Stolberg - Besonders wechselhafte Beziehung: Das Verhältnis von Kunst und Religion

Besonders wechselhafte Beziehung: Das Verhältnis von Kunst und Religion

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:
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Kunst und Religion im Dialog: Die Midissage zur Ausstellung „Vom Glück zu malen” führte zu einer regen Diskussion. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Die Frage nach der Motivation, Bilder mit religiösen Inhalt zu erstellen, hat Professor Dr. Johannes Wickert, der bis Sonntag, 6. Juni, seine Werke in der Burg und in den drei innerstädtischen Altstadtkirchen ausstellt, mit den Worten beantwortet: „Ich bin ein religiöser Mensch”.

Mit dieser Aussage leitete Wickert, der im belgischen Elsenborn lebt und in Monschau-Leykaul ein Atelier besitzt, zum Thema der Midissage und Podiumsdiskussion über, die das Verhältnis von Kunst und Religion in den Vordergrund rücken sollte.

Frage- und Antwortspiel

Allerdings spielte die Wechselbeziehung zwischen Kunst und Religion in der von Dr. Andreas Wittrahm geleiteten Diskussion, die sich im Verlaufe der Veranstaltung zu einem Frage- und Antwortspiel zwischen Künstler und Diskussionsteilnehmer entwickelte, eine eher untergeordnete Rolle. Denn die Diskussion drehte sich vorwiegend um die Persönlichkeit und die Arbeit des auch als Psychologen tätigen Künstlers, der spannend und durchaus lehrreich sein eigenes Verhältnis zur Kunst und seinen Anspruch im Umgang mit den von ihm erstellten Werken, den rund 30 Besuchern darstellte.

So beantwortete Wickert die Frage nach der Aussagekraft und Wirkung seiner Bilder mit dem Hinweis: „Ich bin nicht die Quelle, sondern der Brunnen”. Damit startete der 66-jährige Künstler den Versuch, seine persönliche Motivation sowie seinen selbstgewählten Anspruch darzustellen. Denn er werde von dem Gedanken geleitet, Inhalte und Ideen in Form von Bildern an die Menschen weiterzugeben und zu transportieren, sagte Wickert.

Dabei spiele das Erzählen von Geschichten eine große Rolle. Des Weiteren suche er den Dialog mit dem Betrachter, erklärte der 66-Jährige, der mit den Worten: „Der Betrachter muss so gut sein wie der Künstler”, die Messlatte bewußt hoch legte. Ein wenig provokativ war auch seine Aussage: „Man kann diese Welt nur aushalten, wenn man sie anstreicht”.

Diese Aussage des Künstlers leitete Wittrahm an die Podiumsteilnehmerin Elke Gericke weiter, die aus ihrer Sicht als evangelische Pfarrerin die Frage beantwortete, ob es auch in der Kirche erforderlich sei, religiöse Inhalte „anzustreichen”. Gericke beantwortet diese Thematik mit einem klaren „Ja” und meinte damit aber, dass es auf die Gestaltung der religiösen Inhalte ankomme.

Interessant waren auch die Aussagen des Künstlers, als er nach den in seinen Bildern immer wieder vorkommenden intensiven Darstellung von unbekleideten Füßen gefragt wurde. „Füße haben eine hohe Aussagekraft, lassen auf die Persönlichkeit des Dargestellten schließen und stellen die Verbindung zur Erde her”, versicherte Wickert, der seinen Künstlerkollegen vorwarf, in ihren Bildern die Darstellung der Füße sträflich vernachlässigt zu haben.

Überhaupt spielt die Darstellung der Gestik und Mimik in Wickerts-Werken eine große Rolle: „Durch Gestik und Mimik werden in meinen Werken Worte und Botschaften transportiert”, versicherte der Künstler. Weiterhin war auf dem Podium auch der flämische Priester und Lyriker Manu Verhulst anwesend, der das Buch, das eine Übersicht über die Wickert-Werke vermittelt, mit Texten in Gedichtsform versehen hat.

Verhulst kam noch einmal auf das Thema der Diskussion zurück, indem er versicherte, dass religiöse Werke nur von einem Menschen erstellt werden könnten, der auch selbst religiös sei. Und diesem Anspruch werde Johannes Wickert gerecht.
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