Berzelius arbeitet Zwischenfälle der letzten Wochen auf

Von: -jül-
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Berzelius ist bestürzt und betreibt Ursachenforschung in der Bleihütte Binsfeldhammer. Foto: J. Lange

Stolberg. Drei Zwischenfällen innerhalb von sechs Wochen, bei denen drei Mitarbeiter leicht verletzt wurden, und ein weiterer an den Folgen verstarb, erschüttern die Bleihütte. Die Ursachen werden aufgearbeitet.

Nachdem Berzelius das QSL-Verfahren 1990 am Binsfeldhammer eingeführt hatte, sorgte das Unternehmen zunehmend für positive Schlagzeilen. Insbesondere in den vergangenen 15 Jahren sorgten Investitionen von weit über 40 Millionen Euro in eine gesteigerte Effizienz sowie verbesserten Umwelt- und Arbeitsschutz, weiterer 20 Millionen Euro in den Neubau der Silberhütte, der Ausbau von Arbeitsplätzen und eine transparentes Marketing des Unternehmens für ein wachsendes positives Image.

Doch das hat mit drei einzelnen Zwischenfällen innerhalb von sechs Wochen in diesem Sommer Kratzer bekommen. Nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung, sondern auch in dem traditionsreichen Unternehmen selbst gehen Belegschaft und Management sehr sensibel um mit den Ereignissen der vergangenen Tage, in deren Folge ein 34 Jahre alter verheirateter Vater von vier Kindern sein Leben verlor. „Das hat uns alle zutiefst betroffen gemacht“, sagt Dr. Urban Meurer. Persönlich war der Geschäftsführer bei den Hinterbliebenen, um deren Schicksal sich das Unternehmen ebenso wie die Belegschaft kümmern.

Um so wichtiger steht für Dr. Meurer die Aufklärung der Ursachen der drei Vorfälle an erster Stelle. Um Konsequenzen ziehen zu können, zukünftig auch solche Arbeitsunfälle verhindern zu können. Eingeschaltet sind dazu nicht nur Fachleute der eigenen Gesellschaft, sondern auch das Amt für Arbeitsschutz bei der Kölner Bezirksregierung untersucht.

„Bei den Zwischenfällen handelt es sich nicht um eine Verkettung oder Ballung, sondern um drei unterschiedliche Ereignisse in völlig verschiedenen Betriebsstätten der Hütte aus individuellen Ursachen“, erklärt der Geschäftsführer auf Anfrage unserer Zeitung. Weil die Analysen noch andauern, kann Meurer bis dato über erste Erkenntnisse berichten.

Besonderes Aufsehen erregte am 1. Juli eine elektrische Fehlschaltung, die in der Abgasanlage zur Emission eines Gemisches von etwa 2000 Kubikmetern Wasserdampf, Schwefeldioxid und -trioxid aus dem 99 Meter hohen Kamin am Steinbruch Bärenstein führte. Ein Großeinsatz der Feuerwehr in Büsbach war die Folge, weil Bewohner über Atembeschwerden klagten. Während Berzelius die Bezirksregierung informierte, blieb die Feuerwehr vor Ort zunächst in Unkenntnis. „Wir haben die Meldewege entsprechend überarbeitet“, sagt Meurer. Darüber hinaus soll der Kontakt zwischen Feuerwehr und Unternehmen weiter intensiviert werden.

Tragisch endete am 21. Juli ein Zwischenfall in der Rohhütte. Aufgrund einer plötzlichen Freisetzung von Kohlenstaub in einem Ofen kam es dort zu einem Überdruck, Gas trat aus und entzündete sich. Ein Mitarbeiter starb an den Folgen; ein weiterer kuriert seine leichteren Verletzungen noch aus.

„Drei Wochen lang haben wir die Produktion unterbrochen, um mit internen und externen Fachleuten sowie den Aufsichtsbehörden die Verkettung unterschiedlicher Reaktionen intensiv untersuchen zu können“, so Meurer weiter. Besonders dramatisch ist für den Geschäftsführer dabei der Umstand, dass in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern entwickelte Verbesserungen ihrer Schutzausstattung und zur Arbeitssicherheit kurz vor dem Vorfall umgesetzt worden seien.

Ähnliches gilt für den dritten Vorfall am 11. August, als es in der Feinhütte beim Mischen von Rohstoffen zu einer Verpuffung aufgrund chemischer Reaktionen gekommen war. Zwei Mitarbeiter wurden leicht verletzt.

„Wir gehen davon aus, dass wir die Vorfälle soweit auf aufgearbeitet haben, dass es nicht zu Wiederholungen kommt“, betont Meurer, dass die Bleihütte einen hohen Anspruch an die Sicherheit von Umwelt- und Arbeitsschutz habe. Bei den LTI – verlorene Arbeitszeit bei Unfällen – rangiere Binsfeldhammer mit einem Wert von 1/200 000 um die Hälfte unter dem üblichen Branchendurchschnitt.

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