„Bethlehem“: AOK operiert mit alten Zahlen

Von: Daniel Gerhards
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Nicht jede Operation ist gleich gut: Die AOK hat eine Studie herausgegeben, die die Qualität der Eingriffe in den Krankenhäusern der Region vergleicht. Foto: imago/Chromorange
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Schlecht abgeschnitten im AOK-Vergleich: Das Bethlehem-Gesundheitszentrum in Stolberg. Foto: D. Gerhards
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Nicht jede Operation ist gleich gut: Die AOK hat eine Studie herausgegeben, die die Qualität der Eingriffe in den Krankenhäusern der Region vergleicht. Foto: imago/Chromorange
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Schlecht abgeschnitten im AOK-Vergleich: Das Bethlehem-Gesundheitszentrum in Stolberg. Foto: D. Gerhards

Stolberg. Gute Werbung für das Bethlehem-Gesundheitszentrum ist das sicher nicht. Die Zahlen aus der jüngsten AOK-Studie zur Qualität der Operationen in den Krankenhäusern der Region spricht eine deutliche Sprache: Bei Hüftgelenks- und Gallen-Eingriffen liegt die Stolberger Klinik gerademal im Bundesschnitt. Bei Knie-Operationen ist die Qualität – so die AOK – unterdurchschnittlich.

Bethlehem-Geschäftsführer Thomas Schellhoff erklärte, dass man die Studie „sehr ernst“ nehme. Mit dem Ergebnis sei man nicht zufrieden. Allerdings betonte er, dass die Zahlen nicht mehr aktuell sind. In der Studie wurden Krankenhäuser berücksichtigt, in denen zwischen 2008 und 2010 mindestens 30 AOK-Patienten (jeweils in einer betrachteten Kategorie) operiert worden sind. „Teilweise sind die Ärzte schon nicht mehr bei uns beschäftigt. Und Konsequenzen, die wir gezogen haben, wurden nicht berücksichtigt“, sagt Schellhoff.

Unterdurchschnittliche Qualität

Aktuellere Zahlen liegen den Ortskrankenkassen aber nicht vor. „Wir betrachten die Fälle im Nachhinein“, sagt Horst Schwering, Regionaldirektor der AOK-Rheinland/Hamburg mit Sitz in Stolberg. Die AOK-Statistiker schauen sich die Zahlen ein Jahr nach der OP an. Es fließe ein, wie der weitere Krankheitsverlauf nach dem Eingriff war. Zudem müssten die Daten wissenschaftlich seriös erhoben werden, erklärt Schwering.

Der Studie zufolge bekamen im fraglichen Zeitraum 161 AOK-Versicherte in Stolberg ein neues Kniegelenk (wegen Gelenkverschleiß). Die Qualität war dabei „unterdurchschnittlich“. Das heißt, dass das „Bethlehem“ zu den schlechtesten 20 Prozent im Bundesgebiet gehört.

157 AOK-Patienten bekamen zwischen 2008 und 2010 in Stolberg ein neues Hüftgelenk wegen Gelenkverschleiß, 85 nach einem Hüftbruch. Bei diesen Operationen liegt die Klinik im Bundesdurchschnitt. Musste eine Gallenblase wegen Gallensteinen entfernt werden, waren die Stolberger Ärzte ebenfalls durchschnittlich gut.

„Schwierige Operationen“

Die nackten Zahlen alleine könne man nicht so stehen lassen, sagt Schellhoff. Man müsse sich auch anschauen, ob verstärkt „Risikopatienten“ behandelt werden. Im Bethlehem-Gesundheitszentrum gebe es beispielsweise viele „schwierige Operationen“ und stark übergewichtige oder alte Patienten. „Diese Patienten haben vielleicht eine andere Wahrnehmung als jüngere Menschen, die zum ersten Mal eine neue Hüfte bekommen“, sagt der Klinik-Chef.

Gerade was die Knie-Operationen angeht, seien die Zahlen für das Gesundheitszentrum überraschend. Schließlich sei die Anzahl der Patienten, die sich im vergangenen Jahr im „Bethlehem“ unters Messer legten, um sich ein maßgefertigtes Kniegelenk einsetzen zu lassen, um 16 Prozent gestiegen. Gerade bei solchen Operation planten die Patienten lange im Voraus, wo sie den Eingriff durchführen lassen – das spreche für den guten Ruf des Hauses und die Zufriedenheit der Patienten.

Zudem habe das Gesundheitszentrum eigene qualitätssichernde Maßnahmen: Zum Beispiel „interdisziplinäre Fallbesprechungen“, bei denen sich Ärzte verschiedener Fachrichtungen zu einem Krankheitsbild beraten.

Dennoch nimmt die AOK ihre Zahlen als Grundlage, um ihren Versicherten eine Einrichtung für anstehende Operationen an Herz zu legen. „Die Leute sollen sich in den Krankenhäusern operieren lassen, in denen die Qualität hoch ist“, sagt Schwering.

Die Untersuchung soll für mehr Transparenz im Gesundheitswesen sorgen. Einfach gesagt: Die Krankenkasse möchte zeigen, wo gute Arbeit geleistet wird und wo nicht.

Dabei überwachen die Krankhäuser ihre Qualität schon längst selber. „Aber das Qualitätsmanagement endet, wenn der Patient durch die Krankenhaustür geht“, sagt Schwering. Also: Wird der Patient nach der OP entlassen, weiß das Krankenhaus nicht, was aus dem Knie oder der Hüfte wird. „Wir schauen uns den Krankheitsverlauf über einen längeren Zeitraum an“, sagt Schwering. Anhand der Krankendaten könne die Kasse sehen, wie die Behandlung beim niedergelassenen Arzt verläuft, wie lange der Versicherte krankgeschrieben ist, ob es Komplikationen gibt oder ob gar eine erneute Operation nötig wird.

Gemeinsam mit der AOK möchte das Bethlehem-Gesundheitszentrum sehen, was zu tun ist, um beim nächsten Vergleich besser abzuschneiden. Derweil hat die Analyse im Krankenhaus bereits begonnen. Allerdings zunächst nur auf Basis eigener Zahlen und des Berichts in unserer Zeitung. Denn die Statistik der Ortskrankenkassen liegt Schellhoff noch nicht vor. Die Zahlen zu bekommen, dürfte aber leicht werden, denn auch die Krankenkasse ist gesprächsbereit. Man wolle sich gern mit dem „Bethlehem“ zusammensetzen und sehen, was man tun kann, um beim nächsten Mal besser abzuschneiden. Beispielsweise könne die AOK hinsichtlich der richtigen Nachsorge beraten, sagt Schwering. Dabei könne es um die Frage gehen, welche Reha die Ärzte im Gesundheitszentrum anschließen sollten.

Schellhoff wünscht sich zudem, dass die Kasse auch aktuellere Zahlen zur Verfügung stellt. Das könne dem Haus mehr helfen, als der bundesweite Qualitätsvergleich anhand von Operationen, die teilweise bereits vor fünf Jahren durchgeführt wurden.

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