Stolberg - Bei der „Sportstättennutzungsgebühr” schrillen die Alarmglocken

Bei der „Sportstättennutzungsgebühr” schrillen die Alarmglocken

Von: Michael Grobusch
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Die Sportvereine sollen zukün
Die Sportvereine sollen zukünftig für die Nutzung städtischer Hallen zahlen. Für die Jugendarbeit ist allerdings ein Bonus vorgesehen. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Die Angelegenheit ist nicht nur brisant, sie erfordert auch erhebliche Rechenfähigkeiten. Denn wenn in Stolberg das Wort „Sportstättennutzungsgebühr” ausgesprochen wird, schrillen bei vielen Vereinen und deren Mitgliedern die Alarmglocken.

Ganz unaufgeregt aber haben sich in den vergangenen Wochen Vertreter der Verwaltung und des Stadtsportverbandes mit dem Thema beschäftigt.

Dabei ging es ganz konkret um die Frage, wie die Klubs an den Kosten, die die blanke Stadt für ihre Sporthallen tragen muss, beteiligt werden können, ohne ihrerseits in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Ein erstes Zwischenergebnis liegt jetzt vor, und täuschen die Vorzeichen nicht, so hat das Modell durchaus das Zeug zur Praxistauglichkeit.

Der Kern der Sache ist schnell benannt: Zwei Euro pro genutzter Hallenstunde, so sieht es der Entwurf vor, sollen Vereine für die Nutzung einer Halle ab dem kommenden Jahr zahlen. Die Rechnung, die diesem Ergebnis zugrunde liegt, berücksichtigt sowohl den jeweiligen Anteil von Schulen und Vereinen an der Gesamtnutzung wie auch den Zeitraum der tatsächlichen Nutzung, der sich durch die gewohnten Schließungen während der Sommerferien auf 40 Wochen pro Jahr reduziert.

„26.100 Zeitstunden gehen auf das Konto der Schulen und damit zu Lasten der Stadt”, rechnet der Vorsitzende des Stadtsportverbandes, Bert Kloubert, vor. Bleiben 17.340 Vereinsstunden, die auf Basis der von der Verwaltung ermittelten Verbrauchskosten mit jeweils zwei Euro berechnet würden.

„Für einen Verein, der drei Mal pro Woche vier Hallenstunden nutzt, macht das 480 Stunden und somit 960 Euro pro Jahr”, nennt Kloubert ein Beispiel. Reduziert werden könnte dieses Summe durch einen Bonus, den die Stadt Vereinen für ihre Jugendarbeit gewährt. „Wenn man die Jugendarbeit als präventive Sozialarbeit ansieht, dann kann man für Übungsstunden mit Jugendlichen eigentlich keine Nutzungsgebühren verlangen”, betont der Verbandsvorsitzende.

In der Musterrechnung des Stadtsportverbandes schlägt sich diese Auffassung mit einer Reduzierung der Gebühren um ein Drittel nieder. Damit müssten vomVerein im genannten Beispiel jährlich noch 640 Euro überwiesen werden. „Bei 300 Mitgliedern macht das rund 2,13 Euro pro Jahr oder knapp 18 Cent im Monat”, so Kloubert. Und dann folgt die vielleicht entscheidende Aussage: „Mit einer solchen Belastung würden die Vereine sicherlich leben können.”

In seiner Einschätzung sieht sich der Sport-Lobbyist durch die bislang geführten Gespräche mit der Basis, sprich den einzelnen Vereinen, bestätigt. Bis Ende des Monats sollen alle Betroffenen an die Reihe kommen und Stellung beziehen können. Das bisherige Stimmungsbild zeichnet Bert Kloubert sehr positiv. „Es herrscht bei vielen Sportlern Verständnis dafür, dass sie einen Beitrag zur Entlastung des öffentlichen Haushaltes leisten sollen.” Das Einvernehmen hat mittlerweile ein solches Ausmaß angenommen, dass der Stadtsportverband darauf verzichtet, jedem Termin zwischen der Stadt und einem Klub beizuwohnen.

In einem Fall war die Präsenz allerdings ausgesprochen wichtig. Wäre man dem Grundsätzen für die „normalen” Hallen gefolgt, hätte der Stolberger Schwimmverein aufgrund seiner energieintensiven Trainings- und Wettkampfstätte am Glashütter Weiher zukünftig 37 Euro pro genutzter Stunde zahlen müssen. Stattdessen wurde Einigung darüber erzielt, dass auch die Schwimmer und Wasserballer mit lediglich zwei Euro zur Kasse gebeten werden.

Bleibt noch die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Gebührenerhebung. Die Antwort von Bert Kloubert fällt tendenziell negativ aus. „Wenn ich die zu erwartenden Einnahmen von rund 23.000 Euro dem Verwaltungsaufwand gegenüberstelle, weiß ich nicht, ob sich das Ganze rechnet.

Zweifel daran bestehen dem Vernehmen nach auch im Kreise des Verwaltungsvorstandes, der sich nach dem Ende der Ferien mit dem Thema auseinandersetzen will. Das letzte Wort wird die Politik haben. Doch für die gilt derzeit das, was auch auch auf die Sporthallen zutrifft: Sommerpause.

21 Hallen stehen den Sportlern zur Verfügung

Im Stolberger Stadtgebiet gibt es insgesamt 21 Hallen, die von Sportvereinen genutzt werden. Dabei handelt es sich um drei Mehrzweckhallen, drei Großsporthallen und 15 Turn- oder Gymnastikhallen.

Nicht betroffen von der geplanten Gebührenregelung sind die Nutzer von städtischen Sportplätzen. Für diese gelten noch bis 2015 laufende Verträge, die die Stadt allerdings Ende Mai frühzeitig gekündigt hat.

In beiden Fällen verfolgt die Verwaltung das Ziel, die Sportler an den Kosten für Heizung, Strom, Frisch- und Abwasser sowie Abfallentsorgung in der jeweiligen Einrichtung zu beteiligen und auf diesem Weg den maroden städtischen Haushalt zu entlasten.

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