Betriebsrat will „möglichst viele Jobs” bei SMW retten

Von: Michael Grobusch
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Stolberg. Die Lage beim von Massenentlassungen bedrohten Stolberger Metallwerk (SMW) bleibt weiter äußerst angespannt.

Anders als zunächst geplant wird es in dieser Woche nicht zu ersten offiziellen Gesprächen zwischen den Arbeitnehmer-Vertretern und der Geschäftsführung des Mutterkonzerns KME kommen. „Der von uns eingesetzte Wirtschaftsprüfer hat weitere Unterlagen vom Unternehmen angefordert und diese mittlerweile auch erhalten. Erst wenn seine abschließende Einschätzung feststeht und mit dem Betriebsrat erörtert worden ist, werden wir Verhandlungen aufnehmen, wenn man uns denn dazu auffordert”, erklärte Helmut Wirtz gestern auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Ungewissheit wiegt schwer innerhalb der Belegschaft, weil bis dato niemand weiß, wen es letztlich treffen wird, wenn die Geschäftsleitung ihrer Ankündigung Taten folgen lassen und tatsächlich 102 der derzeit noch 213 Stellen an der Kupfermeisterstraße streichen sollte. Der Geschäftsführer der Stolberger IG Metall verweist jedoch auf die Sorgfaltspflicht, die Gewerkschaft und Betriebsrat nicht vernachlässigen dürften. „Erst wenn wir ein umfassendes und lückenloses Bild über die wirtschaftliche Lage beim Stolberger Metallwerk haben, können wir in seriöse Verhandlungen eintreten.”

Die Ziele sind indes schon jetzt bekannt: „Wir wollen den Standort und möglichst viele Arbeitsplätze retten und sichern”, macht Wirtz keinen Hehl daraus, dass die Arbeitnehmer alles in Bewegung setzen werden, um die Zahl der Kündigungen zu reduzieren. Der Betriebsratsvorsitzende Heinz Meuser verweist in diesem Zusammenhang auf die vielen menschlichen Schicksale, die mit einem drohenden Arbeitsplatzverlust verbunden sind. Darüber hinaus, das betont Helmut Wirtz, gehe es auch darum, die Wirtschaftlichkeit des Metallwerkes zu erhalten. „Dafür müssen auch weiterhin Produkte in Stolberg hergestellt werden, die sich auf dem Markt verkaufen lassen”, so der Gewerkschaftler. Eben das stellt er jedoch in Zweifel für den Fall, dass KME seine Pläne uneingeschränkt verwirklicht.

Vor allem der Aufbau einer Verzinnung am deutschen Stammsitz in Osnabrück - als Ersatz für die Anlage von SMW - ist Gewerkschaft und Betriebsrat ein Dorn im Auge. „Hier in Stolberg werden Produkte hergestellt, die wegen ihrer Qualität bei den Kunden weltweit einen hervorragenden Ruf haben”, erklärt Helmut Wirtz und weist mahnend auf die jüngere Geschichte des Metallwerks hin. 2005 war die Produktion auf die Kupfermeisterstraße konzentriert und das „Werk II” an der Eisenbahnstraße geschlossen worden. „Damals ist gegen den Widerstand von IG Metall und Betriebsrat eine lukrative Betriebsstätte nach Osnabrück verlegt und dann gegen die Wand gefahren worden. Dabei sind riesige Verluste gemacht worden.” Auch darüber wird, so der IG Metaller, sicherlich zu sprechen sein, wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer an einen Tisch setzen. Frühestens in zwei Wochen, so schätzt Helmut Wirtz, wird dies erstmals der Fall sein.

Vor diesem Hintergrund erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass der Stufenplan zu den betriebsbedingten Kündigungen, wie von der Geschäftsführung bei einer Betriebsversammlung am 6. September angekündigt, bereits Anfang 2013 greifen wird. Die für Januar vorgesehene „Anpassung an die Auslastung” - gleichbedeutend mit der Entlassung von 30 Mitarbeitern - dürfte sich mangels Verhandlungsabschluss verschieben. Die Arbeitnehmer-Vertreter können dies als einen ersten kleinen Erfolg verbuchen.
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