Beeindruckende Ausstellung im Zweifaller Karmelitinnen-Kloster

Von: Jürgen Lange
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Hat schon einen guten Blick für Ausstellungen entwickelt und packt tatkräftig mit an: Schwester Katharina hilft Ludwig Henkelmann bei den Vorbereitungen für die „Ausgangspunkt”-Präsentation, die am Sonntag im Zweifaller Karmel eröffnet Foto: J. Lange

Stolberg-Zweifall. „Ich habe eine Canon, so eine digitale”, sagt Ludwig Henkelmann. „Wenn ich was sehe, dann knips ich es einfach.” Mit welchen technischen Raffinessen das Bild entstanden ist, welche Blende und Belichtungszeit, welcher ISO-Wert und Fokus-Einstellung dabei die Kamera hatte, daran fehlt dem Mausbacher das Interesse.

Solche Daten sind auch unwesentlich, denn es ist das Ergebnis, das zählt. Und die Ergebnisse seines „Knipsens” können sich nicht nur sehen lassen, sie können auch besichtigt werden: ab Sonntag im Zweifaller Karmelitinnen-Kloster Maria Regina.

Das hat durchaus Symbolkraft; erst recht in der Fastenzeit. Denn Ludwig Henkelmanns Fotografien dokumentieren in erster Linie die Vergänglichkeit allen menschlichen Handelns. Und werden damit zu einem Ausgangspunkt, um auf die Meditationen und Gebete einzugehen, die er einzelnen Bildern oder Bildsequenzen zugeordnet hat.

So wird diese Ausstellung wie keine Zweite geradezu zu einem Ausgangspunkt zur Begegnung mit Gott - die im Ambiente des Schwesternchors des Karmels einen einzigartigen Rahmen findet, um sich auf Gott einzulassen.

Dabei ist dem so bescheidenen Fotografen ohne Faible für Technik so etwas wie die Gabe einer „Motivklingel” gegeben. Es ist der sichere Blick für Szenen oder Stillleben, die aus dem Zerfall, aus dem Weggeworfensein, aus dem Abseits eine Schönheit kreieren, die das Besondere hervorhebt und zur Nachdenklichkeit anregt.

Dabei gestaltet Ludwig Henkelmann seine Motive ausschließlich mit dem Blick durchs Objektiv, fügt nichts hinzu oder fort. „Nur einmal habe ich einen leeren Kinderwagen einen Meter weiter zur Treppe gestellt”, entschuldigt er sich schon fast. Entschuldigung angenommen. Denn mit dem Bild - übrigens noch aus analogen Fotozeiten - weckt er Erinnerungen an den alten sowjetischen Propagandafilm „Panzerkreuzer Potemkin”, in dem ein Kinderwagen Treppen herunterrollt.

Das Motiv sah Ludwig Henkelmann in Ostbelgien - so wie viele Fotografien in alten Industriestädten der Region entstanden sind. Bilder aus Verviers beweisen, wie schnell der 48-Jährige den Blick für sein Motiv hat und es in die Tat umsetzt - ohne mit Serienaufnahmen auf Nummer sicher zu gehen. Beim Montagsmarkt wimmelt es auf dem Platz vor Menschen und Autos geradezu. Doch Henkelmann erwischt genau den Moment, in dem kein Mensch und kein Fahrzeug auf der Straßenkreuzung zu finden sind. Das Bild einer einsamen, tristen Stadt.

Abblätternde Schichten zahlreicher Plakate entdeckte der Mausbacher an einer Berliner Straßenecke; und er kombiniert sie in der Präsentation mit seinem Text „Buch des Lebens”: „Wie zwiespältig das dich ist mein Gott das Buch des Lebens... Du sagst trotzdem.”

Eine einsame Straßenecke und die Anonymität einer Mietskaserne sind die optische Anregung für den Text „Inkognito”, der hinter allen Fragen zu den Umständen des Lebens zu dem Schluss kommt: „Es gibt Dich mein Gott.”

Die „Schatten der Zeit” zeigt Ludwig Henkelmann mit Fotografien von Schattenwürfen im zerfallenen Camp Astrid und einem alten Fenster. Die „Öffnungszeiten” der geschlossenen Autowerkstatt führt zur Erkenntnis, dass „wir uns doch Ruhe antun” - für uns und für Gott.

Wenn man Dinge fotografiert, die auf den ersten Blick wenig ästhetisch sind oder kaum wahrgenommen werden, wie beispielsweise die achtlos aufgestellten Spraydosen über die das Gras zu wachsen scheint, dann „wird man selber aufmerksamer und geht weniger achtlos an Dingen vorbei”, sagt Ludwig Henkelmann. Dann macht das auf Dauer nachdenklich, und der Fotograf stellt sich die Frage, ob es nicht ratsam wäre, im Umgang mit Menschen, mit Zeit, Umständen und Befindlichkeiten mehr Achtsamkeit walten zu lassen. Und auch mehr Achtung vor der Schöpfung Gottes.

Wer den Blick für solche Details entwickelt, sich mit ihnen auseinandersetzt, der kann auch seinen Weg zu Gott finden. Gleichsam wie auf dem „Rettungsweg”, den Ludwig Henkelmann beispielsweise mit einer modernen Feuerleiter am historischen Gebäude kontrastreich zeigt, um gleichsam anzumerken: „Du hast den Rettungsweg beschritten, von oben nach unten, für uns.”

Damit wird die Ausstellung seiner Werke gleichsam zu einem Ausgangspunkt, die zum Nachdenken und zur Begegnung mit Gott anregt.

Die Vernissage und die Öffnungszeiten

Eröffnet wird die Ausstellung „Ausgangspunkt” mit Texten und Fotografien von Ludwig Henkelmann am Sonntag, 26. Februar, um 16 Uhr im Schwesternchor der Kapelle des Zweifaller Karmelitinnen-Klosters an der Klosterstraße. Über Spenden zum Unterhalt des Klosters würden sich die Schwestern freuen.

Zu sehen ist die Präsentation täglich von 9 bis 17 Uhr bis zum 15. April. Für weitere Absprachen und Auskünfte ist das Kloster zu erreichen unter Telefon 02402 - 721 35.

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