„Bethlehem“: Krankenhaus will die Krise bewältigen

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Von Krisen geplagt, auch im Jubiläumsjahr: Geschäftsführer Thomas Schellhoff ist sicher, dass das „Bethlehem“ mit seinen motivierten Mitarbeitern auch künftig schwere Zeiten bewältigen wird. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Hat sich beim Neujahrsempfang des Bethlehem-Gesundheitszentrums natürlich auch ins Gästebuch eingetragen: Ulla Schmidt.

Stolberg. Schön reden kann Thomas Schellhoff, als Geschäftsführer des Bethlehem-Gesundheitszentrums sollte er das auch. Lässt man das Leerzeichen allerdings weg, bekommt der Ausdruck eine ganz andere Bedeutung. Schönreden, das stand beim Neujahrsempfang des Stolberger Krankenhauses eben nicht auf der Tagesordnung. Neben den besten Wünschen zum 150. Geburtstag, den das „Bethlehem“ dieses Jahr feiert, gab Ulla Schmidt, Bundesgesundheitsministerin a.D., den zahlreichen Gästen im Rolandshaus ebenfalls Kritisches mit auf den Weg (lesen Sie dazu den Artikel unten).

„Wir wollen gleich zur Sache kommen und die Dinge nicht schönreden: 2012 war eines der schwierigsten Jahres im Gesundheitswesen, und daran wird sich 2013 voraussichtlich nichts ändern“, sagte Schellhoff. Über 70 Prozent der Krankenhäuser legten ihren Aufsichtsräten und Gesellschaftern „rote“ Wirtschaftspläne vor und steuerten 2013 wahrscheinlich in eine Finanzierungskatastrophe, heiße es seitens der Krankenhausgesellschaft NRW.

Auch in Stolberg seien Abläufe optimiert und Prozesse gestrafft worden, so Schellhoff. Die medizinische Versorgung habe immense Fortschritte gemacht und unter anderem schonendere Operationsmethoden etabliert. „Es gibt keine operative Fachabteilung bei uns, die nicht mikroinvasiv operiert.“ Bei gleichzeitiger Verknappung der Krankenhausbetten müssten immer weniger Kliniken in immer kürzerer Zeit immer mehr Patienten behandeln, gab der Geschäftsführer zu bedenken. Auch an der Steinfeldstraße schaut man auf einen neuen Patientenrekord zurück – noch nie seien so viele Patienten im „Bethlehem“ behandelt worden wie im vergangenen Jahr.

Thomas Schellhoff begrüßte die Tarifabschlüsse zwar, stellte aber auch die enorme finanzielle Belastung dar, die durch die damit verbundenen Steigerungen entstanden sei. „Auch bei uns musste die mangelnde Refinanzierung zu Einstellungsstopps und weiterer Arbeitsverdichtung führen“, sagte er. Bei den Stationsleitungen, dem Pflegedienst sowie den Abteilungen des Ärztlichen Dienstes bedankte sich Schellhoff dafür, auch in schwieriger Zeit zusammengehalten und hinter der Geschäftsführung gestanden zu haben.

Die dramatischen Folgen der chronischen Unterfinanzierung seien der Politik bekannt, allein im Personalkostenbereich betrage die Finanzierungslücke im Jahr 2012 für die Krankenhäuser in NRW trotz der rund 70 Millionen Tarifausgleichsrate noch 225 Mil­lionen Euro. Schellhoff: „Das ist der Fehler im System – kranke Kliniken sanieren gesunde Kassen!“ Gesundheitsminister Daniel Bahr sei mehrfach auf die Situation angesprochen worden, „aber es tut sich offensichtlich nichts. Ist das die Politik, die wir brauchen? Ich meine nicht!“ Auch beim Land, dort liegt die Zuständigkeit für die Krankenhausförderung, könne man Gesundheitsministerin Barbara Steffens nicht gerade großes Durchsetzungsvermögen attestieren.

Für das Bethlehem-Gesundheitszentrum stelle sich die Lage ebenfalls als zunehmend katastrophales Dilemma dar, es befinde sich im Zangengriff von Kürzungen bei den Vergütungen durch den Bundesgesetzgeber und Kürzungen der Investitionsmittel durch die Länder. „Das Bethlehem hat schon viele schwere Zeiten durchgemacht und wird auch aufgrund seiner hochmotivierten Mitarbeiter diese Krise bewältigen, aber wir wollen nicht zum Schwarzen Peter in einem politischen Kartenspiel werden“, betonte Schellhoff und entschuldigte sich, „ausgerechnet in unserem Jubiläumsjahr“ diese Diskussion führen zu müssen.

Die Zukunft, sagte Thomas Schellhoff, bedeute längere Lebenszeit. Das sage aber nichts über die Qualität des längeren Lebens aus. Schon sehr frühzeitig habe das Stolberger Krankenhaus deshalb die Kooperation mit den Alexianern und dem Landschaftsverband gesucht, um auch altersgerechte Lösungskonzepte für psychiatrische Krankheitsbilder anbieten zu können. Nachdem die Kinder- und Jugendpsychiatrie, deren Angebot zunehmend in Anspruch genommen wird, ins Haus Spiertz eingezogen ist, soll sich auch bald die neue Gereontopsychiatrie in Zusammenarbeit mit dem Alexianer-Krankenhaus über „Café Steinfeld“ niederlassen.

In diesem Zusammenhang lobte der Geschäftsführer des Krankenhauses auch den erfolgreichen Demenztag.

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