Bauvorhaben an der Neustraße: Anlieger gehen auf die Barrikaden

Von: Jürgen Lange
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Zwischen dem Kindergarten am Rektor-Kranzhoff-Platz (rotes Gebäude rechts) und der bestehenden Bebauung an der Neustraße würde sich der geplante Wohnblock wie ein für den Ort atypischen Riegel einfügen: Anwohner sehen durch das Projekt ihre Wohnqualität beeinträchtigt. Foto: Lange
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So soll der geplante Wohnblock aussehen. Foto: Skizze: Woba
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Gert Hermanns (l.) und Dr. Günter Heil messen es genau nach: In der einzigen Zufahrt reicht der Platz für die Feuerwehr nicht aus. Foto: J. Lange

Stolberg-Breinig. „Eine Bebauung in dem Innenbereich ist sicherlich in Ordnung und gut für Breinig, aber ganz gewiss nicht mit diesen Ausmaßen“: Dr. Günter Heil, Gert Hermanns und Joachim Hasse sind nur einige der Anlieger aus dem Umfeld der Neustraße in Breinig, die gegen ein Bauvorhaben der Woba Wohnungsbau GmbH Sturm laufen.

Auf einem rund 2900 Quadratmeter großen Gelände, wo eine Gärtnerei ansässig war und von wo eine Gartenbaufirma ins Gewerbegebiet Camp Astrid umsiedeln möchte. Angestrebt ist ein Generationen übergreifendes Wohnprojekt mit voraussichtlich 24 Einheiten und rund 2100 Quadratmeter Gesamtwohnfläche nebst Tiefgarage. Mit drei Geschossen zuzüglich eines nicht voll ausgebauten Staffelgeschosses würde sich das Gebäude in drei Teilabschnitten mit 24 Wohneinheiten mit einer Höhe von 11,60 Meter wie ein Riegel zwischen die bestehende Bebauung schieben. „Mit weiteren Aufbauten für Fahrstühle, Wärmetauscher und Solaranlagen wird das dann sicherlich 13 Meter hoch“, sagt Hasse.

Ratsmitglied als Investor

„Wir befürchten eine nachhaltige Zerstörung des Ortsbildes“, erklärt Dr. Heil, dass das Projekt „völlig atypisch für Breinig“ sei. „In dieser Form stellt es schon eine Zumutung dar“, stimmt Gert Hermanns zu. Einen „erheblichen Wertverlust ihrer Immobilien“ befürchtet denn auch die Nachbarschaft, die ihre Häuser auch als Altersversorgung versteht. „Wenn das gebaut wird, erzielen wir bei einem Verkauf keinen ausreichenden Erlös mehr“, um einen späteren eventuellen Platz in einem Altenheim finanzieren zu können.

Doch selbst bist dahin empfinden aufgrund von Dimensionen, Höhe, Beschattung und Lärm die Anlieger der unmittelbar angrenzenden Grundstücke „einen Verlust von Lebensqualität“, unterstreicht Hermanns. Darüber hinaus verweisen sie auf technische- und Alltagsprobleme. „Wo sollen denn die 24 Mülltonnen, Papiercontainer und gelbe Säcke der neuen Bewohner bereitgestellt werden?“, fragen sich die Nachbarn. Vermutlich wohl auf der Neustraße, wo aber bereits heute der Parkdruck so groß sei, dass für zusätzliche Fahrzeuge von Bewohnern und Besuchern kein Platz sei. Denn der Bauträger plane pro Wohnung nur einen Stellplatz ein.

Den entscheidenden Angriffspunkt haben die Breiniger aber in der Musterbauordnung gefunden. Weil es für das Neubaugebiet nur eine einzige Zufahrt zwischen bestehenden Gebäuden gebe, fordere der Gesetzgeber eine Mindestbreite von 3,50 Meter als Rettungsweg ein. „Zwischen meinem und den Nachbarhaus beträgt die engste Stelle aber nur 2,95 Meter“, rechnet Hermanns vor und bietet dem Investor die Stirn. Wo bislang nur Flatterband die Grundstücksgrenze weich markiert, will der Kaufmann mit einem Zaun knallharte Fakten schaffen, um der Forderung nach einer veränderte Bebauung Nachdruck zu verleihen.

Ohnehin kommt ihnen das ganze Verfahren zwielichtig vor. Im heute noch gültigen Bebauungsplan Nr. 5K ist der betreffende Bereich als Mischgebiet festgesetzt; zugelassen ist lediglich eine Straßenrandbebauung in offener Bauweise bis zu einer Tiefe von 15 Meter maximal zweigeschossig, bis zu einer Tiefe von 40 Meter maximal eingeschossig. Bereits im Mai 2013 sollte der Stadtrat eine Planungsvereinbarung zur Änderung des Bebauungsplans mit einem anderen Breiniger Planungsbüro abschließen, mit der Bau von zwei Häuser mit je fünf Wohneinheiten realisiert werden sollte. Die Vorlage dazu zog die Verwaltung damals zurück.

Im vergangenen Dezember erfolgte ein erneuter Vorstoß mit einem anderen Investor, eben dieses Projekt der Woba. „Angesichts der hohen Nachfrage nach zeitgemäßem Wohnraum .... wird die Aktivierung dieser tiefen Parzellen im Blockinnenbereich als naheliegend und städtebaulich sinnvoll angesehen“, erklärte dazu der Technische Beigeordnete Tobias Röhm. Den Startschuss und die Verträge zu dem Vorhaben bezogenen Bebauungsplan passierten Ausschüsse und Rat einstimmig.

„Kein Wunder, dass bis jetzt alles durchgewunken worden ist“, wertet Joachim Hasse, „schließlich ist Artur Kaldenbach von der Woba Mitglied des Stadtrates“. Und auch die Bürgerbeteiligung zu dem Vorhaben habe ohne öffentliche Bekanntmachung stattgefunden; eingeladen wurde per Hauswurfsendung in Breinig.

Mittlerweile machen die Gegner des Projektes per Unterschriftenliste Front und schließen auch ein juristisches Vorgehen nicht mehr aus. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung“, betonen Hasse, Heil und Hermanns nochmals, „wohl aber gegen ein Vorhaben dieser Dimension“. Ein Kompromiss für sie könnte der vor zwei Jahren vorgelegte Plan sein.

„Es ist nicht alles durchgewunken, sondern wir sind im Verfahren, in dem alle Argumente abgewogen werden müssen“, erklärt Tim Grüttemeier auf Anfrage. Ein Knackpunkt sei derzeit in der Tat die Feuerwehr-Zufahrt, die laut der anzuwendenden Landesbauordnung 3,00 Meter messen müsse. „Dies ist aktuell nicht gegeben“, konstatiert der Bürgermeister.

Im Rahmen des weiteren Verfahrens werden die Eingaben der Bürger ebenso wie der Träger öffentlicher Belange abgewogen und noch vor der Sommerpause den Gremien des Stadtrates zur Entscheidung über die Offenlage und offizielle Bürgerbeteiligung vorgelegt, bei der Einwände erhoben werden könnten. Die frühzeitige Vorstellung der Planung habe informellen Charakter gehabt, um die Bürger informieren und Anregungen sammeln zu können.

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