Stolberg-Büsbach - Bewohner von Gut Gedau leiden unter feuchten Kellern und Gestank

Bewohner von Gut Gedau leiden unter feuchten Kellern und Gestank

Von: Jürgen Lange
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Idyllische Lage am Münsterbach. Aber für Probleme sorgt das Wasser aus dem Brander Wald, seitdem die Stadt die Drainage verschlossen hat.
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Der Keller seines Hauses im Gut Gedau ist feucht wie ein Schwamm. In allen Räumen kann Rechtsanwalt Herbert Wartensleben Schäden zeigen. Die Geduld der Bewohner ist erschöpft. Foto: J. Lange

Stolberg-Büsbach. Wer Herbert Wartensleben besuchen möchte, muss erst einmal mit der schweren Holztüre kämpfen. Sie quietscht nicht nur, sondern bleibt auf halber Strecke auf dem Boden hängen. Ein Schild mit der Aufschrift „Bitte richtig schließen“ weist auf der Rückseite der Tür auf die Problematik hin. Obwohl es nur ein kühler Wintermorgen ist und alle Fenster im Parterre auf Kipp stehen, empfängt den Gast ein etwas sensibler Geruch.

Weiß perlt der Kalk aus den Fugen der dunkelroten Bodenfliesen. Die Wände weisen großflächigen Ausschlag auf. Wenn man sie anfasst, rieselt der Putz, und die Finger werden nassfeucht. An den Ecken treten die metallenen Putzkanten hervor – ohne Putz, aber mit Rost. Rostigbraun machen auch die stählernen Deckenträger in regelmäßigem Abstand deutlich auf sich aufmerksam. Kurzum, das Mauerwerk im kompletten Kellergeschoss ist so nass, dass das Wasser mittlerweile auch schon über die Bodenplatte den Weg ins Freie sucht.

Probleme erst seit Kanalsanierung

Es ist ein Zustand, mit dem Herbert Wartensleben und seine Nachbarn seit gut fünf Jahren in einem immer stärkeren Maße in Gut Gedau betroffen sind. „Und im Sommer können Sie es hier schon gar nicht mehr aushalten, weil alles nur noch nach Fäkalien stinkt“, beklagt der Rechtsanwalt. Dabei waren die Gebäude bis dahin „knochentrocken“, versichert sein Nachbar Karl-Heinz Keune. Der Architekt hat vor 35 Jahren die ehemalige Kupfermühle und spätere Tuchfabrik kernsaniert und in eine komfortable Wohnanlage in malerischer Lage umgestaltet. Nicht einmal der in Griffweite auf einer Seite dahin plätschernde Münsterbach hat der Substanz der Häuser etwas anhaben können. Die Probleme begannen erst durch das Handeln der Stadt und haben sich durch ihr Nichthandeln weiter verschlimmert. So sehen es jedenfalls die Bewohner von Gut Gedau. Und so sah das auch der frühere Fachbereichsleiter Josef Braun bis zu seiner Pensionierung im März 2011. Er hatte eine Lösung auf den Weg gebracht, aber umgesetzt ist sie bis heute nicht.

Das Wasserproblem von Gut Gedau kommt nicht vom Bach, sondern von den Hängen des Brander Waldes auf die Häuser zu. Ein gemauerter Stollen, der in alten Zeiten das Kupferwerk mit Wasser versorgte, wirkte als Drainage und fing jahrelang erfolgreich die Sickerwässer auf. Zumindest bis ins Jahr 2007, als die Stadt ihren Hauptsammler 7, der die Abwässer aus Büsbach aufnimmt und durch das Gedautal in Richtung Buschmühle und weiter zur Kläranlage Steinfurt führt, sanierte.

Der wurde 1958 gebaut – ohne Absicherung im Grundbuch auf dem Privatgelände und teilweise durch den alten Stollen geführt. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde auch der an Gut Gedau angrenzende Mühlteich, der sich auf dem Grundstück eines der heutigen Bewohner befindet, zugeschüttet. Im Laufe der Jahre wurde die Kanalleitung undicht. Wasser aus dem Stollen drang in den Kanal, Fäkalien aus dem Kanal in den Stollen, dessen Inhalt irgendwann unterhalb in der Aue und im Bach landete. So erklärt es zumindest Architekt Keune. All dies geschah ohne eine Beeinträchtigung des ab 1979 sanierten Gutes.

