Bei der Ausbildung ist Stolberg konstant

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
10520549.jpg
Einen Rückgang bei der Zahl der Ausbildungsplätze gibt es in Stolberg offenbar nicht. Foto: Stock/Rainer Unkel
10513959.jpg
„Bislang reagieren nur wenige Unternehmen auf den demografischen Wandel mit der Einstellung von mehr Azubis“, kritisiert Martin Peters (IG Metall). Foto: M. Grobusch

Stolberg. Wenn die Ausbildungssituation in Stolberg benotet werden müsste, dann würde sie wahrscheinlich irgendwo zwischen „gut“ und „befriedigend“ abschneiden. Diese Einschätzung zumindest legt eine – nicht repräsentative – Umfrage unserer Zeitung bei Unternehmen und Gewerkschaften der Kupferstadt nahe.

Zwar hat das Landesamt für Information und Technik erst vor wenigen Tagen vermeldet, dass die Zahl der jungen Menschen, die in Stolberg eine duale Ausbildung machen, im vergangenen Jahr auf 771 gesunken und damit gegenüber 2013 um 5,9 Prozent zurückgegangen ist. Unter Berücksichtigung aller Ausbildungsmöglichkeiten und angesichts des zunehmend spürbaren Geburtenrückgangs fallen die Beurteilungen insgesamt aber durchaus positiv aus.

Jens Petersen liefert hierfür ein Beispiel. „Ich bin auch im Berufsbildungsausschuss der IHK tätig. In dieser Funktion wie auch aus Sicht des Gewerkschafters kann ich nicht sagen, dass es bei den Ausbildungsplätzen eine rückläufige Entwicklung gibt“, erklärt der für Stolberg zuständige Sekretär der IGBCE. Leichte Abweichungen beispielsweise bei Saint-Gobain Glass oder West Pharma (mehr) und den Dalli-Werken (weniger) würden sich unterm Strich ausgleichen.

Einen spürbaren Anstieg hat Petersen hingegen bei der Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgemacht, die ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen. „Und das ist für die weitere Lebensplanung und die berufliche Entwicklung der Betroffenen natürlich gar nicht vorteilhaft.“ Der Gewerkschaftssekretär kündigt deshalb an, dass sich die IGBCE für eine noch bessere Berufsorientierung einsetzen will. „Sie muss noch früher beginnen und noch intensiver betrieben werden,“ zeigt sich Petersen überzeugt.

Das Bethlehem Gesundheitszentrum ist mit rund 850 Mitarbeitern nicht nur der größte Arbeitgeber in Stolberg, sondern auch der mit Abstand wichtigste Ausbilder. Die Gesamtzahl der Azubis liegt nach Aussage von Helmut Drummen durchschnittlich zwischen 100 und 110. Und auch zum Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. August beziehungsweise 1. September wird es rund um das Krankenhaus wieder viele neue Gesichter geben.

„Wir stellen pro Jahr 20 Auszubildende in der Gesundheits- und Krankenpflege und zehn im Bereich der Kinderkrankenpflege ein“, berichtet der Personalleiter. Hinzukommen noch zwei oder drei angehende medizinische Fachangestellte und ein junger kaufmännischer Kollege im Gesundheitswesen. Außerdem beginnen alle drei Jahre, und dies ist 2015 wieder der Fall, 25 Physiotherapieschüler ihre Ausbildung.

„Wir sind da sehr konstant“, betont Drummen. Zwar bilde das Bethlehem Gesundheitszentrum über den eigenen Bedarf aus. Aber auch für die „eigene Personalgewinnung“ seien die Azubis von großer Bedeutung. „In Zeiten eines zunehmenden Fachkräftemangels kann man sehr gut reagieren, wenn man selbst ausbildet, und hat keine Probleme, gute Leute zu finden.“

Diese Einschätzung kann Martin Peters nur unterstreichen. „Die wenigsten Unternehmen sind in Sachen Personal zukunftssicher aufgestellt“, erklärt der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Stolberg/Eschweiler. Die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren werde gut angenommen, gleiches gelte für den Altersteilzeitvertrag in der Metall- und Elektroindustrie. „Vor allem Menschen in belastenden Arbeitsbereichen nutzen die Möglichkeiten“, bilanziert Peters. „Und das bedeutet natürlich auch einen erheblichen Know-how-Verlust.“

Bis dato selten aber würden Firmen auf diese wenig überraschende Entwicklung richtig reagieren. „Es ist bislang die Ausnahme, dass Unternehmen auf diesen Effekt des demografischen Wandels mit der Einstellung von mehr Auszubildenden reagieren.“

Als positivstes Beispiel in diesem Sinne führt Martin Peters Aurubis Stolberg an. „Hier werden im Sommer zwölf neue Azubis eingestellt – mit anschließender fester Übernahme“, freut sich der Metaller. Nur fünf seien es nach derzeitigem Stand bei Prym. „Dort gab es früher zehn bis zwölf Einstellungen pro Jahr.“ Unterm Strich wird aber auch aus Sicht der IG Metall das Ausbildungsniveau in Stolberg immerhin gehalten.

Da passt es ins Bild, dass auch die Stadt Stolberg mit ihren insgesamt knapp 800 Beschäftigten (davon 300 im Rathaus) auf Kontinuität statt auf Abbau setzt. „Es hat vor zehn Jahren einen Ratsbeschluss gegeben, der bis heute Gültigkeit besitzt“, erklärt Pressesprecher Robert Walz.

Demnach werden jährlich zum 1. August bzw. zum 1. September zwei Stellen im Ausbildungsberuf „Verwaltungsfachangestellte(r)“ sowie eine weitere im gehobenen, nicht-technischen Verwaltungsdienst besetzt. Mit Blick auf 2015 ist der Zug allerdings längst abgefahren. Und gleiches gilt sogar schon für 2016. Walz: „Das Einstellungsverfahren ist voll im Gange. Die Bewerbungsfristen sind vorbei, die schriftlichen Personalausleseverfahren schließen sich im September an.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert