Bei den Grünen tun sich tiefe Gräben auf

Von: Kolja Linden
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Kann weiterarbeiten, aber unter erschwerten Bedingungen: Der Vorstand der Grünen mit den Sprechern Elmar Wilhelmy und Marita Stahl sowie Kassierer Mario Wissel und Beisitzerin Janina Wilhelmy (v.l.n.r.). Foto: J. Lange

Stolberg. Die Gräben, die bei den Stolberger Grünen zutage getreten sind, wurden auch bei der Mitgliederversammlung am Montagabend nicht zugeschüttet. Im Gegenteil, es rumort kräftig im Ortsverein, in dem sich zwei Fronten aufgetan haben.

Offensichtlich unversöhnlich stehen sich zwei Gruppen um die ehemaligen Vorstandsmitglieder Katharina Krings, Anne Schwan-Hardt und Rita Bürger auf der einen und den aktuellen Vorstand auf der anderen Seite gegenüber.

Die Uneinigkeit drückte sich in der wegen einer Satzungsänderung notwendig gewordenen Neuwahl des Vorstands aus, der in seiner jetzigen Besetzung erst Ende April gewählt worden war. Die Ergebnisse fielen äußerst knapp aus.

Im Kampfabstimmungen setzten sich die nicht anwesende Marita Stahl gegen Anne Schwan-Hardt und Janina Wilhelmy gegen Rita Bürger nur knapp durch. Elmar Wilhelmy - obwohl ohne Gegenkandidat - konnte nur sechs von 13 Stimmen auf sich vereinen und Kassierer Mario Wissel, ebenfalls ohne Gegenkandidat, musste vier Gegenstimmen hinnehmen.

Damit setzte sich exakt die Vorstandsmannschaft durch, die auch im April den bis dahin amtierenden Vorstand konsternierte und ablöste. Katharina Krings und Anne Schwan-Hardt waren damals völlig überrascht worden, als sie durch die anwesenden Mitglieder zunächst gelobt und dann abgewählt wurden. „Wir sind von geübten Intriganten abgestraft worden”, hatte Käthe Krings damals kommentiert.

Eine Aussage übrigens, die auch jetzt noch Geltung habe, sagte die 81-Jährige auf Anfrage. Denn auch die nach der Sitzung am Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragene Aussprache hat zunächst keine spürbare Annäherung gebracht.

Grobes Fehlverhalten wirft der dem Vorstand nahe stehende Josef Ingermann Fraktionsmitglied Käthe Krings und den sachkundigen Bürgerinnen Karin Hirtz und Anne-Schwan-Hardt vor, weil diese seit April den Fraktionssitzungen fernbleiben. „Wenn sich nichts Wesentliches tut, wird das vorerst auch so bleiben”, sagte Krings. Das Vertrauensverhältnis zu den anderen sei eben maßgeblich gestört: „Mit solchen Leute kann man nicht zusammenarbeiten.”

Wesentlich zur Unruhe beigetragen habe auch Marita Stahl, die wegen Erkrankung in Abwesenheit erneut zur Sprecherin gewählt wurde. Dass an Stahl festgehalten werde, könne Krings nicht verstehen, die ihrerseits ihre Ämter in der Fraktion und als stellvertretende Bürgermeisterin weiter wahrnehmen will.

Allerdings werden auch Krings selbst schwere Versäumnisse vorgeworfen. So seien sie und Anne Schwan-Hardt während ihrer Tätigkeit im Vorstand nicht mehr kommunikations- und konsensfähig gewesen, hätten sich von der Basis abgekapselt und eigene Entscheidungen gefällt. Ständig sei es außerdem zu Streitereien zwischen Krings und dem Fraktionsvorsitzenden Heinrich Willms - am Montag ebenfalls abwesend - gekommen.

Und der Sprecher des Ortsverbands? Mit der Aussprache am Dienstag sei schon mal ein guter Anfang gemacht worden, sagt Elmar Wilhelmy, der allerdings auch Probleme sieht, die nicht auf den Tisch gekommen seien. „Es ist nicht alles ausgeräumt, aber wir sind auf einem gutem Weg”, sagt der Sprecher, der hofft, dass nach der Sommerpause auch die Fraktionssitzungen wieder vollzählig stattfinden. „Es ist doch gut, wenn man darüber spricht.”

Doch auch Wilhelmy steht in der Kritik. So habe er im April als einziges Vorstandsmitglied bereits gewusst, was bevorsteht und bei der Vorstands-Blockwahl ebenfalls mit Nein gestimmt - also gegen sich selbst - um sich anschließend in den neuformierten Vorstand ohne Krings und Schwan-Hardt wählen zu lassen.

Inhaltliche, grüne Themen standen am Montagabend nicht auf der Tagesordnung - lediglich der umsichtige Versammlungsleiter, der stellvertretende Städteregionsrat Dr. Thomas Griese aus Aachen, sprach kurz über den gerade von der grünen Basis abgesegneten NRW-Koalitionsvertrag.

Debattiert wurden dagegen Formalitäten: Immerhin einstimmig änderten die Grünen ihre Satzung und schafften damit Klarheit für die Wahl des Vorstands, der nun aus mindestens drei Mitgliedern bestehen muss, aber auch vier haben kann und möglichst geschlechterparitätisch besetzt sein soll. Auch die anschließende Einzelwahl anstelle einer Blockwahl war Folge der Satzungsänderung. Darin folgte nach einigen textlichen Veränderungen der Vorstand, der einen eigenen Änderungsantrag zurückzog, dem Vorschlag der Opposition um Krings, Schwan-Hardt, Bürger, Karin Hirtz und Max Schwan.

Ohne Ergebnis blieb eine kurze Diskussion darüber, ob beitragssäumige Mitglieder mit abstimmen dürfen oder nicht. Auch wenn Max Schwan Zweifel äußerte, wurden alle 13 anwesenden Mitglieder zur Abstimmung zugelassen. Das Ergebnis ist nun eines, das die Stolberger ganz und gar nicht als Einheit dastehen lässt.

Die Ergebnisse der Wahlen

Sprecherin: Marita Stahl (7 Stimmen gegen 5 für Anne Schwan-Hardt, 1 Enthaltung).

Sprecher: Elmar Wilhelmy (6 Ja, 5 Nein, 2 Enthaltungen).

Kassierer: Mario Wissel (9 Ja, 4 Nein).

Beisitzerin: Janina Wilhelmy (7 Stimmen gegen 6 für Rita Bürger).

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