Beim „Casting” in Breinig sind die Rammler los

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
Sie sind die Stars jeder Lokal
Sie sind die Stars jeder Lokalschau und der ganze Stolz der Breiniger Züchter: Kaninchen. Foto: N. Gottfroh

Stolberg. Das „Casting” in der Alten Schule in Breinigerberg ist in vollem Gange. Zwei Juroren nehmen das Aussehen der Kandidatinnen und Kandidaten mit Argusaugen unter die Lupe, bewerten den Körperbau und die Farbe der Augen, das Körpergewicht und die Farbe der „Haare”.

Auch wenn man es vermuten könnte - es sind nicht junge Frauen und Männer, die an diesem Vormittag in Breinig ihr Äußeres bewerten lassen, um einen Modeljob zu ergattern. Auf dem Prüfstand stehen heute Kaninchen. 75 Böcke und Häsinnen haben die Mitglieder des Kaninchenzuchtvereins R300 Breinig zur Lokalschau in die Alte Schule gebracht, darunter Riesen, von denen jeder einzelne satte sieben bis acht Kilogramm wiegt, aber auch Tiere aus Rassen mit so klangvollen Namen wie Alaska und Havanna, um sie von Preisrichtern fachkundig bewerten zu lassen.

Immerhin soll der Vereinsmeister, dessen Tiere die meisten Punkte sammeln konnten, gekürt werden. Und auch die Zuchtgruppenpreise und die Landesverbandsmedaille für das beste Tier der Schau sollen vergeben werden.

Gerade bewertet Preisrichter Erwin Janas (57) ein besonders schönes Tier. „Wirklich außergewöhnlich schön. Das hat Chancen auf die Landesverbandsmedaille”, murmelt er und ruft seine Kollegin Elisabeth Walpuski zu sich. Die 72-Jährige ist die dienstälteste Preisrichterin der Richtergruppe Aachen-Düren. Hunderte, nein Tausende Tiere mussten in den 40 Jahren ihrer Richterkarriere schon ihrem geschulten Blick standhalten. Auch sie nickt anerkennend, als sie das Kaninchen mit der Bezeichnung 3.1.4 - die meisten Tiere tragen Nummern statt Namen - anschaut. 97 Punkte erhält der Rammler mit dem dunklen, dichten Fell der Rasse Alaska von den beiden Preisrichtern. „Ein richtig gutes Ergebnis”, freut sich Frank Pellegrini. Er ist seit vielen Jahren Züchter, betreibt dieses Hobby zusammen mit seiner Frau Heike. „Klar, manche Leute finden das Kaninchenzüchten blöd - aber uns macht es einfach Spaß. Wir lieben Tiere - wahrscheinlich dreht sich deshalb unser Hobby um die Kaninchen”, sagt Heike Pellegrini.

Und auch wenn das Kaninchenzüchten nicht jedermanns Sache ist, abstreiten dass es sehr ein teures und zeitaufwendiges Hobby ist, wird wohl niemand. „Mit 25 Kilo Futter kommen unsere Tiere etwa drei Tage aus. Auch das will gekauft werden”, sagt die 49-jährige kaufmännische Angestellte. Und auch „frisches Blut” kostet.

„Natürlich brauchen wir immer neue Tiere, um verschiedene Paarungen umsetzen zu können. Auf den Schauen und bei anderen Züchtern kann man die Tiere kaufen - muss dafür aber auch tief in die Tasche greifen. Zwischen 50 und 500 Euro je nach Rasse kostet ein Kaninchen in der Regel. „Bei Supertieren sind den Preisen aber nach oben hin keine Grenzen gesetzt”, sagt Frank Pellegrini. „Und manchmal braucht man einige Paarungen, um Tiere mit einem dichteren Fell zu züchten”, betont der Breiniger Züchter Wilhelm Lützeler.

„Man muss das Züchten schon lieben”, gesteht Heike Pellegrini. Immerhin müsse man auch den Alltag an die Tiere anpassen. Es gehöre schließlich mehr dazu, als die Tiere einmal am Tag zu füttern. Allein schon das Reinigen der Ställe koste sie und ihren Mann jede Woche aufs Neue viele Stunden.

So richtig stressig für Züchter und Kaninchen sei jedoch die Zeit vor einer Lokal- oder Regionalschau, denn dann müssten die Böcke und Häsinnen auch noch „zurechtgemacht” werden: Kämmen, Krallen zu schneiden und Geschlechtsecken zu säubern steht dann an.

Erst wenn der Zustand der Kaninchendamen und -herren einwandfrei ist, werden sie am Tag vor der Preisrichterlichen Bewertung zur Lokalschau gebracht. Das Umsetzen in die kleinen Käfige und das Fahren im Auto sind ein richtig stressiges Unterfangen für die Tiere, gibt Heike Pellegrini zu. „Ein bis zwei Tage essen die Kaninchen dann etwas schlechter”, sagt sie. Aber unsere Lokalschau findet ja nur einmal im Jahr statt. Die wenigsten unserer Züchter machen auch noch die Regionalschau, die Landesschau oder gar die Bundesschau mit”, sagt sie und streichelt einer Häsin liebevoll über die Ohren.

Auch wenn die Tiere keine Namen haben, Heike Pellegrini hat doch eine Bindung zu den Kaninchen. Landet bei ihr Kaninchen auf dem Teller? „Niemals”, sagt sie. Doch das sei nicht bei allen Züchtern so. „Natürlich schlachten viele Züchter die Tiere auch. Besonders in der Weihnachtszeit verringert sich der Bestand immer beträchtlich”, sagt sie. Auch ihr Mann esse gerne Kaninchen - selbst die eigenen. „Die kommen mir aber nicht in den Topf, das überlasse ich dann meiner Mutter”, sagt sie und lacht.

Die Kaninchen, die die Pellegrinis in der Alten Schule gezeigt haben, werden aber sicherlich eines Tages standesgemäß beerdigt. Immerhin räumten seine Alaska-Züchtungen bei der Lokalschau ordentlich ab. Und brachten Frank Pellegrini einen wahren Preisregen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert