Beihilfe zum Drogenhandel: Angeklagter Geschäftsmann will aussagen

Von: Jürgen Lange
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Stolberg. Die Würfel sind gefallen: Der von Rüdiger Böhm, Verteidiger des bislang schweigenden Angeklagten, zuletzt beschworene Fluss „Rubicon” ist gestern überschritten worden. Der 43-Jährige Beschuldigte äußerte sich am Nachmittag erstmals und will heute vor der 1. großen Strafkammer des Aachener Landgerichts Angaben zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft machen.

Sie wirft dem aus Aachen stammenden Geschäftsführer eines „Gartencenters” in der Elgermühle und seinem 44 Jahre alten Geschäftspartner vor, von 2004 bis zu einer Polizeirazzia im Januar 2008 Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmittel in nicht geringer Menge in 53 Fällen vor.

Für heute wird auch ein Urteil der Kammer erwartet. Den Stein ins Rollen brachte, nach den Vernehmungen der ersten von insgesamt rund 120 geladenen Zeugen, der Antrag der Verteidiger Jutta Frommhold und Manfred Dickau das Verfahren ihres Mandaten abzutrennen.

Der 44-jährige wohnte bis zu seiner Festnahme in Stolberg und sitzt wegen Drogenhandels bereits in Haft. Er zeigte sich gleich zu Prozessbeginn geständig - auch in einer zweiten Anklage wegen Handel mit Betäubungsmittel und hofft durch Kooperation und Reue auf erleichterte Haftbedingungen.

Hinweise des Vorsitzenden Richters Arno Bormann nährten gestern die Bereitschaft des Mitangeklagten zur Aussage. Wer zur Aufklärung der Vorwürfe aktiv beiträgt, könne mit Milde rechnen. „Sie haben im Gegensatz zu dem Mitangeklagten den Vorteil, auf freiem Fuß zu sein und können sich Hoffnungen auf einen offenen Vollzug machen; riskieren sie das nicht”, mahnte die Kammer und verdeutlichte die Anklage an einem Beispiel: „Es ist verboten, jemanden umzubringen; wenn sie dazu die Waffe geben, machen sie sich strafbar wegen Behilfe.”

Ähnlich verhalte es sich bei dem „Gartencenter”. Das führe unter seiner Aufmachung in erster Linie eine bestimmte Klientel an Kunden heran: Leute, die Drogen züchten wollten. „Und sie selber wissen auch, mit wem sie es zu tun haben”, so Bormann. „Ich hätte bei Ihnen noch nicht einmal eine Lampe für mein Bad gekauft, alleine schon, um mich nicht verdächtig zu machen.”

Zuvor schon hatte der Angeklagte durch seinen Anwalt erklären lassen, dass alle angeklagten 53 Lieferungen von Equipment auch durchgeführt wurden; die meisten via Internet. In den wenigsten Fällen habe es direkten Kundenkontakt gegeben; in diesen sei es sich um Reklamationen, nicht aber um Marihuana gegangen. Es habe auch kein Verhältnis zu Kunden gegeben, die den Handel fördern wollten.

Vielmehr sei es um den Rückzug vom Markt in Richtung private Versorgung gegangen. Dass mit den Utensilien Drogen angebaut werden sollten, sei dem Mandanten klar gewesen. Das Geschäft sei mittlerweile insolvent, werde abgewickelt und der Angeklagte befasse sich damit nicht mehr. Er habe sich nicht hinreichend Gedanken gemacht, zumal andere Behörden die rechtliche Lage offensichtlich auch anders eingeschätzt hätten.

Angefangen hätte seine Tätigkeit damit, dass er im Kleinbetrieb Elektroprodukte für Shops in Holland gefertigt hätte. Das habe sich Zug und Zug ausgeweitet; Kunden des Internetvertriebs seien zuletzt zu 90 Prozent Geschäfte gewesen. Auf die Spur gekommen war die Polizei dem durch die Festnahme des Geschäftspartners, der nebenbei mit Drogen gehandelt habe.

In dem Stolberger Geschäft habe man nichts gefunden, was mit normalem Landschaftsgartenbau zu tun habe: „Alles war auf Cannabis ausgerichtet”, hatte zuvor der leitende Ermittlungsbeamte der Aachener Polizei ausgesagt. Bei einer bundesweiten Razzia in 235 Objekten waren im Januar 2008 mehr als 5000 Pflanzen sowie 79 kg Marihuana und 1,6 kg Hasch sichergestellt wurden. 218 Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet. Daraus hat die Staatsanwaltschaft 53 Fälle für die Anklage ausgewählt.
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