Beruf Pilot: Wenn der Firmenboss das fliegende Taxi ordert

Von: Heike Eisenmenger
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Mit dem Helikopter schwebt Hol
Mit dem Helikopter schwebt Holger Lubbe während des Radrennens am Sonntag, 26. August, über seinen alten Heimatort Breinig. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Breinig. Autos aus der Vogelperspektive zu verfolgen, Promis als fliegendes Taxi von A nach B zu bewegen oder Holzstämme zu transportieren: Die Aufträge des Hubschrauberpiloten Holger Lubbe könnten unterschiedlicher nicht sein.

Aber es ist gerade die Vielfalt in seinem Job, die der 46-jährige Berufspilot liebt - mal ganz abgesehen von der Fliegerei. Der Auftrag am Sonntag, 26. August, führt ihn in seinen früheren Heimatort - und das ist Breinig. An jenem Wochenende findet dort der Breiniger Radrenntag statt, und Lubbe wird im Rahmen der Großveranstaltung mit seinem Helicopter Rundflüge anbieten.

Er habe gern in Breinig gewohnt, „aber als Berufspilot muss ich da sein, wo der Hubschrauber ist. In meinem Fall ist das der Verkehrslandeplatz Mönchengladbach”, erklärt Lubbe, der von seiner Wohnung nur fünf Minuten bis zum Hangar braucht. Pilot wollte er schon immer werden. Die Fliegerei begeistert ihn, seitdem er denken kann. Dass er ausgerechnet Hubschrauber fliegen wollte, war für ihn nur logisch. „Ich war ungefähr zwölf Jahre alt, als ich mich entschied, dass nur ein Hubschrauber als Fluggerät für mich infrage kommt.”

Mit einem Hubschrauber könne man senkrecht hoch und runter und fast überall landen. „Ein Flugzeug benötigt eine Landebahn - oder den Hudson River”, sagt Lubbe mit einem Augenzwinkern und spielt damit auf die fliegerische Glanzleistung eines amerikanischen Piloten an, der nach einem Vogeleinschlag mit seinem Airbus auf dem Hudson River notwasserte.

Lande- und Startplatz beim Radrennen ist eine Wiese am Schomet. Die Auflagen der Luftfahrtbehörde sind streng, denn Sicherheit hat oberste Priorität. Zu Recht, wie der Berufspilot findet. „Berufspiloten wie auch das zertifizierte Unternehmen werden jedes Jahr überprüft”, sagt Lubbe, der auch Fluglehrer ist.

Der Inbegriff von Freiheit

Schülern das Fliegen beizubringen, begeistert ihn. Wohl deswegen, weil es für ihn der Inbegriff von Freiheit ist. Der Traum vom Fliegen - als Berufspilot zu arbeiten, das war immer sein Herzenswunsch, und dass er nun mit „Heli NRW” sein Ziel erreicht hat, ist etwas, auf das Lubbe sehr stolz ist.

„Die Fliegerei ist wie ein Virus. Einmal infiziert, lässt sie dich nicht mehr los”, sagt Lubbe. Spannend findet der 46-Jährige aber nicht nur den Blick von oben - und dass man sich als Pilot auch mit der Technik befasst: „Interessant macht die Arbeit auch, dass man zuweilen auf sehr ungewöhnliche Menschen trifft”, erzählt Lubbe. „Oft sind das echt coole Typen, die geniale Ideen haben. Es macht einfach Spaß, sich mit solchen Leuten zu unterhalten.”

Auch Kameraleute hat er ab und zu an Bord. Der Kameramann, den er jüngst flog, sollte für einen Automobilhersteller einen Werbefilm über ein brandneues Fahrzeug drehen. Lubbes Job war es, den „Heli” so zu fliegen, dass der Kameramann aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Auto bei seiner Fahrt auf dem Nürburgring filmen konnte. Mitgebracht hatte der Filmer eine Kamera im Wert von einer halben Million Euro, die außen am Hubschrauber angebracht war. „Das Problem war nur, dass das Elektroauto so schnell war, dass wir mit dem ?Heli kaum hinterher kamen. Es hat uns immer wieder abgehängt, obwohl wir rund 200 km/h drauf hatten”, schildert Lubbe lachend. Das flotte Elektroauto hatte der Helikopter irgendwann doch eingeholt, und alle Aufnahmen waren im Kasten.

Auch als fliegendes Taxi zur Verfügung zu stehen, habe durchaus seinen Charme, findet der Pilot. „Da erfährt man schon Interessantes, und vor allem lernt man die Leute von einer ganz anderen Seite kennen. Das Bild in der Öffentlichkeit entspricht ja oft nicht den Tatsachen.” Welche Promis seine Dienste in Anspruch nehmen, verrät er aber nicht. „Kundengeheimnis”, sagt Lubbe und legt die Finger auf die Lippen.

Aber eines verrät er dann doch: Oft seien es Vorstandsmitglieder großer Firmenketten, die den Helikopter mieten, um bundesweit Filialen im Schnelldurchlauf abzuklappern. Inkognito. Der nicht angekündigte Besuch dient dazu, sich einen Eindruck vom Kundenservice im Unternehmen zu machen, statt sich ein auf Hochglanz poliertes Bild vorsetzen zu lassen, weil alle im Unternehmen wissen, dass der „Big Boss” im Anmarsch ist. Für die Konzernmitarbeiter aus der Führungsriege ist der Hubschrauber ein schnelles Transportmittel, denn Zeit ist Geld.

Allerdings wird nicht wie im Film mit dem Hubschrauber in unmittelbarer Nähe der Filiale gelandet, sondern abseits. „Ich warte im ?Heli irgendwo in der Nähe. Zum Geschäft nimmt der Konzernmitarbeiter ein Taxi, denn das ist unauffälliger”, erzählt Lubbe.

Eine ganz anderer Art von Einsatz erwartet ihn in einigen Wochen: Dann wird sein Helikopter als Holzrücker eingesetzt. Lubbe wird mit seinem Hubschrauber in einem dichtbewaldeten Naturschutzgebiet Baumstämme abtransportieren. Auch weitere Drehaufnahmen aus dem „Heli” stehen in den nächsten Wochen in seinem Terminkalender.

Doch bevor es zum Holzrücken geht, stehen die Rundflüge beim Breiniger Radrennen an. Radrennen von oben zu erleben, das hat man ja sonst nur im Fernsehen.

Die Helikopter-Rundflüge gehören mit zu den Attraktionen beim Breiniger Radrenntag am Sonntag, 26. August. Der Hubschrauber startet und landet auf der Wiese am Schomet unweit der St.-Barbara-Kirche.
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