Bilderzyklus zu mittelalterlicher Moralsatire

Von: dim
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Stolberg. Nachdem sich Kurator und Künstler Rafael Ramírez Máro in der ersten Artibus-Ausstellung mit malerischen Mitteln der literarischen Vorlage „La Celestina“ gewidmet hat, schließt sich mit der letzten 2014er Artibus-Schau der Kreis.

 Der in Madrid lebende chilenische Künstler mit italienischen Wurzeln Alejandro DeCinti ließ sich für einen umfangreichen Bilderzyklus ebenfalls von der Literatur inspirieren, und seine Werke sind ab Sonntag, 12. Oktober, in der Burg-Galerie zu sehen. DeCinti nimmt „Das Narrenschiff“ als Grundlage seiner eindrucksvollen Serie. Sebastian Brants spätmittelalterliche Moralsatire wurde 1494 erstmals gedruckt.

Drei Jahre später erfolgte die Übersetzung ins Lateinische und darauf in verschiedene Landessprachen, so dass das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor der Reformation in ganz Europa Verbreitung fand. Brant hält im „Narrenschiff“ der Gesellschaft den Spiegel vor, zeigt mittels Übertreibung und Karikatur die menschlichen Schwächen auf, kritisiert den vorherrschenden Zeitgeist. Diese Kritik des Humanisten Sebastian Brant bezüglich Laster und Dummheit der Menschen überträgt Alejandro DeCinti äußerst kunstvoll in seine Werke. Der Maler hinterfragt das menschliche Naturell psychologisch etwa mit intimen Einblicken in das Alltägliche.

Für die in der Burg-Galerie gezeigten groß- und mittelformatigen Exponate bedient Decinti sich der altmeisterlichen Technik des „Chiaroscuro“ – der in der Spätrenaissance und im Barock entwickelten Hell-Dunkel-Malerei. DeCinti schlägt die Brücke von der mittelalterlichen Literaturvorlage über Malstil von Renaissance und Barock bis hin zur Moderne. Seine Bilder weisen eine tiefe Anziehungskraft auf, sie vereinen nicht nur verschiedene Epochen sondern sind zeitlos wie anscheinendmanche menschliche Fehlbarkeiten. Der Schiffbruch ist die Metapher für die widersprüchliche bis absurde Existenz des Menschen in dem von der Menschheit selbst geschaffenen Kontext. Das Scheitern ist vorprogrammiert wie abwendbar gleichermaßen, das Problem und die Lösung sind identisch: der Mensch.

Vor der Eröffnung der Ausstellung im Rahmen des städtischen Kulturprogramms findet ebenfalls im Wahrzeichen der Kupferstadt ein klassisches Konzert statt: Anne-Sophie Lamaire (Violine) und Rafael Theissen (Piano) intonieren am Nachmittag im Rittersaal anlässlich des spanischen Nationalfeiertags Sonaten für Violine und Klavier, bevor am frühen Abend die Vernissage zu der Artibus-Schau „Das Narrenschiff“ mit den Werken von DeCinti in der Burg-Galerie beginnt.

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