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Beim Met ist man „historisch korrekt”

Von: unserer Mitarbeiterin Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Die Schankmaid füllt den irdenen Becher mit Met. Den Honigwein kannte man schon gut 5000 Jahren vor Christi Geburt. Am Wochenende wird der Met in der Taverne auf dem unteren Burgplatz ausgeschenkt. „Na, schmeckt´s?”, fragt Schankmaid Anja Maul.

Sie trägt ein schlichtes Kleid aus grober Wolle, so wie es für das Gesinde im Mittelalter typisch war. Auf Authentizität wird beim fünften Burgritterlager, das an diesem Wochenende auf dem Faches-Thumesnil-Platz und auf dem unteren Hof der Stolberger Burg zelebriert wird, Wert gelegt. Allerdings müssen Abstriche gemacht werden: „Da, wo wir es können, halten wir uns an die Vorgaben”, sagt Ralf Herff von den „Stolberger Burgrittern”. Aber es geht halt nicht überall: Brillen waren im Mittelalter durchaus bekannt, aber bestimmt keine mit bruchsicherem Plastikglas, so wie Anja Maul sie trägt.

Beim Met hingegen ist man „historisch korrekt”: „Honig und Wasser vergoren mit Hefe. Außerdem ist Mädesüß, das ist ein Kraut, das in unseren Breiten vorkommt, drin”, erzählt Anja Maul. „Bei den ganz alten Rezepten kommt keine Hefe vor. Da steht drin, man müsse auf Glück hoffen. Damals war man noch nicht auf die Idee gekommen, die Gärung durch die Beigabe von Hefe selbst in die Hand zu nehmen. Also musste man hoffen, dass das Gebräu irgendwie in Gärung gerät.” Ob die Temperatur passend ist und die richtigen Bakterien zufällig mit dem Getränk in Berührung kamen, „das war nun wirklich Glückssache.”

Hätte sie gerne in dieser Zeit gelebt? Die 23-Jährige antwortet mit einem klaren Nein: „Für ein Wochenende das Mittelalter nachzustellen, das ist ganz nett, aber am Sonntagabend bin ich heilfroh, wenn ich unter meiner neuzeitlichen Dusche stehe. Damals zu leben, das war schon hart.”

Wo Met ist, da ist der Schinken nicht weit. Vom Grill der „Honigschnucke” strömt der Duft von brutzelndem Speck und Würstchen. Der Stand ist nach mittelalterlichen Vorlagen errichtet. „Es gibt nur Nägel, keine Schrauben”, bemerkt Gabriele Kottlorz. Auf der einfachen Holzanrichte stehen Keramikgefäße mit unterschiedlichen Senfsorten. „Senf war sehr beliebt im Mittelalter, weil jeder, der nur ein Stückchen Garten besaß, die Senfpflanze anbauen konnte. Ein weiterer Vorteil von Senf war, dass er wegen der Zugabe von Essig haltbar war.”

Auf dem Faches-Thumesnil-Parkplatz haben befreundete Mittelalter-Gruppen ihre Zelte aufgeschlagen. „Leider konnten nicht alle, die zugesagt haben, kommen”, berichtet Ralf Herff. Eines der Zelte besteht aus einer Holzbalken-Konstruktion. Das Innere füllt ein Holzbett mit Fellen. Richtig gemütlich ist das allerdings nur bei gutem Wetter. Wenn es aber stark regnet und es kalt wird, geht jedes Gefühl von Romantik flöten.

Eine Gruppe nennt sich „Freier Haufen zu Krinvelde”, als freie Gemeinschaft von Krefeld. Ein Burgfräulein spinnt Wolle, ein Barde klimpert auf der Laute. Mit Met wird sich zugeprostet. Auf das Burgritter-Leben anno 2007, das am Abend mit der Kür zum Ehrenburgritter zu Ende ging.

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