Begegnungen mit einer großen Künstlerin

Von: Jürgen Lange
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Sichten einen umfangreichen Nachlass mit 500 Werken: Christa und Karl-Heinz Oedekoven sowie Dieter Kaesmacher (Mitte). Foto: J. Lange

Stolberg. Angekommen in der Kupferstadt ist er, der künstlerische Nachlass von Janet Brooks Gerloff. „Begegnung“ wird sie heißen, die erste umfassende Ausstellung mit ausgewählten Werken der 2008 viel zu früh verstorbenen Künstlerin, die Ende Mai im Museum Zinkhütter Hof zu sehen sein wird.

Bis dahin werden Christa und Karl-Heinz Oedekoven jede Menge Arbeit haben, das umfangreiche Werk der deutsch-amerikanischen Künstlerin zu sichten und zu sortieren. Erste Einblicke in das Wirken der Kunstpädagodin werden die beiden Freizeit-Galeristen aber bereits bei der Art Tour de Stolberg am Sonntag, 5. Mai, in ihrer „Steinweg-Galerie“ im Burg-Center an der Zweifaller Straße von 11 bis 18 Uhr gewähren können.

Janet Brooks Gerloff zählte zu den fleißigen Künstlerinnen, ohne es dabei an Qualität fehlen zu lassen. Gemälde, Skizzen, Kataloge – rund 500 Werke stapeln sich noch in zahlreichen Kartons verpackt auf einer großflächigen Etage des Möbelhauses Kaesmacher am Steinweg und warten darauf, von Christa und Karl-Heinz Oedekoven anhand der Inventarlisten gesichtet und geordnet zu werden, damit das Lebenswerk der renommierten Künstlerin weiterhin ausgestellt werden kann.

„Wir freuen uns, dass Dieter Kaesmacher die Möglichkeit eröffnet, den Nachlass von hier aus wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können“, sagt Christa Oedekoven. Bis dato waren die Werke in Köln unter Verschluss eingelagert.

Dank welcher Fügung dieser kulturelle Schatz der 1947 im amerikanischen Kansas Geborenen ausgerechnet in die Kupferstadt kam? Dank der Begegnungen und Momentaufnahmen, die das Leben schreibt. 1972 siedelte die damals 25-Jährige aus den USA nach Deutschland über, studierte in Bonn, traf und heiratete Dr. Joachim Gerloff, machte sich mit Ausstellungen schnell einen Namen und fand einen guten Zugang zu Politikern.

Helmut Schmidt saß für sie ebenso Modell wie Rainer Barzel, Manfred Wörner, Heinz Kühn, Otto Graf Lambsdorff oder auch August Everding, Kurt Masur, Marcel Marceau, Hugo Cadenbach und Konrad Beikircher. Von Janet Brooks Gerloff gemalt zu werden, galt als Visitenkarte par excellence. Ihre Portraits waren eine Auseinandersetzung, eine Begegnung mit dem Gegenüber.

Auch in der Region hinterlässt die Künstlerin ihre Spuren. Die Abteikirche in Kornelimünster, dort wo sie wohnte, ist von den geistlichen Bildern Janet Brooks Gerloffs stark geprägt. Zur Heiligtumsfahrt 1986 schuf die Künstlerin drei Altarbilder zu den Kartagen, die die Reliquientradition der Abtei und des Ortes Kornelimünster aufgreifen. Zwei Jahre später schuf sie vier weitere Altarbilder zum Weg des Propheten Elija durch die Wüste. Die Bilder führen immer wieder Einzelne und Gruppen zu intensiver geistlicher Begegnung in die Abteikirche. Nicht nur dort, sondern beispielsweise auch in der evangelischen Kirche des Ortes oder in St. Laurentius Laurensberg.

Mitte der 80er Jahre lernte Karl-Heinz Oedekoven, ebenso wie Dr. Gerloff ein „Grünenthaler“, Janet Brooks Gerloff kennen. Oedekoven organisierte, gefördert durch den seinerzeitigen Firmen-Geschäftsführer Dr. Götz Dyckerhoff, die „kleinen Kunstausstellungen“ im Kupferhof an der Steinfeldstraße und engagierte sich im Rheinischen Kunstverein. 1990 wurde Janet Brooks Gerloff mit dem Rheinischen Kunstpreis ausgezeichnet – auf der Stolberger Burg! 2002 folgte die Aufnahme in die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste.

„Aus unserer langen Freundschaft heraus haben uns die beiden Kinder Hendrik und Anneke gebeten, den künstlerischen Nachlass ihrer Mutter zu betreuen“, freut sich Christa Oedekoven, dem großen Kreis der Freunde und Verehrer des Schaffens von Janet Brooks Gerloff auch über ihren Tod hinaus eine Begegnung mit ihren Werken ermöglichen zu können.

Mit ihren Arbeiten, Momentaufnahmen des Lebens, präsentiert in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen, hat die Künstlerin viel Beachtung und große Wertschätzung erfahren. Kurz vor ihrem Tode 2008 zeigte sie noch ihre Bilder bei einer Ausstellung zum Thema „Gestalten und Geschichte“ im Kölner Käthe-Kollwitz-Museum. Nur drei Jahre zuvor war Janet Brooks Gerloff mit ihren Werk unter dem Titel „ohne anzuklopfen“ im Herbst 2005 im Museum Zinkhütter Hof noch einmal präsent gewesen in der Kupferstadt.

Dort wird am Sonntag, 26. Mai, wieder eine „Begegnung mit Janet Brooks Gerloff“ bei einer ersten großen Ausstellung möglich sein, deren Vernissage um 11 Uhr musikalisch durch das ostbelgische „Carmina Viva Ensemble“ gestaltet wird. Ein „stilles Vorspiel“ auf diese erste Gedächtnis-Ausstellung bietet die „Steinweg-Galerie“ im Burg-Center an der Zweifaller Straße im Rahmen der „4. Kunstausfahrt“ am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Doch dies soll nur ein Auftakt sein zu weiteren Begegnungen mit dem Schaffen von Janet Brooks Gerloff. Bereits geplant ist weiterhin eine Ausstellung Anfang 2014 im Kongresszentrum Rolduc in Kerkrade, in Krefeld sowie im Rahmen der Städtischen Kunstsammlung Eschweiler.

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