Bisher kaum angenommen: Stolberg mit neuem Inklusionsplan

Von: Annika Kasties
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Treppe oder Rampe: Die Kupferstadt versucht so gut wie möglich auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung – ob geistig oder körperlich – einzugehen. Foto: A. Kasties

Stolberg. Wenn Tina Elsen einmal im Monat zu ihrer Sprechstunde ins Rathaus lädt, dann sind lange Schlangen vor ihrem Büro eher selten. Seit Jahren berät sie in Stolberg und Eschweiler an der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung (Kokobe) Männer und Frauen, deren Alltag durch ein Handicap erschwert wird.

Seien es Freizeitangebote, der Übergang von Schule in den Beruf oder die Frage, welche Wohnform sich für die individuellen Bedürfnisse eignet – die Sozialarbeiterin berät Menschen mit Handicap in allen Lebenslagen.

Doch in Stolberg wird das Angebot kaum angenommen. „Während ich in Eschweiler im Jahr etwa 50 Beratungsfälle habe, sind es in Stolberg gerade mal drei“, sagte Elsen. Auch auf das Angebot, sie außerhalb der Sprechzeiten telefonisch zu erreichen, werde kaum zurückgegriffen. Einen neuen Anlauf startet die Sozialarbeiterin Anfang April mit neuen Sprechzeiten – und hofft, dass die Kokobe-Sprechstunde dann besser angenommen wird. Denn: „Dass es in Stolberg keinen Bedarf für Beratung gibt, kann ich mir einfach nicht vorstellen.“ Ab April erreichen Menschen mit Handicap Elsen an jedem ersten Donnerstagnachmittag im Monat im Rathaus (siehe Infokasten).

Doch die Sozialarbeiterin bleibt skeptisch. Denn auch der inklusive Jugendtreff am Breiniger Berg, der im August vergangenen Jahres eröffnet wurde, laufe eher „zäh“. Für den Treff, der sich explizit an Jugendliche mit und ohne Handicap richtet, nahm Elsen die Caritas Lebenshilfe und den Sozialdienst katholischer Frauen mit ins Boot, verteilte den Flyer und stellte das Projekt am Elternsprechtag in der Regenbogenschule vor. Gerade von Eltern habe sie im Vorfeld sehr positives Feedback erhalten – und dennoch besuchen den Jugendtreff nur drei bis fünf Jugendliche. Derzeit laufen Gespräche, wie das Angebot besser an die Bedürfnisse der Jugendlichen angepasst werden könne, teilte Elsen mit.

Dass gerade in der Kupferstadt neue Projekte für Menschen mit Behinderung mitunter schlecht angenommen werden, weiß auch Lukas Franzen. „Schon oft wurde mir berichtet, dass es in anderen Städten einfacher sei, neue Angebote zu etablieren. Für meine Arbeit als Inklusionsbeauftragter wird es aber in nächster Zeit entscheidend sein, daran etwas zu ändern“, so Franzen. Die Zusammenarbeit mit den aktiven Senioren- und Behindertenvertretern funktioniere sehr gut. Doch: „Der Kontakt zur Basis fehlt bislang noch.“

Um das zu ändern, will Franzen in den kommenden Monaten einen „Aktionsplan Inklusion“ auf den Weg bringen. Teil des Aktionsplans sei eine Analyse der bestehenden Angebote für Menschen mit Behinderung. Anschließend müsse ausgelotet werden, welcher Bedarf für neue Projekte und Initiativen in der Kupferstadt bestehe, um Handlungsfelder definieren zu können. „Es ist entscheidend, zunächst eine Bestandsaufnahme vorzunehmen, sonst arbeitet man im luftleeren Raum“, erklärte Franzen. Dabei sollen vor allem Betroffene selbst zu Wort kommen und ihre Wünsche äußern.

Einen ersten Anknüpfungspunkt bietet die erste Sozialberichterstattung, bei der 1722 Kupferstädter unter anderem auch das Freizeitangebot für Menschen mit Behinderung als unterdurchschnittlich bewerteten. Für Franzen ist dies keine Überraschung. „Inklusion ist ein relativ neues Thema und befindet sich noch im Fluss. Da ist es nachvollziehbar, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht.“

Marita Stahl sieht die Kupferstadt diesbezüglich auf einem guten Weg. „Wir haben schon viel erreicht“, findet die Vorsitzende des Behindertenbeirates, die selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Wir haben mit allen demokratischen Parteien immer gut zusammengearbeitet und wurden als Behindertenbeirat immer unterstützt.“ So seien beispielsweise Bordsteinkanten im Stadtgebiet für Rollstuhlfahrer abgesenkt und auch am Kaiserplatz werde es mit dem Bau des Restaurants endlich eine behindertengerechte Toilette geben, die für alle Menschen mit Behinderung öffentlich zugänglich sein soll, und zwar unabhängig davon, ob sie einen Kaffee bestellen.

Dass bestimmte Angebote wie die Kokobe-Sprechstunde von Tina Elsen schlecht angenommen werden, erklärt sich Stahl mit einer ausbaufähigen Öffentlichkeitsarbeit. „Wenn nicht mal ich als Vorsitzende des Behindertenbeirates von der Sprechstunde weiß, dann ist sie bestimmt auch vielen Betroffenen unbekannt.“

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