Betriebsrat will für die Zukunft vorsorgen

Von: Michael Grobusch
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Der Auftragsrückgang zeigt se
Der Auftragsrückgang zeigt seine Wirkung: Für das erste Quartal 2012 wird die Regelarbeitszeit beim Stolberger Metallwerk von 35 auf 30 Wochenstunden reduziert. Das haben Betriebsrat und Geschäftsleitung jetzt vereinbart. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Derzeit ruht die Arbeit im Stolberger Metallwerk. Das aber hat weniger mit den feststellbaren Auftragsrückgängen zu tun. Turnusmäßige Reparaturen und Wartungen sind vielmehr der Grund dafür, dass bei der KME-Tochter an der Kupfermeisterstraße noch bis zum 1. Januar nicht produziert wird.

„Die Kollegen haben in dieser Zeit Urlaub oder feiern Überstunden von ihren Zeitkonten ab”, berichtet Heinz Meuser. Mehr als 16 000 Plusstunden waren in den Boom-Monaten des ersten Halbjahrs zusammengekommen, mittlerweile hat sich der „Kontostand” wieder auf 6000 reduziert. „Und einige von uns sind sogar in den Minusbereich gerutscht”, bilanziert der Betriebsratsvorsitzende die aktuelle Lage.

Von großer Sorge will Meuser noch nicht reden, wohl aber zeigt er sich beunruhigt von den Lücken in den Auftragsbüchern und auch von den ausbleibenden strategischen Entscheidungen, die der Mutterkonzern KME Europe in Osnabrück eigentlich vor Weihnachten treffen wollte, aber dann doch auf den Januar vertagt hat. Beim nächsten Treffen des Wirtschaftsausschusses, der einmal monatlich zusammenkommt und dem auch die Betriebsratsvorsitzenden der einzelnen Standorte angehören, soll dann Klarheit geschaffen werden - auch was das Werk in Stolberg und seine rund 250 Mitarbeiter angeht.

Wochenarbeitszeit wird reduziert

Wie es im neuen Jahr weitergehen wird, steht zumindest in einem Punkt bereits fest: Für die ersten drei Monate haben IG Metall und Betriebsrat mit der Werksleitung eine Reduzierung der Regelarbeitszeit von 35 auf 30 Wochenstunden vereinbart. „Im Gegenzug wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben”, benennt Heinz Meurer den Kern der Regelung, die im Bedarfsfall um weitere drei Monate verlängert werden könnte.

„Wir möchten nicht noch einmal erleben, was wir vor knapp drei Jahren in Stolberg erlebt haben”, betont der Betriebsratsvorsitzende, der bis heute noch schockiert ist angesichts der einschneidenden Maßnahmen, von denen das Metallwerk im Frühjahr 2009 betroffen war. Damals hatten die Streichung von 70 Stellen und die Entlassung von 49 Mitarbeitern für Entsetzen in der Belegschaft und im Betriebsrat gesorgt.

Die temporäre Arbeitszeitverringerung soll eine Maßnahme sein, um ein Déjà-Vu-Erlebnis der negativen Art zu verhindern. Weitaus größere und auch längerfristige Wirkung könnte ein Standortsicherungsvertrag haben. „An diesem Thema sind wir dran”, bestätigt Heinz Meuser entsprechende Bemühungen von Betriebsrat und IG Metall. Gemeinsam haben sie ein Konzept für das Stolberger Metallwerk erarbeitet und der Konzernspitze in Osnabrück als Diskussionsgrundlage und mögliche Basis für eine Vereinbarung vorgelegt.

Auch in dieser Hinsicht wird der Januar als richtungsweisender Monat eingestuft, wenngleich nicht damit zu rechnen ist, dass eine solch weitreichende Vereinbarung binnen weniger Wochen Unterschriftsreife erlangen wird. „Aber wir setzen auf ein grundsätzlich positives Signal”, zeigt sich Meuser optimistisch.

Positive Signale erhofft sich nicht nur der Betriebsratsvorsitzende auch von den Kunden. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte sich Werksleiter Leo Bergstein vor wenigen Wochen zuversichtlich gezeigt, dass die Nachfrage nach den Stolberger Produkten aus Kupfer und Kupferlegierungen ähnlich wie 2011 im ersten Halbjahr wieder deutlich steigen wird. Hoffnungen sind dabei neben einer stabilen Lage auf dem europäischen Markt vor allem an die Wachstumspotenziale in den großen Schwellenländern geknüpft. Dass es zu einer längerfristigen Talfahrt kommen könnte, erwartet der Werksleiter nicht. Für ihn steht fest: „Wir sind gut aufgestellt.”

Fast 50 Einsprüche gegen die ERA-Einstufung

Erhebliche Differenzen gibt es bei der Einführung des Entgeltrahmenabkommens zwischen der Geschäftsführung des Stolberger Metallwerkes und den Arbeitnehmervertretungen. Nach Angaben des Betriebsrates haben fast 50 Mitarbeiter Einspruch eingelegt gegen ihre Eingruppierung.

„Auf betrieblicher Ebene haben wir alles versucht und sind letztlich gescheitert”, umschreibt Helmut Wirtz die Lage aus seiner Sicht. Sollte es zu keiner wesentlichen Annäherung kommen, erwartet der Geschäftsführer der IG Metall Stolberg für das kommende Frühjahr den Beginn eines Einigungsstellenverfahrens.

Sechs Mitarbeiter wird das nicht mehr betreffen. Sie haben sich mit dem Unternehmen darauf geeinigt, frühzeitig in die passive Phase ihrer Altersteilzeit zu treten und sind ab sofort freigestellt.

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