Berzelius: Dem Klopphengst geht es an den Kragen

Von: akas
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Stolberg. Einst galt sie als Spitzenprodukt deutscher Technik, heute gehört sie zum alten Eisen: Der ehemaligen Filteranlage der Berzelius Bleihütte – im Stolberger Volksmund auch liebevoll „Klopphengst“ oder „Glockenspiel“ genannt – geht es an den Kragen.

1933 errichtet und in Betrieb genommen, muss die Berzelius-Bleihütte Binsfeldhammer (BBH), der internationale Technologieführer in der Bleierzeugung, das stattliche Bauwerk nun abbrechen und verschrotten.

Gefiltert hat der „Klopphengst“ am Binsfeldhammer schon lange nicht mehr. Seit Berzelius im Jahre 1990 das QSL-Verfahren eingeführt hatte, waltete die Anlage mehr oder weniger dekorativ und überwiegend tatenlos ihrer Dinge. Die Schachtöfen und die Röhren wurden zugunsten der modernen und umweltschonenden Methode zur Herstellung von Blei außer Betrieb genommen. Weil die Stahlkonstruktion große Schäden aufweist, muss die Anlage nun entfernt werden. Der freiwerdende Platz werde zudem dringend benötigt, betont Dr. Stefan Michaelis, Projektmanager für Technik der BBH

Bei dem Bauwerk handelt es sich um eine so genannte Röhren-Elektrostatische Gasreinigung, erklärt Michaelis. „Apparate dieser Art haben die Aufgabe, Staub aus Prozessgasen abzutrennen.“ Die staubbelasteten Abgase strömen durch ein Feld aus elektrisch geladenen Elektroden. Zwischen diesen liegt eine Gleichspannung von einigen zehntausend Volt. Die Stabteilchen werden dort elektrisch aufgeladen und lagern sich an der so genannten Niederschlagselektrode ab – im Falle des „Klopphengstes“ auf der Innenseite der senkrechten Röhren.

Ihren einprägsamen Spitznamen verdankt die Filteranlage dem geräuschvollen Klang, von dem die Reinigung der Anlage begleitet wurde, erläutert Michaelis weiter. In regelmäßigen Abständen seien die Röhren mit einem automatischen Hammer angeschlagen worden. Somit lösten sich die Staubablagerungen von den Rohren und fielen in eine Sammelvorrichtung.

Dieser Ton – ob er nun an ein metallischen Kloppen oder ein melodisches Glockenspiel erinnert haben mag – ist längst Geschichte. Die Geräuschkulisse, die jetzt vom „Klopphengst“ ertönt, ist den Abbrucharbeiten geschuldet. Schritt für Schritt entfernen spezialisierte Arbeiter Kleinteile wie Fassadenplatten. Große Teile werden am Boden zerkleinert und in Schrottcontainer verladen. Die Arbeiten sollen innerhalb der nächsten zwei Wochen abgeschlossen sein. Sorgen um potenziell gesundheitsgefährdende Emissionen, müssten sich Anwohner nicht machen, versichert Michaelis. Die Anlage sei vor Beginn der Arbeiten intensiv gereinigt worden.

Im Sommer hatten drei Zwischenfälle, bei denen Mitarbeiter leicht verletzt wurden und ein weiterer an den Folgen starb, die Bleihütte erschüttert. Im Juli war eine elektrische Fehlschaltung Auslöser für die Emission einer giftigen Gaswolke, die zu einem Großeinsatz der Feuerwehr führte.

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