Blutspende-Engpass: Eine Stunde, ein Leben zu retten

Von: Thomas Waltl
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Wer in Stolberg Blut spenden möchte, muss entweder auf einen Termin des DRK warten oder auf andere Städte beziehungsweise Krankenhäuser ausweichen – wie beispielsweise das Uniklinikum Aachen. Foto: E. Zander

Stolberg. Die Blutkonservenvorräte des Deutschen Roten Kreuzes in Nordrhein-Westfalen schrumpfen. Blutspenden werden dringend benötigt. In Stolberg gibt es aber keine Termine.

Der längste Poststreik seit mindestens 20 Jahren ist glücklicherweise vorbei. Bis aber alle verzögerten Briefe ausgetragen sind und sich die Lage normalisiert, wird es noch etwas dauern.

Große Auswirkungen hatte der Streik auch für den Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Denn viele Aufrufbriefe, die die Blutspender über anstehende Termine informieren sollten, sind noch nicht angekommen. Das DRK beklagt sich über den schon befürchteten Abriss des „Blutstroms“. Soll heißen, es sind in den vergangenen Wochen weniger Spender zu den Blutspende-Aktionen des Deutschen Roten Kreuzes in Nordrhein-Westfalen gekommen als geplant und vor allem benötigt. Dies lässt die Vorräte an Blut und Blutpräparaten schrumpfen.

Neben dem Poststreik gibt es weitere Gründe für die mangelnde Anzahl an Blutspendern: Viele nutzen das Sommerwetter, um Freibad und Biergarten zu besuchen. Aufgrund der Sommerferien sind auch viele „Stammspender“ im wohlverdienten Urlaub angelangt. Besonders betroffen vom Spende-Mangel sind die Vorräte an Blutkonserven der Blutgruppe Null Rhesus positiv sowie alle Rhesus negativen Blutgruppen. In der Regel wird nur gruppengleiches Blut übertragen. Die Blutgruppe Null Rhesus negativ – zum Beispiel – kann allen Empfängern übertragen werden und ist daher besonders für Notfallsituationen wichtig, wenn keine Zeit bleibt, um den Patienten vollständig zu untersuchen, und schnell Blut zur Verfügung gestellt werden muss.

Jedoch tragen gerade einmal sechs Prozent aller Deutschen die Blutgruppe Null Rhesus negativ. Aber auch Blutgruppen, die in der Bevölkerung häufig vertreten sind, fehlen zurzeit in den Lagern des DRK-Blutspendedienstes. Aus diesem Anlass erreichte unsere Redaktion ein Aufruf des DRK, um wiederum viele Bürger zu erreichen, die Blut spenden können. Denn sollte sich die Lage weiter verschärfen, könne das im schlimmsten Fall dazu führen, dass geplante Operationen verschoben werden müssten. Die jetzigen Vorräte des DRK reichen nicht einmal für zwei volle Tage, in der Regel sind es mindestens drei Tage.

Wenig Möglichkeiten in Stolberg

Das Ganze hat für die Kupferstädter jedoch einen kleinen Haken: Der nächste Termin zum Blutspenden in Stolberg ist der 7. September – also erst in knapp zwei Monaten. Wie können die Bürger der Kupferstadt aber schon jetzt durch ihre Blutspende helfen? Auf Nachfrage bittet der Blutspendedienst des DRK die Stolberger, auf die Termine in den umliegenden Städten auszuweichen. Möglichkeiten gibt es in der kommenden Zeit zur Genüge. Natürlich in Aachen, aber auch in Eschweiler, Herzogenrath und in Langerwehe gibt es die Möglichkeit, bald zur Blutspende zu gehen. Nur eben in Stolberg nicht. Denn neben den offiziellen Terminen des Deutschen Rotes Kreuzes gibt es sonst keine Möglichkeiten für die Bürger, ihr Blut in der Kupferstadt zu spenden. Im Bethlehem Krankenhaus kann man nicht Blutspenden.

„Aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen. Denn für die Durchführung der Blutspenden müsste eigens ein Transfusionsmediziner angestellt werden“, sagt Personalleiter des Bethlehem Krankenhauses Helmut Drummen. Über das DRK gab es im „Bethlehem“ zuletzt vor zwei Jahren einen Blutspendetermin. „Wir bemühen uns darum, bald wieder Spendetermine in Stolberg anbieten zu können. Das wird dann über einen Drittanbieter laufen und voraussichtlich auch regelmäßig stattfinden“, teilte Drummen mit.

Bereitschaft sehr unterschiedlich

Für die blutspendenden Kupferstädter sind die mangelnden Spendetermine in der eigenen Stadt aber kein Problem, wie ein Stolberger, der namentlich ungenannt bleiben will, betont: „Ich war 42 Jahre als Soldat beschäftigt. Da ist es für mich selbstverständlich, dass ich regelmäßig Blut spende. Man kann ja auch die Termine in anderen Städten wie Aachen nutzen, um danach einkaufen zu gehen oder etwas anderes zu erledigen.“ Gerade viele jüngere Bürger waren aber nach Angaben des DRK noch nie Blut spenden und haben dies auch noch nicht in Erwägung gezogen.Während manche Stolberger nicht spenden möchten und sich auch noch nie darüber informiert haben, dürfen vor allem ältere Personen nicht spenden. Die Gründe hierfür sind Krankheiten wie Diabetes oder auch die Einnahme von Tabletten.

Für alle Stolberger, die für eine Blutspende auch einen weiteren Weg in Kauf nehmen und vielleicht sogar zum ersten Mal Blut spenden möchten, gilt: Grundsätzlich kann jeder gesunde Mensch ab 18 Jahren Blut spenden. Neuspender dürfen allerdings nicht älter als 68 sein. Vor der Blutspende, zu der man seinen Personalausweis mitbringen soll, erfolgt eine ärztliche Untersuchung. Während die Blutentnahme nur einige Minuten dauert, sollten Teilnehmer für die Anmeldung, Untersuchung und den anschließendem Imbiss insgesamt eine Stunde Zeit einplanen – eine Stunde, die ein ganzes Leben retten kann.

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