Berufskolleg Stolberg: Theaterstück zum Thema „Inklusion“

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Das Theaterensemble des Stolberger Berufskollegs hatte in einem sehenswerten Stück das Thema „Inklusion“ auf die Bühne gebracht. Die Frage lautete: Wer ist denn tatsächlich unnormal? Foto: Schule

Stolberg. Lampenfieber im Berufskolleg Stolberg. 15 angehende Heilpädagogen des aktuellen Ausbildungsjahrganges führten am Donnerstag das selbst erarbeitete Theaterstück „All-inklusiv- Island“ auf.

Unter der Regie von Fachlehrerin Antje Kampffmeyer war in den vergangenen Monaten ein abendfüllendes Theaterprojekt entstanden, für das sich alle Beteiligten fachlich und kreativ in besonderer Weise mit dem komplexen Thema Inklusion auseinandergesetzt haben. Story, Skript und Inszenierung zeugten ebenso eindrucksvoll davon, wie im Anschluss der Aufführung die Ovationen des fachkundigen Publikums.

Publikum spielt Rollen

Das Stück lebt von den darin auftretenden Charakteren, von Menschen, die jeder für sich etwas Besonderes darstellen, aber gleichzeitig auch etwas im Grunde vollkommen Normales. Und diese dargestellte Normalität beschränkte sich nicht nur auf den Bühnenraum, sondern schloss – eigentlich logischerweise - das ganze Publikum mit ein. Denn alle, ob auf oder vor der Bühne, erhielten jeder – wie im Flugzeug - eine Bordkarte, der zu späterem Zeitpunkt noch eine wichtige Rolle zukam.

Aber zuvor wurden witzig, überspitzt aber auch provokant all die Hürden und Vorurteile aufgezeigt und aufs Korn genommen, die in unserer Gesellschaft jene Mitmenschen erfahren müssen, die eben nicht dem gängigen Schema des „Normalen“ entsprechen. Dabei präsentierten die Darsteller Personen mit besonderen Bedürfnissen, die ihre Individualität selbstbewusst ausleben wollen, die einfach glücklich sein möchten; „ein jeder nach seiner Fasson“.

Leicht gestört

Doch genau damit haben Durchschnittsnormalos wie im Stück eben die berüchtigte Frau Mustermann oft so ihre Schwierigkeiten; eine Dame, die sich in ihrem Bedürfnis nach „Normalität“ sehr leicht gestört fühlt und entsprechend reagiert. Und das führte zu Konflikten!

Was aber ist eigentlich normal? Und wie geht man kompetent damit um, wenn die Grenzen der eigenen Normalität an die Grenzen einer anderen Normalität stoßen? Geschickt eingebettet in dieses Theaterstück ist ein Video, das einen authentischen Einblick ins Leben von Bewohnern unterschiedlicher sozialer Einrichtungen gibt. Dabei kamen auch Angehörige zu Wort, ebenso wie Betreuer. Das machte das Thema Inklusion greifbar.

Und deutlich wurde auch die Diskrepanz zwischen der grundsätzlich positiven Einstellung gegenüber Inklusion einerseits, bei der andererseits aber auch die kritischen Aspekte und die Schwierigkeiten bei ihrer Umsetzung im Alltag nicht unterschlagen wurden.

Am Ende der Aufführung war deutlich, dass man als Gesellschaft gleichsam „im gleichen Flugzeug“ sitze, und dass die Unterschiede im Normalen das eigentlich Normale darstellen.

Und um dies zu bekräftigen, startete die Theatergruppe mit dem Publikum abschließend noch eine kurze Zeitreise und stellte 40 Jahre in der Zukunft fest, dass spätestens dann zum Glück tatsächlich „alles“ ganz normal sein werde.

Denn: „Auf die Haltung kommt es an!“ Dieser Satz galt allen; den Schauspielern auf der Bühne und den Gästen in der Schulaula. Jeder hat eine eigene Meinung, eigene Ideen, seine eigene Berührungspunkte und Erfahrungen, um mit dem Thema Inklusion umzugehen.

Eine aktive und auch durchaus kritische Auseinandersetzung ist notwendig - und sollte durch dieses Theaterstück angeregt werden. Am Ende gab es stürmischen Applaus für das Ensemble auf der Bühne und die Umsetzung des wichtigen Themas.

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