Bluttat: Gericht verhängt Haftstrafe von neun Jahren

Von: Wolfgang Schumacher
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Das Aachener Schwurgericht verhängte eine Haftstrafe von neun Jahren für den Messerstecher. Symbolbild: Colourbox

Aachen/Stolberg. Im Fall des Angeklagten Goran M. (21) aus Stolberg-Gressenich fällte das Aachener Schwurgericht am späten Montagnachmittag ein Urteil mit Augenmaß.

Weil der 21-Jährige am Abend des 23. August 2016 den neuen Freund seiner ehemaligen Lebensgefährtin aus reiner Eifersucht mit einem Messer getötet hatte, verhängte die Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen eine neunjährige Haftstrafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Ursprünglich war Goran M. wegen Totschlags angeklagt worden. Doch im Verlauf der Beweisaufnahme konnten die letzten Minuten auf der Treppe zwischen dem ersten und dem zweiten Obergeschoss des Hauses, in dessen Parterre sich die Wohnung der Ex-Freundin befand, nicht bis ins Letzte aufgeklärt werden.

Wie das 27-jährige Opfer aus Geilenkirchen in dem Gerangel den tödlichen Stich abbekam, konnte das Gericht nicht zweifelsfrei feststellen, als einzige Zeugin war die 26-jährige Ex-Partnerin nicht in der Lage, den Tatablauf exakt zu schildern. Die Kammer konnte somit nicht mit letzter Sicherheit eine Tötungsabsicht des Angeklagten nachweisen. Das bedeutete, dass für Goran M. jetzt lediglich eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung in Frage kam. Doch selbst eine Verurteilung wegen Totschlags hätte wohl kaum ein höheres Strafmaß erbracht, wie es viele im voll besetzten Saal sicher hätten sehen wollen.

Das Schwurgericht stufte den 21-jährigen ehemaligen Mechatronik-Azubi ohne jeden Zweifel als „Aggressor“ an diesem Sommerabend ein. „Was will der Angeklagte uns eigentlich alles weismachen?“, hatte sich Richter Klösgen in der Urteilsbegründung vor dem Saal erzürnt gefragt. M. sei in dieser „On-Off-Beziehung“ eindeutig der eifersüchtige, gewaltbereite Teil gewesen und dies, obgleich er selber seit Juli 2016 eine neue Freundin hatte, mit der er bereits eine Verlobung eingegangen war.

Jener Verlobten war bis zu ihrem Auftreten vor Gericht in der vergangenen Woche nicht klar gewesen, dass Goran M. immer noch nicht von der 26-Jährigen loskam und er bis zum Tatabend – er hatte gerade seine Verlobte nach Hause gefahren, um dann bei seiner Ex vorbeizufahren – auf „den Neuen“ traf und rasend vor Eifersucht wurde. Er habe die Rollladen der Parterrewohnung herausgerissen, schilderte der Richter den vorausgehend Gewaltakt, habe die Türe eingetreten, lange Messer aus der offenen Küchenschublade genommen und sei außer sich vor Eifersucht hinter den beiden hergelaufen.

Auf Geheiß der 26-Jährigen, die seit Jahren dort in direkter Nachbarschaft zum Elternhaus des Täters wohnte, waren Jan R. und sie nach oben zu Nachbarn gelaufen, die, so hoffte man, die Tür aufmachen und Schutz bieten würden. Doch aus Angst hielt der junge Vater im Obergeschoss die Tür geschlossen, trotz lautem Klopfen und Schreien der beiden, die in der Falle saßen. Für den lebensfrohen Jan R. war es eine Todesfalle.

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