Bluttat: Oben im Haus schnappt die Falle zu

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
13936137.jpg
Grausames Bild auch für die Spurensicherung der Polizei: Das Bad, in das man den Schwerverletzten gezogen hatte, war über und über voller Blut, ebenso das Treppenhaus. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Stolberg. Das Opfer der Bluttat war der neue Freund von Christina W. aus Stolberg. Jener, zur Tatzeit 27 Jahre alt, überlebte den Sommerabend des 23. August 2016 nicht, weil der Ex-Freund seiner neuen Liebe sich absolut nicht mit der Trennung abfinden wollte, er erstach den neuen Freund mit einem Küchenmesser aus der Schublade seiner Ex.

An diesem verhängnisvollen Abend wollte Goran M. (21), ebenfalls aus Stolberg, anscheinend wie schon so oft zuvor seine ehemalige Freundin zu Hause aufsuchen und vermutlich stalken. Das berichtete sie am Mittwoch klar und deutlich vor dem Aachener Schwurgericht, manchmal musste sie wegen Weinkrämpfen ihre Aussage vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen unterbrechen. Hier ist Goran M. wegen Totschlags seines Kontrahenten angeklagt, ein junger Mann, den der mutmaßliche Täter vorher noch nie gesehen hatte.

Christina W. schilderte gestern, wie irgendwann nach 22 Uhr ihr Ex auf der Harley vorfuhr. Den Sound des Motorrads kannte sie zur Genüge, sie erschrak sich zu Tode. Goran M. wohnte zu dieser Zeit in Eschweiler, seine Eltern aber haben keine zwei Straßen weit entfernt von der Tatwohnung ihr zu Hause, beschrieb die Zeugin die Zusammenhänge.

Seit ihr Ex-Freund im Jahr 2013 einen schlimmen Motorradunfall hatte und später von seinem Arbeitgeber gekündigt wurde, sei er ein ganz anderer Mensch geworden. Die junge Frau habe das schließlich nicht mehr aushalten können. Habe versucht, Goran M. zu erklären, dass ihre Beziehung zu Ende sei. Doch der habe das nicht wahr haben wollen, sagte sie unter Tränen, habe begonnen, sie zu stalken, auf üble Art und Weise.

Rollladen schnell herabgelassen

Seit etwa zwei Wochen war sie nun mit Jan R. zusammen, eine Tatsache, die ihr Ex nicht wusste – jedoch anscheinend ahnte, berichte sie dem Gericht. Als er nun wieder mit seiner Harley in Gressenich vorfuhr, habe sie noch versucht, sich zu verstecken, gleichfalls auch den „Neuen“, der gerade unter der Dusche stand und zunächst nichts mitbekam, ungesehen aus der Wohnung zu bringen.

Schnellstens habe sie alle Rollladen der Parterrewohnung herabgelassen, das Licht ausgemacht und selbst die Klingel abgestellt. „Das mit der Klingel war vielleicht falsch“, machte sie sich Vorwürfe. Das habe den eifersüchtigen Ex-Freund womöglich auf die Spur gebracht, dass doch jemand zu Hause war. Schnell habe sie ihren Freund ins Treppenhaus geschickt, er solle „ganz nach oben“ zu befreundeten Nachbarn gehen, die würden ihn bestimmt hereinlassen. Dann plötzlich sei es über sie hereingebrochen. „Er riss die Rollladen vom Wohnzimmer heraus, trat die Hintertüre ein“, dann hörte sie „die Schublade“, es war dort, wo die Küchenmesser lagen.

Sie sprintete hinter ihrem Freund her nach oben. Doch trotz allen Flehens machte oben im 2. Stockwerk niemand auf, sie saßen in der Falle. Der Angeklagte kam hoch, sagte nichts und stach den Kontrahenten mit einem Stich durch die Achsel in die Brust nieder. Das Opfer wurde 45 Minuten reanimiert, doch der Blutverlust war wohl so groß, dass er nicht mehr gerettet werden konnte. Der Angeklagte floh, wurde dann später festgenommen. Die Familie des Opfers saß gestern als Nebenkläger im Saal, versteinert hörte man sich an, wie der 21-jährige Angeklagte seinen Lebenslauf berichtete, ein Geständnis legte er jedoch nicht ab. Der Prozess geht heute weiter.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert