Stolberg-Werth - Bei Hundesportlern steht Rücksichtnahme an oberster Stelle

Bei Hundesportlern steht Rücksichtnahme an oberster Stelle

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Ute und Frank Steffens mit ihren Vierbeinern: Shyva, Betty und Finja (v.l.) dürfen auch auf die Couch. Auf dem Platz gelten dafür ganz andere Regeln. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Sportlich: Malinois-Hündin Finja von Ute und Frank Steffens.

Stolberg-Werth. Stolbergs Jäger schlagen Alarm: In den vergangenen Wochen haben wildernde Hunde in den Wäldern Rehe gejagt und getötet. Für den Leiter des Forstamts, Theo Preckel, steht fest: Seine Geduld ist erschöpft. Es stehen strengere Kontrollen an, und darüber hinaus ist auch der jeweilige Jagdpächter berechtigt, nachweislich wildernde Hunde abzuschießen. Das sei keine Drohung an die Hundebesitzer, betont Preckel nochmals, vielmehr fordert er mehr Verantwortungsbewusstsein.

Wenn es sich nicht gerade um ein Naturschutzgebiet handelt, müssen Hunde auf normalen Waldwegen zwar nicht angeleint werden, aber sie müssen sich im Einflussbereich ihres Halters befinden. Will heißen: Sobald sie in den Wald laufen, gilt Anleinpflicht. Das ist auch notwendig, sagen Ute und Frank Steffens, denn nur sehr gut ausgebildete Hunde lassen sich zurückrufen, wenn sie einmal Witterung aufgenommen haben. Im Gespräch mit Doris Kinkel-Schlachter sagen die erfahrenen Hundesportler, worauf es ankommt.

Sind Ihre Hunde immer an der Leine, wenn Sie mit ihnen Gassi gehen?

Frank Steffens: Nein. Wir gehen meistens im Feld mit unseren Hunden spazieren. Da können sie ohne Leine laufen, aber wir gucken natürlich immer erstmal.

Und wenn Ihnen einer entgegenkommt, mit oder ohne Hund?

Steffens: Dann rufen wir die Hunde zurück und leinen sie an. Das ist doch ganz selbstverständlich.

Für manche Hundehalter leider nicht.

Steffens: Das ist immer wieder ein Problem. Viele Leute gehen davon aus, dass wenn ihr eigener Hund nichts tut, dies auch auf andere zutrifft.

Was sagen Sie denn, wenn Sie hören: „Der tut nix, der will nur spielen“?

Ute Steffens: „Meiner aber wohl“, sage ich dann zur Abschreckung. FrankSteffens: Und wenn was passiert ist, kommt der nächste Klassiker: „Das hat er zum 1. Mal gemacht.“ So geht es einfach nicht. Wenn mir jemand entgegenkommt, rufe ich die Hunde grundsätzlich zurück. Gegenseitige Rücksichtnahme steht an oberster Stelle!

Gibt es Unterschiede bei den Hunderassen bezüglich des Jagdverhaltens?

Frank Steffens: Vorneweg: Jeder Hund hat Jagdtrieb, allerdings unterschiedlich ausgeprägt. Natürlich ist der Jagdtrieb bei einem Deutsch Drathhaar oder einem Münsterländer ausgeprägter als beim Wolfsspitz oder Berner Sennenhund. Letztlich kommt es immer auf den einzelnen Hund an. Ute Steffens: Bei unserer Hündin Shyva bin ich sicher, dass sie keinen Jagdtrieb hat. Wenn sie ein Reh sieht, bleibt sie stehen und guckt mich an. Bei Betty und Finja sind wir unsicher. Sie bleiben an der Leine im Wald. Aber wir gehen sowieso kaum in den Wald, und wenn, dann sind unsere Tiere eh angeleint. Es gibt Flexi-Leinen, da haben die Hunde trotzdem Spielraum und können sich bewegen.

Ist es denn überhaupt möglich – bei bestimmten Rassen – den Jagdtrieb komplett zu unterdrücken beziehungsweise zu kontrollieren?

Steffens: Man kann sicherlich versuchen, den Trieb zu kontrollieren, aber eine 100-prozentige Kontrolle gibt es nicht. Das bekommt man bei einem Tier mit ausgeprägtem Trieb nicht weg. Wenn ich zum Beispiel einen Hund immer mit Leckerchen abrufe, und es läuft ein Hase vor ihm her, ist das Risiko, dass er hinterher läuft, groß, weil für ihn die Aussicht auf einen Hasen doch besser ist als ein kleines Leckerchen. Und ich kann mir ja schlecht ein Reh auf den Rücken schnallen, um den Hasen als Beute zu übertrumpfen (lacht). Wir legen für keinen unserer Hunde die Hand ins Feuer – trotz bester Erziehung nicht.

Was ist denn wichtig bei der Hundeerziehung?

Frank Steffens: Was heute erlaubt ist, darf morgen nicht verboten sein. Damit will ich sagen, dass ein Hund klare Strukturen braucht, keine Grauzonen. Darüber hinaus muss er ausgelastet sein. Ute Steffens: Jeder sollte einen Hundeführerschein haben. Er soll bescheinigen, dass der Halter seinen Hund im Alltag unter Kontrolle hat und dass sein Hund weder Menschen noch andere Tiere gefährdet. Jeder, der sich einen Hund anschafft, sollte sich auch der Verantwortung bewusst sein. Man kann gar nicht früh genug damit anfangen.

Wie kann ich das umsetzen?

Steffens: Wie schon gesagt, eine gewisse Sachkunde ist ein Muss. Und auch ein Grundgehorsam ist unabdingbar. Der Hund muss bei seinem Halter bleiben, wenn dieser das will, er darf andere nicht einfach anspringen. Wenn ich meinen Hund frei laufen lasse, muss er auch abrufbar sein, also kommen, wenn ich ihn rufe. Und wenn er das zuhause befolgt, heißt das aber noch lange nicht, dass das draußen genauso klappt. Das muss trainiert werden. Für manche Menschen stellt ein Hund einen Kindersatz dar. Entsprechend behandeln sie das Tier auch... Der Halter sollte mit seinem Hund mal in einen Hundeverein oder in eine Hundeschule. Da gibt es viele Möglichkeiten, auch in Stolberg.

Gibt es dabei etwas zu beachten?

Steffens: Man sollte sich die Hundeschulen vorher einfach mal anschauen, da gibt es schon Unterschiede, und es gibt Schulen, die entsprechende Qualifikationen nachweisen können. Eine gute Hundeschule bietet auch Einzeltraining an und geht auf den Besitzer und seinen Hund ein. Das muss ganz individuell angepasst werden. Bei einem Hundeverein ist die Struktur wieder eine andere. Wir als Hundesportverein „MV Stolberg Werth“ gehören zum DGV (Deutscher Verband der Gebrauchshundsportvereine; Anmerkung der Redaktion). Der Hundeverein ist meistens günstiger als die Hundeschule, und um die Begleithundeprüfung machen zu können, das ist nach dem Teamtest die nächste Stufe, muss man einem Verein angehören. Dabei handelt es sich um eine Grundprüfung, in der der Gehorsam des Hundes und sein Verhalten in der Öffentlichkeit geprüft wird.

Erzählen Sie doch bitte noch etwas mehr über Ihren Verein.

Steffens: Wir sind ein zurzeit 18 Mitglieder starker Verein, machen Gebrauchshundesport, also Vielseitigkeitssport für Gebrauchshunde. Bei uns sind alle Hunderassen vertreten, und wir heißen alle Hundehalter willkommen, die am sportlichen Umgang mit ihrem Hund Freude haben. Zurzeit sind bei uns Aeredale Terrier, Malinois, Rottweiler, Hovawart und Deutscher Schäferhund vertreten. Das sind klassische Gebrauchshunderassen. Wir haben feste Trainingszeiten: mittwochs ab 18 Uhr, samstags ab 15 und sonntags ab 11 Uhr.

 

 

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