Bereich der Kernstadt: Stolberg führt City-XL-Tarif ein

Von: Jürgen Lange
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Busfahren in der Kernstadt soll wieder bezahlbar werden: Zu den Kupferstädter Weihnachtstagen führt Stolberg den günstigeren City-XL-Tarif ein. Foto: J. Lange

Stolberg. Es soll ein echtes Geschenk werden, über das die Bürger sich schon vor Weihnachten freuen können: Zum Start der Kupferstädter Weihnachtstage am 18. November soll im Stolberger Kernbereich für den Busverkehr ein City-XL-Tarif eingeführt werden, damit die Stolberger den Bus wieder für sich entdecken können.

„Aseag und AVV freuen sich, uns mit unserem Wunschtermin entgegenkommen zu können“, sagt Tobias Röhm nach den Verhandlungen mit den Bestellern und Betreibern des Öffentlichen Personennahverkehrs. „Das Stolberger City-XL-Ticket soll es zum bestmöglichen Tarif innerhalb des Budgets geben“, erklärt der Technische Beigeordnete. Mit ein wenig Glück dürfte dann der Preis für eine Fahrt innerhalb des Stadtbezirks unterhalb von zwei Euro liegen. Der City-XL-Tarif soll im früheren Kernstadtgebiet (29) gelten - von Schwarzenbruch über Steinfurt bis zum Donnerberg hinauf, über den Derichsberg bis Vicht Brücke und weiter über Büsbach, Münsterbusch bis zum Sebastianusweg.

Aseag und AVV stellen jetzt die konkreten Berechnungen an; vor den Sommerferien sollen dann die politischen Gremien in Stolberg die erforderlichen Beschlüsse treffen. Der angestrebte Tarif entspricht den groben Berechnungen, die das Büro IVV im Auftrag des AVV im Januar vergangenen Jahres vorgestellt hatte. Die Koalition von CDU und SPD hatte daraufhin mit dem jetzt genehmigten Haushalt 60 000 Euro für die Subvention des Fahrpreises zur Verfügung gestellt. Damit kommen die Stolberger wieder annährend in den Genuss eines Fahrpreises, wie er vor der Einführung des Flugs-Tarifes im Juni 2013 gegolten hatte. Sie führte zum großen Eklat in der Kupferstadt und zu einer Abkehr vom Linienbus.

Bis dahin konnten die Stolberger in dem Kernbereich für 1,60 Euro aus den umliegenden Stadtteilen in die Innenstadt bzw. zurück gelangen. Mit dem dann neu eingeführte Flugstarif zu 1,50 Euro für die Kurzstrecke kommt man nur noch vier Haltestellen weiter – in den meisten Fällen zu wenig, um in die Innenstadt oder zurück nach Hause zu gelangen. Für die Masse der Kunden wurde mindestens die Preisstufe 1 – für seinerzeit 2,55 Euro und heute – für 2,65 Euro erforderlich. Und das bedeutete für Kunden in der Kernstadt eine Preissteigerung von bis zu 70 Prozent. Vor drei Jahren waren das noch 2,55 Euro, mittlerweile kostet die Einzelfahrt satte 2,65 Euro. Da steht sich schon ein Pärchen günstiger und bequemer, wenn es mit Taxi oder Funkmietwagen fährt, sobald die Route weiter als vier Haltestellen ist.

Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. Die Fahrgäste blieben aus. Bis zur Einführung des Flugstarifs registrierte der AVV 232 251 Fahrten im Jahr 2011 für diese Kernbereichszone; durchschnittlich 2,4 Kilometer legte ein Fahrgast dabei mit dem Bus zurück. In dieser Zone wurde die Masse aller kurzen Busfahrten abgewickelt.

Zu einer grundlegenden Veränderung führte die „wandernde Kurzstrecke“ über vier Haltestellen. 64 951 Flugs-Tickets brachte der AVV im Jahr 2013 an den Stolberger. 36 791 Fahrten entfielen davon auf das Stadtzentrum – ein drastischer Einschnitt an Akzeptanz für den Öffentlichen Personennahverkehr in der Kupferstadt.

Die positiven Effekte des Flugstarifs konnten die Einbußen nicht bei weitem auffangen. Mit 28 160 Fahrten in den drei anderen ehemaligen Zonen stieg dort die Akzeptanz um 9017 Fahrten. Zuvor erfolgten 10 852 Fahrten innerhalb der Zone (30) Breinig, Venwegen und Dorff. 7119 waren es im Bereich (31) Mausbach, Gressenich, Werth und Schevenhütte sowie 1172 in der Zone (32) Vicht und Zweifall.

Mit der Einführung des Flugstickets hagelte es Beschwerden aus der Bevölkerung. Die Stolberger Politik beklagte angesichts der topographischen Verhältnisse eine Benachteiligung Stolbergs und konstatierte soziale Ungerechtigkeiten. Gleichwohl verteidigte der AVV das neue Tarifsystem. Das Flugsticket habe die Reiseweite bei kurzen Fahrten normiert und die Tarifgerechtigkeit und -transparenz gesteigert – und zumindest in fast allen anderen Kommunen die Tarifsituation verbessert. Lediglich Herzogenrath war mit Stolberg auf der Seite der Beschwerdeführer.

Finanziell hatte der AVV den Fahrgastverlust von 6,8 Prozent in Stolberg gar nicht zu spüren bekommen. Die Einnahmen stiegen leicht um 4099 auf 1,285 Millionen Euro – weil eben für die Stolberger das Busfahren teurer geworden war.

Damit sie nun wieder kostengünstiger ins Stadtzentrum gelangen, greift die Stadt zusätzlich zu den 3 Millionen Euro ÖPNV-Umlage in die Schatulle und legt die 60.000 Euro oben drauf – damit der Stolberger wieder in die Innenstadt kommt.

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