Baustelle Gesamtschule: Stadt bezahlt nicht, bestellt aber einen Zaun

Von: -jül-
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Sicherheitsvorschriften an der Gesamtschule Sperberweg wochenlang missachtet: Hier soll nun der Bauzaun hin, der beim Bauunternehmen Gebr. Kutsch bestellt wurde. Klaus-F. Kratz machte bereits am 6. Mai aufmerksam, dass die Baustelle jedermann zugänglich ist und damit gegen Bauvorschriften verstoßen werde.

Stolberg. Das Schulzentrum auf der Liester ist ein offener Campus. Zäune sind an Realschule, Gymnasium und Gesamtschule eher selten anzutreffen. Dabei müssten sie das Gebäude der neuen Stolberger Schulform am Sperberweg sicher abgrenzen. Denn die Gesamtschule ist zwar in Betrieb, ihr Gebäude aber eine einzige Baustelle. Seit Wochen sind die Fassaden eingerüstet, damit eine Wärmedämmung aufgebracht werden kann.

Doch entgegen aller Vorschriften, deren Einhaltung Behörden bei anderen, privaten Baustellen nur allzu gerne monieren, beachtet die Stadt Stolberg einmal mehr nicht die Sicherheitsvorschriften. Die Baustelle Gesamtschule Sperberweg ist für die Allgemeinheit offen zugänglich. An Arbeitsmaterial, Material und Gerätschaften kann sich jedermann bedienen. Und was noch schlimmer wiegt: Die Schüler – es gibt erst die Klassen 5 und 6 – könnten die Baustelle als Spielplatz nutzen.

Auf die Bestellung eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinators (SiGeKo) hat nach Informationen unserer Zeitung die Stadt verzichtet, obwohl Beschäftigte mehrerer Gewerke auf der Baustelle tätig sind.

Auf den Verstoß gegen die Vorschriften machte einmal mehr Klaus-F. Kratz, auf dem Felde der Sicherheit von Baustellen ein Kenner der Materie, die Stadtverwaltung an zuständiger Stelle bereits am 6. Mai eindringlich aufmerksam. Als nach einer Woche sich die mangelnde Sicherheitslage nicht verändert hatte, folgte eine erneute Information an den Bürgermeister und den Fachbereichsleiter mit dem dezenten Hinweis: „Dies stellt eine grobe Fahrlässigkeit dar und wird im Falle eines Unfalls von der Staatsanwaltschaft unter dem Blickwinkel der groben Fahrlässigkeit beurteilt“, schrieb Kratz per Email und empfahl „dringend den Bereich rund um die Schule ausreichend mittels Bauzaun abzusichern“. Plötzlich musste alles sehr schnell gehen.

Am Dienstag versuchte die Verwaltung das Stolberger Bauunternehmen Gebrüder Kutsch zu beauftragen, so schnell wie möglich zusätzlich 100 Meter Bauzaun entlang der Gesamtschule aufzustellen. Ob dieser Aufforderung platzte Geschäftsführer Helmut Kutsch erst einmal der Kragen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte. Denn sein Unmut über das Verhalten der Stadt hatte sich bereits über die Wochen zuvor aufgestaut.

Der Bau- und Vergabeausschuss hatte auf Basis einer Ausschreibung am 23. Januar das Bauunternehmen mit Erd-, Abbruch- und Rohbauarbeiten an der Gesamtschule beauftragt. Mit der Angebotssumme von 54.076 Euro war Kutsch der wirtschaftlichste Anbieter. In der Vorlage der Verwaltung dazu ist vermerkt: „Der Kostenanschlag des beauftragten Planungsbüros – allerdings ohne kurz vor der Ausschreibung zurückgestellte Leistungen zum Abbruch von Lichtschächten vor den Werkräumen – lag bei 90.000 Euro brutto.“

Doch kaum hatten die Mitarbeiter der Firma begonnen, die per Leistungsverzeichnis beauftragten Arbeiten zu erledigen folgten Nachträge Schlag auf Schlag, berichtet Kutsch: „Wir wurden aufgefordert, wir haben angeboten, wir wurden beauftragt durch das Planungsbüro in Absprache mit dem Bauleiter der Stadt.“

Nachträge am laufenden Band

Zu den Nachträgen zählten beispielsweise eine Baustraße, Bodenöffnungen im Kriechkeller, diverse Durchbrüche, zusätzliche Leistungen gemäß Statik. Und weitere dringend erforderliche Nachträge sind bereits angekündigt. Die Kosten steigen.

Mittlerweile hat die Bauunternehmung zwei Abschlagsrechnungen auf die bereits erbrachten Leistungen in einer Gesamthöhe von 69 398 Euro eingereicht. Doch bezahlt hat die Stadt bis dato lediglich 32 487 Euro. Kutsch dazu: „Sämtliche nachträglich beauftragte Leistungen sind von der Verwaltung aus der Rechnung gestrichen worden.“ Trotz mehrfacher Nachfragen habe sich die Verwaltung bislang geweigert, ihre Aufträge auch zu bezahlen. Dies sei damit begründet worden, dass nach Erteilung der Aufträge – und deren Durchführung – diese Nachträge nun im Nachhinein durch den Bau- und Vergabeausschuss genehmigt werden müssten. Immerhin geht es dabei offensichtlich um mehr als die Hälfte des ausgeschriebenen Leistungsvolumens.

Ausgeschrieben waren übrigens auch 100 Meter Bauzaun. „76 Meter haben wir bislang entsprechend unserer Gewerke aufgestellt“, so Kutsch weiter. Nun sollen weitere 100 Meter geliefert werden. „Das machen wir dann gerne, wenn unsere Rechnungen bezahlt sind“, sagt Kutsch.

Die Stadtverwaltung sagte auf Anfrage unserer Zeitung dazu gar nichts. Allerdings informierte sie nach Eingang unserer Anfrage Helmut Kutsch. Am heutigen Mittwoch werde sein Geld angewiesen, so dass er die erwünschten Bauzäune aufstellen könne. Und Klaus Kratz wurde informiert, dass die Sicherheitslücke nun geschlossen werde...

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