„Beckett und Mücke”: Anspruchsvolle Literatur von Franz-Josef Ingermann

Von: Dirk Müller
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Franz-Josef Ingermann ist mit
Franz-Josef Ingermann ist mit seinem ersten Roman psychologisch anspruchsvolle Literatur gelungen, die zudem ein Zeitzeugnis der jüngeren deutschen Geschichte darstellt. Foto: D. Müller

Stolberg. Am Tresen der Kneipe „Charlys Leierkasten” in Berlin-Kreuzberg sieht sich der Journalist Wilhelm Becker, genannt „Beckett”, einer jungen Frau gegenüber, die ihm bekannt vorkommt. Tatsächlich ist sie eine Person aus Becketts Vergangenheit in dem „Dorf am Rande eines Moores” Mützenich.

Diese Begegnung führt ihn zurück in die 80er Jahre bis zur Zeit der Wiedervereinigung, und lässt Beckett seine Erlebnisse in der deutschen Alternativszene Revue passieren.

Mit seiner vermeintlichen großen Liebe Hildegard, genannt „Mücke”, und dem befreundeten Paar Jorge und Karen verlässt Beckett die Großstadt, um Gemeinschaft alternativ zu leben. Doch ein besseres Leben gelingt Beckett und Mücke in der Eifel nicht.

Trotz des Daseins in der Gruppe stellt sich Einsamkeit ein, Misserfolge sind an der Tagesordnung, der Versuch eines solidarischen Miteinanders scheitert am Ende tragisch. Von den hehren Zielen, wie den Menschen in Entwicklungsländern Gutes zu tun, bleiben nur Trümmer in Gestalt von dramatischen menschlichen Schicksalen.

Mit seinem ersten Roman „Beckett und Mücke” liefert Franz-Josef Ingermann politisch und psychologisch anspruchsvolle Literatur, die bei aller Tragik innerhalb der Handlung durch zahlreiche satirische Anklänge zu unterhalten weiß.

Der Stolberger Autor betont, dass „Beckett und Mücke” ein fiktiver Roman sei - weitgehend. So seien die Schauplätze frei gewählt, wenn auch nicht ganz zufällig: „Berlin eignet sich hervorragend, um auch den realen gesellschaftspolitischen Kontext der Zeit in das Buch mit einfließen zu lassen. Die Großstadt bildet zudem einen starken Kontrast zu Mützenich”, beschreibt Ingermann.

Gegenseitige Wertschätzung

Die Eifellandschaft samt Moor wiederum passe sehr gut zu der dramatischen Entwicklung des alternativen Projekts der Protagonisten. „Ironischerweise lebt die kleine Dorfgemeinschaft der Kommune das vor, was sie will und woran sie scheitert: Die bodenständigen Bewohner gehen warmherzig und mit gegenseitiger Wertschätzung miteinander um.”

Ist die Geschichte von „Beckett und Mücke” auch erdacht, so profitiert sie doch von Ingermanns eigenen Erfahrungen - literarischen wie persönlichen. Der Stolberger schrieb bereits Lyrik und Kurzgeschichten, konzipierte Kinderbücher mit, und war Mitherausgeber der alternativen Literaturzeitschrift „Fenster”, die in einem Alternativverlag erschien.

„In den 80er Jahren gab es alternative Handwerks- und Landwirtschaftsbetriebe, alternative Ansätze waren im Bereich Religion und Esoterik vorhanden, freie Sexualität wurde thematisiert. Das alternative Spektrum war wirklich groß”, sagt Ingermann, der übrigens auch selbst einige Jahre in einer Kommune lebte.

Auch den Spitznamen „Beckett” für seinen Protagonisten wählte der studierte Anglist und Soziologe Ingermann gezielt: Grundzüge von Samuel Becketts absurdem Theater finden sich vor allem in den kurzen, prägnanten Dialogen des Romans, denen wie auf der Beckettschen Bühne kein Sprecherfolg beschieden ist. „Man redet nicht miteinander, sondern aneinander vorbei.

Die Kommunikation führt zu keinem besseren Verständnis, und das sprachliche Versagen überträgt sich auf das gesamte Leben. Hinzu kommen unterschiedliche persönliche Hintergründe und verschiedene Charaktere, so dass der Versuch der alternativen Gemeinschaft am Einzelnen scheitert und umgekehrt”, führt Ingermann aus.

„Beckett und Mücke” von F. Josef Ingermann ist im Wagner-Verlag erschienen (Taschenbuch, 545 Seiten, ISBN: 978-3-86279-300-6).
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