Die Probleme begannen nachdem die Stadt 2007 ihre marode Kanalleitung im Inliner-Verfahren sanierte und so gegen eindringendes Wasser und auslaufende Abwässer abdichtete.

„Stadt ist Zustandsstörer“

Dabei wurde ebenso ein Schachtbauwerk wasserdicht gemacht, das im angrenzenden Wanderweg mitten in dem Stollen sitzt und ihn somit nun verschließt: Die Drainage ist verstopft. Die Sickerwässer aus dem Brander Wald durchdringen nun den Stollen und fließen in die Keller des historischen Ensembles. Dabei, so Keune und Wartensleben weiter, wurden die aus dem alten Kanal ausgelaufenen Fäkalien aus dem Stollen in Richtung Häuser ins Erdreich gespült.“ Die stinkende Brühe drückt dann durch die Kellerwände in die Gebäude und führt nicht nur zu erheblichen Feuchteschäden.

„Die Erde ist nun so verseucht, dass es hier bei warmen Wetter zum Himmel stinkt“, sagt Keune. „Im Sommer müssen wir immer die Türen aufstehen lassen, damit wir es hier überhaupt aushalten können“, beschreibt Wartensleben den Verlust an Lebensqualität und Probleme bei der Vermietung von Gewerbe und Wohneinheiten. Zwei ernsthafte Interessenten seien wegen der Mängel bereits abgesprungen, die Kosten einer Sanierung gehen weit in die Zehntausende und Keune beziffert den Wertverlust des Ensembles überschlägig auf 500 000 Euro: 20 Prozent von 2,5 Millionen Euro.

„Wir sind ja keine Streit-Hansel und Klage-Heinis“, betont der renommierte Rechtsanwalt. Aber die Geduld der Eigentümer und Mieter von Gut Gedau sei am Ende. Denn nach langen und intensiven Verhandlungen mit der Stadt im vergangenen Jahrzehnt – die Bewohner legten auch ein Zertifikat über die Dichtheit der privaten Abwasserleitungen vor – wurde eine einvernehmliche Lösung mit der Verwaltung erzielt, die der Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt auf seiner Sitzung am 13. Januar 2011 einstimmig beschloss – zu Lasten der Stadt, weil sie „als Zustandsstörer kostenpflichtig ist“, so der Fachbereichsleiter in seiner damaligen Vorlage.

„Verwaltung vertröstet“

Beschlossen wurde, dass der „Stollen geöffnet“ wird, damit durch den Wasserabfluss „eine weitere Vernässung der Keller verhindert“ wird. Das Stollenwasser soll dann in den wieder frei zu legenden Mühlenteich eingeleitet und dieser renaturiert werden. Das Vorhaben mitten im Naturschutzgebiet war mit der Unteren Landschaftsbehörde bereits soweit abgestimmt, dass der Ausschuss auf die zeitliche Dringlichkeit seines Beschlusses hingewiesen wurde. Zum Schutz von Amphibien und Brutvögeln sollten die Arbeiten bis Ende Februar 2011 abgeschlossen sein. „Der Eigentümer der Mühlteich-Wiese hat den Arbeiten zugestimmt“, betont Wartensleben.

Im Rathaus wird diskutiert

Nur gearbeitet wurde dort nie, und der alte Stollen wird auch heute noch immer durch den städtischen Kanalschacht versperrt. „Seitdem werden wir von der Stadt immer wieder vertröstet; alles wird hinausgezögert“: Keune, Wartensleben und die anderen Eigentümer fühlen sich verschaukelt. „Als ich Bürgermeister Gatzweiler bei der Auszeichnung meiner Ehefrau mit dem Stifterpreis im November auf das Problem angesprochen habe, hat der auch nur wissend mit der Schulter gezuckt“, ärgert sich Wartensleben. Nach mehreren Schreiben gab‘s zumindest am 20. Dezember eine Email. Der Bürgermeister ließ mitteilen, „dass er wegen der Angelegenheit im Hause in der Diskussion ist“.

Die dauert offensichtlich im Rathaus auch drei Jahre nach dem eindeutigen Beschluss des zuständigen Ausschusses an. „Wir haben den Gemeindeversicherungsverband eingeschaltet“, erklärte der neue Fachbereichsleiter Bernd Kistermann, dass er mit Verweis auf die Untersuchungen in der Sache keine Stellungnahme abgeben dürfe. Nur soviel wurde am Donnerstag im Rathaus verraten: Am kommenden Mittwoch will die Stadt den Stollen untersuchen und den Zustand des Wassers kontrollieren.

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