Beethoven-Abend: Eine Symbiose aus Musik und Literatur

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
11796895.jpg
Literat Lutz Görner und Pianistin Nadia Singer glänzten im Rittersaal der Burg mit einem fesselnden Beethoven-Abend. Foto: D. Müller

Stolberg. Der Mensch Ludwig van Beethoven mit seinem Werk und seinem Leben stand jetzt im Rittersaal der Burg im Mittelpunkt. Der Poet Lutz Görner und die Pianistin Nadia Singer sorgten dort für einen Abend, der gleichermaßen klangvoll, unterhaltsam und niveauvoll war.

Der aus dem Fernsehen bekannte Literat Görner punktete im gut besuchten Rittersaal zunächst beim Publikum, indem er einräumte, viel lieber in der Stolberger Burg zu gastieren als in Aachen. In der Folge spielte er geschickt seine literarischen Qualitäten aus, während Nadia Singer mit virtuoser Inbrunst am Flügel glänzte.

Kraft der Worte wirkt

Die Gäste genossen die ansprechende Symbiose aus Literatur und Musik. Lutz Görner rezitierte Beethovens Zeitgenossen und erzählte spannend und informativ – humorvoll wie ernst. Mitunter schlüpfte er in Rollen wie etwa die des elfjährigen Franz Liszt, der als glühender Fan an Beethoven schreibt. Später finanzierte Liszt das Beethoven-Denkmal in Bonn erheblich mit. Doch Mimik, Gestik und Rollenspiel setzte Görner bewusst spärlich ein, ließ stattdessen als brillanter Literat vornehmlich die Kraft der Worte wirken und zog damit das Publikum unwiderstehlich in seinen Bann.

Ebenso wie Singer, die Beethovens Musik sowohl mit technischer Präzision als auch mit tiefer Leidenschaft gefühlvoll in Szene setzte. Etwa als die Pianistin wechselweise mit Görner agierte und Teile einer Beethoven-Sonate in den Bericht Görners einstreute, der plastisch und fesselnd den Gästen die Beerdigung des Komponisten vor Augen führte. Der Leichnam wurde von 200 Kutschen eskortiert, rund 20.000 Trauergäste sollen zugegen gewesen sein. „Und das obwohl der ältere Beethoven nicht jedermanns Liebling war, sondern eher ein unangenehmer Mensch. Er war jähzornig, verlottert, ja verdreckt“, beschrieb Görner.

Der Literat beleuchtete auch Beethovens Herkunft: Der Großvater stammte aus dem flämischen Brabant, wurde als Basssänger an den kurfürstlichen Hof nach Bonn berufen und heiratete eine alkoholkranke Deutsche. „Beethovens Vater Johann war Tenorsänger und hat den Alkoholismus von seiner Mutter geerbt“, führte Görner aus und schloss die Bonner Zeit des Genies mit einem Zitat vom Fürsten Wallenstein ab: „. . . empfangen Sie Mozarts Genius aus Haydns Händen“, schrieb der Fürst an Beethoven und nannte damit unwissentlich die drei Wiener Klassiker in einem Satz.

Die musikalische Entwicklung Beethovens demonstrierte Nadia Singer sehr eindrucksvoll, als sie zunächst das Rondo in C-Dur spielte – es war Beethovens erste Komposition, die er bereits als Elfjähriger schuf. Imposant ließ die Pianistin den 3. Satz der Waldstein-Sonate folgen; ebenfalls ein Rondo in C-Dur, das Beethoven allerdings 20 Jahre später komponiert hat.

Görner widmete sich intensiv der Wiener Zeit des begnadeten Musikers und zitierte unter anderem auch aus Beethovens Brief an die „Unsterbliche Geliebte“. Ein Brief, der niemals abgeschickt wurde. Und eine Geliebte, deren Identität bis heute derart umstritten ist, dass sie als unbekannt gelten muss.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert