Stolberg - „Berliner Kissen” als aussterbende Art

„Berliner Kissen” als aussterbende Art

Von: -jül-
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Farbe, Schilder, Blumen: Die Umsetzung eines Konzeptes zur Verkehrssicherung in Krewinkel wird am Donnerstag im Aussschuss für Stsdtentwicklung beraten. Foto: J. Lange

Stolberg. „Berliner Kissen” sind so etwas wie eine aussterbende Tierart. Nachdem jahrelang Aufpflasterungen in diesem smarten Berliner Stil oder zuvor breiteren rheinischen Art ein Allheilmittel im Kampf gegen Temposünder darstellte, sind solche Kissen in der Kupferstadt vom Aussterben bedroht.

Die letzten beiden Paare wurden bei der Erneuerung der Frankentalstraße gesichtet. Immerhin kostet eine solche steinharte Federung pro Stück etwa 2500 Euro, und für derartige Summen muss Stolberg erst einmal kräftig sparen und sich in Verzicht auf Abweisbares und bei Versprechungen üben.

Nur eine Versprechung wird derzeit allgegenwärtig im Rathaus gemacht: Wenn die Stadt irgendwann einmal wieder zu Geld gekommen sein könnte, dann wird auch wieder in die Art-Erhaltung der „Berliner Kissen” investiert. Denn in einem solchen theoretischen Falle werden die Pflaster wieder eingebaut im Kampf gegen Raser auf Anliegerstraßen.

Zukunftsgerichtete Aussagen

Mit dieser zukunftsgerichteten Aussage werden in diesen Wochen aktuell die Münsterbuscher auf der Talstraße, die Atscher auf der Waldmeisterhütte und Karlstraße sowie die Krewinkler in ihrem Dorf in eine langfristige Erwartungshaltung versetzt. Bis dahin sollen beispielsweise in Krewinkel zwei versetzt angeordnete Pflanzkübel in Höhe der von Buschhausen sowie von der Krewinkler Straße kommenden Ortseinfahrten den Platz für die Berliner Kissen warm halten. Die Blumenkübel sollen dann auch dorfeinwärts auf der Gefällstrecke die Platzhalterfunktion ausüben, bis einmal ein richtiges Beet angelegt werden kann.

Bobicar als Alternative

Immerhin darf sich die Stadt glücklich schätzen, dass in dem Mausbacher Dorf die Anlieger finanziell so gut gestellt sind, dass sie sich bereit erklärt haben, die Anschaffung von Pflanzkübeln zu finanzieren. Allerdings stiftet die Stadt ebenso die Erde und die ersten Blumen für diese Plflanzkübel wie einige Verkehrsschilder und Baken sowie einen Topf Farbe für Markierungen von Haifischzähnen und Parktaschen. Und schon sind die Krewinkler glücklich.

Denn sie haben schon lange um verkehrssichernde Maßnahmen auf ihrem Sträßchen gekämpft. So richtig in Schwung kam ihr Angriff auf Raser im Dorf allerdings auch erst im Frühjahr, und selbst dabei wurden einige Attacken erforderlich. Doch gut Ding will Weile haben, und bei einem Ortstermin mit der Verwaltung einigte man sich letztlich auf die Details des Verkehrsberuhigungskonzeptes, dem der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr am Donnerstag noch zustimmen muss.

Der wird dann auch zur Kenntnis nehmen dürfen, dass die Anlieger nicht unrecht hatten mit ihrer Behauptung, dass im Dorf zu schnell gefahren wird. Man muss nur wissen, wo man messen muss. Das haben die Krewinkler der Verwaltung auch gezeigt, nachdem eine erste Messung quasi für die Katz war. Denn nun hat die Auswertung ergeben, dass 55 Prozent aller erfassten Fahrzeuge schneller als mit den erlaubten 30 km/h durch Krewinkel brausen.

Glücklicherweise sind die Einheimischen findige Menschen und haben sich bislang schon mit eigenen Mitteln gewehrt. So manches abgestellte Bobicar in der Gosse am Straßenrand im Ort erfüllt die Funktion von Pflanzkübeln oder Berliner Kissen nicht minder schlecht und ist auch in der Anschaffung wesentlich moderarter zu finanzieren.
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