Stolberg-Buschmühle - Bei Regen steht der Friedhof unter Wasser

Bei Regen steht der Friedhof unter Wasser

Von: Jessica Küppers
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Familienersatz: Horst de Hesselle (l.), Vorsitzender der Interessengemeinschaft Tierfriedhof Stolberg Buschmühle, und sein Stellvertreter Garbor Zorkoczy beobachten häufig, dass die Hinterbliebenen ihre Tiere wie ein Familienmitglied beerdigen. Bisher waren das rund 100 Tiere. Foto: J. Küppers

Stolberg-Buschmühle. Etwa 100 Tiere haben auf dem einzigen Tierfriedhof der Region in Stolberg-Buschmühle ihre letzte Ruhe gefunden. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Tierfriedhof Stolberg-Buschmühle, Horst de Hesselle, kümmert sich gemeinsam mit seinem Stellvertreter Garbor Zorkoczy seit fast acht Jahren um den Friedhof. Doch immer, wenn es viel regnet, sind Bestattungen auf dem Friedhof nicht möglich.

Momentan finden auf dem Tierfriedhof keine Bestattungen statt. Warum?

De Hesselle: Witterungsbedingt, weil wir unten am Hang liegen und das ganze Oberflächenwasser herunterkommt und sich in dem Feld, wo sich der Friedhof befindet, sammelt. Heißt: Wenn wir 20 Zentimeter in die Erde reingehen, um ein Grab auszuheben, haben wir direkt schon Grundwasser. Das Wasser versickert sehr schlecht, weil das ja alles nur angefüllt ist. Das ist kein gewachsener Boden, sondern das ist damals ein bis zwei Meter angefüllt worden, um eine Senke auszugleichen. Das waren aber überwiegend Bauschutt- und Lehmanteile. Deswegen sammelt sich das ganze Wasser. Und wir haben, wenn es feucht ist, die Probleme, dass wir nicht beisetzen können.

Wie soll sich die Situation denn künftig verbessern, weil es ja immer wieder regnen wird?

De Hesselle: Genau, jetzt müssen wir mal gucken. Das ist ja auch eine finanzielle Frage, wenn wir aus eigener Kraft eine Drainage setzen. Die geht dann am Friedhof vorbei, damit wir das Wasser fangen können – wir brauchen eine vernünftige mit einem Rohr von 200 Millimeter Durchmesser. Ob wir das dieses Jahr finanziell gestemmt kriegen, ist noch offen. Wir hatten ein paar Ausgaben: Wir haben einen Bagger gekauft. Das hat auch Geld gekostet und es sind noch ein paar andere Sachen zu machen. Wenn wir aber das Geld übrig haben, werden wir dieses Jahr aus eigener Tasche die Drainage ziehen. Dann haben wir auch im nächsten Jahr wenn es regnet keine Probleme mehr mit dem Grundwasser, weil wir das Wasser ableiten können.

Das Wasser behindert aber nicht den Verwesungsprozess, oder?

De Hesselle: Nein. Wir hatten hier schon einige Gräber, die ausgelaufen sind – wir zwei machen das ja jetzt mittlerweile schon acht Jahre als Vorsitzende, das ist übrigens auch unser letztes Jahr, weil wir nächstes Jahr als Vorstand beide ausscheiden – und haben ja auch schonmal ein Grab aufgemacht, was wir neu belegt haben. Nach sechs oder sieben Jahren findet man in dem Grab nichts mehr. Wir beerdigen ja auch nicht im Sarg. Wenn der Mensch beim Humanfriedhof in einen dicken Eichensarg kommt, das dauert ja schon ein paar Jahre bis das Holz mal vermodert ist. Wenn Feuchtigkeit da ist, vermodert das Holz nicht. Dann zersetzt es sich nicht. Diese Probleme haben wir unten auf dem Tierfriedhof auf keinen Fall.

Wie läuft denn so eine Tierbestattung ab?

De Hesselle: Die Leute, also meistens der Hinterbliebene von dem Tier, ruft bei uns an. Dann brauchen wir im Schnitt zwei Tage Vorlauf, um auf dem Tierfriedhof alles vorzubereiten. Der Eigentümer überführt das Tier zu uns, weil wir es als IG nicht transportieren dürfen. Wir dürfen es auch nicht beim Tierarzt abholen oder beim Eigentümer selber. Der Besitzer muss also gucken, dass er das Tier zu uns bringt. Wir arbeiten auch mit jemandem zusammen, der das machen kann, weil viele ältere Leute nicht die Möglichkeit haben, ein Tier zu kühlen. Das macht für uns die Firma aus Düren. Das Tier kommt dann zu uns, wir machen vorher die Ausschachtung für das Grab, richten alles vernünftig her, dass es nett aussieht, und meistens im Beisein des Angehörigen wird das Tier dann auch bestattet.

