Stolberg - Beachtenswerte Interpretationen Josef Acs am Piano gefeiert

Beachtenswerte Interpretationen Josef Acs am Piano gefeiert

Von: mlo
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Pianist Jószef Acs riss die Zuhörer im Rittersaal der Burg mit seinem leidenschaftlichen Spiel am Flügel mit. Seine Interpretationen von Chopin und Liszt erhielten reichlich Beifall. Foto: M. L. Otten

Stolberg. Ein beachtenswertes Konzert im Rittersaal der Burg bot jetzt Pianist Jószef Acs. Die Zuhörer seiner Kunst waren begeistert. Dabei interpretierte er Musik von Chopin und Liszt und erntete viel Beifall.

Frédéric Chopin (1810-1849) komponierte fast ausschließlich Klaviermusik oder Werke mit Klavier. Geboren und aufgewachsen in Polen, übersiedelte er mit 21 Jahren nach Paris und war dort als Klaviervirtuose, Komponist und Lehrer ein Mittelpunkt des gesellschaftlich-kulturellen Lebens. In Paris lernte er in den damals heiß begehrten französischen Salons Franz Liszt kennen und schätzen.

Die beiden wurden Freunde und gaben bald gemeinsam Konzerte, so Moderator Siegfried Tschinkel, der kurz und werknah, kompetent und sprachlich locker Wissenswertes über die beiden Romantiker, ihr zeitliches Umfeld und ihre Wirkkraft zu erzählen wusste. Der eigentliche Star im Rittersaal der Stolberger Burg war aber Interpret Jószef Acs, der kurz zuvor noch in Budapest konzertierte und jetzt in Stolberg im Rahmen des Musiksommers mit dem Klavierkonzert „Chopin trifft auf Liszt“ zur Hochform auflief.

Lag die Welt in Paris Chopin und Liszt zu Füßen, so war es im Rittersaal das Stolberger Publikum, das den Virtuosen Jószef Acs feierte. Sein leidenschaftliches und einfühlsames Spiel regten Geist und Gemüt gleichermaßen an. Während sich im ersten Teil in den sechs ausgewählten Werken die Zartheit des polnisch-französischen Chopins, der Angst vor dem großen Publikum hatte, widerspiegelte, kam im zweiten Teil die Wucht Liszts zum Tragen. Der Sonntagnachmittag gehörte den Giganten des Klaviers.

Ob „Etude Tristesse“, dessen Popularität bis zur Popmusik reichte, wo es unter dem Titel „In mir klingt ein Lied“ vielfach interpretiert wurde, oder die „Revolutions-Etude“, in der Chopin die traurigen Ereignisse seiner polnischen Heimat verarbeitet hatte, ob das verträumte „Nocturne Nr. 1 F-Dur op. 15“ oder die „Fantaisie - Impromptu cis-Moll“, ein „Gemisch aus dem Gesang der Nachtigall und dem Duft der Rosen“ sowie das bekannte „Regentropfen-Prélude, das an die lange Regenzeit auf Mallorca erinnerte, der begnadete Jószef Acs ließ keine Wünsche offen und ging emotional aufs Ganze.

Mit den Balladen hatte Chopin etwas ganz Neues geschaffen. Sie waren die heimlichen Hymnen der 7000 polnischen Immigranten, die in Paris lebten und von Heimweh geplagt waren. Die Geschichten ohne Worte wurden zum Symbol herzbewegender Sehnsucht. Speziell die erste „Ballade, Nr. 1 g-Moll op.23“ von 1835 gehörte für Robert Schumann zu den schönsten Kompositionen, weil sie an Genialität nicht zu überbieten war.

Und auch im Film „Der Pianist“ rettete diese gefühlvolle Melodie dem polnischen Musiker und Komponisten Wladyslaw Szpilman das Leben. Nach der Pause bestimmten Werke von Franz Liszt (1811-1886) das Programm. Im Todesjahr von Chopin komponierte Liszt „Consolation Nr.3 Des-Dur“ und offenbarte hier einen intimen Charakter, der in den größeren Werken des Komponisten sonst nicht zu spüren ist.

Als Popstar des 19. Jahrhunderts, der acht Jahre lang auf Konzertreise war, sich überall wohlgefühlt und ein Leben in Saus und Braus gelebt hat, war Liszt einer der produktivsten Komponisten seiner Zeit. 50 Prozent waren Transkriptionen von Opern. Liszt wollte der Paganini auf dem Klavier sein und der erste, der einen Klavierabend alleine gestaltet.

„Er hat sich selbst inszeniert“, so Siegfried Tschinkel. Daniel Barenboim, argentisch-israelisch-spanisch-palästinensischer Pianist und Dirigent soll gesagt haben, dass man bei Liszt zwanzig Finger brauche, um all das zu spielen, was er aufgeschrieben hat. Der Tastenzauberer Acs erwies sich auch als Kenner und Könner der recht schwierigen Liszt-Interpretationen und spielte sich regelrecht in den Rausch. Nach der Rigoletto-Paraphrase folgte eine Hommage an Ungarn mit der „Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 cis-Moll. Am Ende feierten die Konzertbesucher Jószef Acs als Klavierheld mit Ovationen und Bravorufen.

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