Stolberg - Blaue Tapete soll mit Spenden nach Stolberg geholt werden

Blaue Tapete soll mit Spenden nach Stolberg geholt werden

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Geht es nach dem gegründeten Arbeitskreis, soll die blaue Tapete aus dem alten Salon der Roderburgmühle schleunigst zurück nach Stolberg geholt werden. Dafür sind finanzielle Mittel notwendig. Foto: Arbeitskreis

Stolberg. „Tapete? Haben wir doch in jedem Raum!“ So dürfte eine häufige Reaktion lauten, wenn sich Menschen über die Bedeutung einer blauen Tapete austauschen. Handgedruckte Tapeten waren im ausgehenden 18. Jahrhundert jedoch eine Neuheit und erfreuten sich größter Beliebtheit. Bei Stolberger Stadthistorikern tun sie es heute noch.

Zehn Interessierte haben sich jetzt zusammengefunden, um über das Schicksal der bis vor kurzem verschollenen blauen Tapete des alten Salons der Roderburgmühle zu beraten.

Wie von den Initiatoren Christian Altena und Toni Dörflinger angeregt, verständigten sich die Teilnehmer darauf, ihre weiteren Aktivitäten auf den Erwerb und eine öffentliche Ausstellung zu richten. Unter anderem waren Frau Petra Jansen, Frau Barbara Breuer und Herr Engelbert Gey als Fachvertreter der Stadtverwaltung der Einladung gefolgt.

Die Stolberger Museen waren in Person von Sebastian Wenzler und Hermann Frantzen ebenso vertreten wie das Amt des Landsverbands Rheinland (LVR) für Denkmalpflege durch Thomas Goege, wissenschaftlicher Referent für die Städteregion, dessen Teilnahme die Bedeutung der historischen Tapete und des zu ihrer „Rettung“ initiierten Arbeitskreises unterstreicht, wie die Organisatoren befanden. Sie sind sich sicher, dass der kunsthistorische Wert der Tapeten-Fragmente außer Frage stehe, da vergleichbare Ausstattungen im Rheinland an wenigen Fingern abzuzählen seien.

Der besondere Wert besteht nicht im Material der Tapete selbst, die auf einfachem Papier gedruckt beziehungsweise gemalt ist, sondern in ihrer historischen Aussage für die alltagshistorische Perspektive der Stolberger Industriegeschichte. Diesem hohen ideellen Wert und besonderen Charme der klassizistischen Ausstattung sind die Anstrengungen geschuldet, die die Arbeitskreis-Teilnehmer unternehmen möchten.

Bürgerschaftliches Engagement

Historiker, interessierte Bürger, der LVR wie auch die Stolberger Stadtverwaltung möchten in bürgerschaftlichem Engagement die Tapetenfragmente allen Stolbergern zugänglich machen. Die Mittel dazu sollen ausschließlich über Spenden und Fördermittel aufgebracht werden.

Eine nicht vollständig beglichene Rechnung von 1985 der derzeitigen Besitzerin, die die Tapetenteil restaurierte, soll dafür beglichen werden. Als möglichen Ausstellungsort wurde der Ort des Arbeitskreistreffens, die Villa Lynen ins Auge gefasst. Entschieden sei zu diesem frühen Zeitpunkt aber noch nichts, wie die Initiatoren betonen. Denn der nächste Schritt ist zunächst die genaue Untersuchung, die seit dreißig Jahren in der Münchener Restaurationswerkstatt eingelagert ist. Im Laufe der weiteren Aktivitäten des Arbeitskreises „Blaue Tapete“ soll die Geschichte der Tapete und ihr kunsthistorischer Wert in Wort, Bild und in einem Modell für alle Interessierten veranschaulicht werden.

Christian Altena hatte den Mitgliedern einen kunst- und bauhistorischen Überblick geboten, der durch ein dreidimensionales Modell veranschaulicht wurde. Es visualisierte einerseits ein mögliches Ausstellungskonzept, aber auch eine Rekonstruktion des Salons. Altena sagt: „Original erhaltene Ausstattungsdetails der Epoche um 1800 sind selten und geben, gerade im beeindruckenden Design mit der starken blauen Farbigkeit, ein bemerkenswertes Zeugnis ab, wie das Bürgertum seine repräsentativen Wohnräume ausstattete.“ Gerade das „wertlose Papier“ einer damaligen Massenware sei die Ursache für die äußerst raren Überlieferungen ihrer Art. „Wenn sie nicht mehr gefielen, wurden sie heruntergerissen oder überstrichen.“

In der Roderburgmühle blieb sie hingegen erhalten, da der Salon, der 130 Jahre als Lagerraum diente, keine Umgestaltung erfuhren habe, sagt Altena. Der Historiker, der sich mit der Stolberger Stadtgeschichte befasst, ist von der Aussagekraft des Fundstücks überzeugt: „Viel zu wenig wissen wir über die Lebensweise der Menschen vor 200 Jahren, als die alten Kupfermeisterfamilien in Stolberg vielen Menschen Arbeit gaben und ihre stolzen Unternehmen nach außen gut repräsentieren mussten.“

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