Sie haben es schon angesprochen – die Tiere werden nicht in einem Sarg beigesetzt.

De Hesselle: Nein, es hat sich so eingespielt, dass die Tiere meistens in der letzten Schmusedecke beigesetzt werden. Oft ist das die Decke, worauf das Tier das ganze Leben lang gelegen hat.

Sie haben in Ihrer Zeit auf dem Tierfriedhof schon viele Bestattungen mitbekommen. Was sind das für Menschen, die ihre Tiere so bestatten lassen wollen?

De Hesselle: Ich würde mal sagen, Menschen wie Sie und ich. Vom reichen Mann, der mit einem dicken Porsche kommt, bis zu einem, der mit dem Bus angefahren kommt. Sämtliche Gesellschaftsschichten spiegeln sich da wider.

Worin unterscheidet sich eine Tierbestattung im Wesentlichen von der Humanbestattung?

De Hesselle: Im Prinzip überhaupt nicht. Der Ablauf ist vollkommen gleich. Der einzige Unterschied ist, dass wir keinen Pfarrer am Grab haben, weil das kein geweihter Boden ist. Tiere dürfen in Deutschland auch nicht im geweihten Boden beerdigt werden. Aber ansonsten – mit den Angehörigen – ist es wie bei jeder Beerdigung. Wir haben hier schon Tiere beigesetzt, da waren zehn bis 15 Mann dabei, die Abschied genommen haben. Weil Tiere ja heute sozusagen fast einen sozialen Status haben wie ein Kind. Das sind wirklich schon richtige Familienangehörige. Heute ist es ja nicht mehr so, dass ein Tier nur einen Nutzen bringen muss. In der Computerwelt, die wir heute haben, fixieren sich vor allem viele alte Leute auf ihre Hunde und auf ihre Katzen. Das für sie wirklich so, als ob ein Familienmitglied sterben würde. Oft kommen dann auch der Mann, die Kinder, eben alle, die das Tier gekannt haben, mit zur Beisetzung.

Was kostet das?

De Hesselle: Es gibt einen Nutzvertrag, den wir mit dem Tiereigentümer abschließen. Das sind auf fünf Jahre gerechnet 350 Euro. Darin sind eine einmalige Bestattungsgebühr von 50 Euro enthalten und dann jeweils 60 Euro Jahresbeitrag. Wir nehmen pro Grabstätte, in der Größe wie wir sie hier haben, fünf Euro im Monat. Wir wollen, dass jeder sein Tier beisetzen kann. Dafür gibt es bei uns noch eine Sonderregelung. Wenn jetzt jemand aus finanziellen Gründen nicht bezahlen kann, zum Beispiel weil er Hartz IV bezieht, und hat noch nicht mal die fünf Euro im Monat, übernehmen wir als Interessengemeinschaft die Bestattungskosten. Wir beerdigen das Tier, aber derjenige muss sich dann anderweitig auf dem Friedhof einbringen – sprich Rasen mähen, mal die Hecke schneiden oder sonstige Sachen. Die Möglichkeit ist auf jeden Fall bei uns gegeben.

Was tun sie mit den Einnahmen?

De Hesselle: Wir haben laufende Kosten. Wir bezahlen im Monat 180 Euro Pacht an die Stadt Stolberg für das Gelände des Tierfriedhofs. Dann müssen natürlich die neuen Geräte regelmäßig gewartet werden. Außerdem haben wir weitere Geräte angeschafft. Das bezahlen wir alles aus dem Überschuss, den wir erwirtschaftet haben. So konnten wir für 3500 Euro einen Bagger anschaffen. Es ist zwar ein alter Bagger, aber wenn wir jedes Mal einen Mietbagger nehmen, ist das im Schnitt zu teuer. Ein Mietbagger kostet ungefähr 100 Euro pro Tag, nur um hier ein Gräbchen aufzumachen – das ist ja auch Geld, das uns flöten geht. Also haben wir uns einen eigenen Bagger gekauft. Jetzt ist auch noch das Dach von der Hütte undicht. Da müssen wir auch wieder Teerpappe kaufen, um es auszubessern. Das sind Beträge, die zwar für einen kleinen Betrieb als Lappalie verbucht werden, aber für uns sind 200 Euro schon viel Geld. Wir gucken immer, was gerade dringend gemacht werden muss. Wir wollen der Stadt Stolberg auf keinen Fall eine Pacht schuldig bleiben, so dass die Jahrespacht immer unangetastet auf dem Konto bleibt. Ob wir die Drainage jetzt legen können oder nicht, hängt auch ein bisschen davon ab, wie viele Beisetzungen in diesem Jahr kommen werden.

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