Stolberg-Zweifall - Beifall für SPD-Vorschlag fällt gering aus

Beifall für SPD-Vorschlag fällt gering aus

Von: Kolja Linden
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Im Fadenkreuz: An der Grundschule Zweifall soll nach dem Willen des SPD-Ortsvereins Süd wieder geschossen werden dürfen, die Schulleitung hält von dieser Idee allerdings gar nichts. Foto: K. Linden

Stolberg-Zweifall. Gar nicht begeistert ist Ute Esser vom Vorstoß des SPD-Ortsvereins Süd, die Kündigung des Pachtvertrags für den Schießstand der Zweifaller Schützen in der dortigen Grundschule wieder zurückzunehmen.

„Wir waren sogar ziemlich schockiert”, beschreibt die kommissarische Leiterin der Grundschule Zweifall die Reaktion des Kollegiums auf die Ankündigung. Nicht mit Erschrecken, aber doch mit Verwunderung reagierte Tim Grüttemeier auf den Vorstoß. „Die SPD boykottiert ein Jahr lang jeden Alternativvorschlag und kommt jetzt mit dem Stein der Weisen”, kommentierte der CDU-Fraktionsvorsitzende süffisant.

Noch sei dies zwar nur ein Vorschlag, über den die SPD beraten müsse. Grüttemeier wundert sich jedoch auch darüber, dass der SPD-Ortsverein und sein Vorsitzender Peter Jussen mit diesem Vorstoß an die Öffentlichkeit gegangen seien, ohne vorher mit der Schule zu sprechen.

Das sieht auch Ute Esser so. „Ich war die ganze Woche in der Schule”, sagt sie ungeachtet der noch laufenden Sommerferien. „Herr Jussen hätte mich hier jederzeit erreichen können.”

„Vom Grundsatz her ist das natürlich die einfachste Lösung”, sagte Grüttemeier über die Rückkehr zum Status Quo. Aber nur, wenn es keinen Widerstand von Seiten der Schule gebe, die sich bisher kategorisch gegen eine Rückkehr der Schützen in ihr Gebäude ausgesprochen hatte.

„Das Wichtigste wäre, sich zunächst einmal mit der neuen Schulleitung und den Eltern zu unterhalten”, sieht Grüttemeier keine Chance für eine solche Lösung, wenn sich bei der Schule kein Sinneswandel einstelle.

Während sich die Vorsitzende der Elternpflegschaft, Vanessa Genter, nicht äußern wollte, ohne mit Vertretern der Schule gesprochen zu haben, war deren Reaktion eindeutig: „Ich kann die Schützen zwar verstehen, für sie ist die Situation natürlich unbefriedigend”, sagt Esser. „Wir sind aber nach wie vor der Meinung, dass ein Schießstand nicht in eine Schule gehört.”

Zurückhaltend reagieren indes die Zweifaller Schützen auf den Vorstoß aus SPD-Reihen, auch wenn sie gerne wieder in den Schulkeller zurückkehren würden: „Die vage Hoffnung ist zwar da, aber wir haben keinen Einfluss darauf”, war sich Brudermeister Karl-Erich Krings schon vorher sicher, dass der Vorschlag bei der Schule auf wenig Gegenliebe stoßen wird. „Ich weiß nicht, ob das realistisch ist.”

Für die Schützen sei die Schule immer noch eine gute Adresse, zumal diese bei sinkenden Schülerzahlen nun auch noch einen Neubau habe. Begegnen würde man sich nicht. „Wir haben jahrzehntelang in Frieden mit der Schule gelebt”, so Krings.

Die Sache mit der Begegnung sieht man in der Schule allerdings anders, auch weil der Raumbedarf wegen des Betreuungsangebots groß sei. „Wir haben bereits sämtliche Planungen für den Keller begonnen”, sagt Ute Esser. Die Betreuung sei bereits dabei, sich dort einzurichten und habe schon einiges investiert. Zudem befänden sich im Keller ein Lese- und ein Klassenraum.

Die Hoffnung, doch noch eine andere Heimat im Ort zu finden, hat Krings nach einem Jahr erfolgloser Suche „in jeder Ecke Zweifalls” aufgegeben, Tim Grüttemeier dagegen noch nicht: „Auf unsere Anfrage, ob der Dachboden der Turnhalle nutzbar sei, haben wir noch keine offizielle Stellungnahme der Verwaltung bekommen”, entgegnet der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Behauptungen von Peter Jussen, dies sei wegen Problemen mit der Statik nicht möglich.

Und dann ist da ja noch die Frage, ob die Schützen aus Sicherheitsgründen überhaupt jemals wieder im Schulkeller schießen können. Vor einem knappen Jahr hatten die Schützen von selbst den Schießbetrieb eingestellt, weil sonst womöglich die Polizei mit Sicherheitsauflagen dafür gesorgt hätte.

Zwar glauben die Schützen, durch kleinere Investitionsmaßnahmen die Auflagen erfüllen zu können, doch das sei, so Grüttemeier, auch zunächst durch die Polizei verbindlich zu klären. Für das Vereinsleben, sagt Karl-Erich Krings, sei es auf jeden Fall wichtig, bald wieder den Sport ausüben zu können. „Wir treffen uns noch regelmäßig. Aber ohne Schießsport ist man ein amputierter Verein.”

Grüne stimmen nicht mit

Die Hürde für die Schützen auf dem Weg zurück in die Schule ist ohnehin hoch. Sollte die SPD-Fraktion den Antrag in den Rat einbringen, wird sie sich wohl eine neue Mehrheit suchen müssen, denn die Stimmen des Grünen Koalitionspartners dürften kaum zu haben sein.

„Ich habe gedacht, das kann nicht wahr sein”, sagte deren Ratsfrau Uschi Küpper gestern zum SPD-Vorstoß. „Für mich sind keine neuen Gesichtspunkte erkennbar, die eine solche Hin-und-her-Taktik rechtfertigen würden”, sagt sie.

Für die Grünen bliebe es dabei: „Schule und Schusswaffen passen nicht zusammen.” Die Frage, ob sie einen solchen Antrag des Koalitionspartners im Rat mittragen würde erübrigt sich da: „Das würde ich mit Sicherheit nicht.” Es gibt also noch viel zu besprechen.

Städte entscheiden über Schießstände

Von rund 5600 Schießständen in Nordrhein-Westfalen befinden sich rund 120 in Schulgebäuden. Nach dem Amoklauf von Winnenden im März 2009, bei dem ein ehemaliger Schüler an seiner Schule und in der Umgebung 15 Menschen und anschließend sich selbst tötete, wurde in NRW ein Verbot von Schießständen an Schulen diskutiert, jedoch nicht umgesetzt.

Das Land überlässt es weiterhin den Schulträgern, also in der Regel den Städten und Gemeinden, über eine Verpachtung von Schulräumen an Schützenvereine zu entscheiden. Im Zweifall liegt die Entscheidung also bei der Stadt Stolberg.

Rechtlich bindend ist lediglich eine regelmäßige Sicherheitsüberprüfung der von Schützen genutzten Räume durch die Polizei. Dabei geht es vor allem um die ordnungsgemäße Aufbewahrung der Waffen und den Zugang zum Schießstand.

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