberger Opposition zugeordneten Rolle als Gatzweiler-Erbe nahm Andreas Reinéry Stellung: „Das wichtigste ist die Freude an der Arbeit, und was in unserer schnelllebigen Zeit in sechs Jahren sein wird, kann heute noch keiner wissen.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert