Baustelle: „Bend“ von der Welt fast abgeschnitten

Von: Jürgen Lange
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Das Lamersiefen unterquert die Erschließung der Siedlung Bend mitten im Wald oberhalb von Schevenhütte. Foto: J. Lange

Stolberg-Schevenhütte. Es hat durchaus seine Vorteile, eine lauschige Wohnlage mitten im Wald zu haben. Die „Countryside“ bringt gelegentlich auch Nachteile mit sich. Etwa bei der Bewegungsfreiheit, wenn die einzige Zuwegung zur Siedlung zu einer Baustelle werden muss.

Das kommt in Kürze zumindest auf die Siedler des lauschig gelegenen „Bend“ nahe Schevenhütte zu. Dort leben die Bewohner der Häuser Nr. 6 bis 32 in Insellage: Nur eine Stichstraße führt von der „Waldstraße“/„Lamersiefen“ aus zur Bebauung.

Und diese Stichstraße muss dort aufgebrochen werden, wo unter ihr das Lamersiefen munter bergab in Richtung Wehebach plätschert. Denn das von Fachleuten Durchlass genannte Rohr für den Siefen ist so marode, dass es bereits teilweise eingestürzt ist; deshalb soll es nun erneuert werden.

Anstelle des Rohrs mit 600 Millimeter soll der Durchmesser auf 1000 Millimeter vergrößert werden. Anlass ist neben dem Hochwasser-Risikomanagement die Forderung aus der „blauen Richtlinie“ des Landes Nordrhein-Westfalen nach einermöglichst naturnahen Entwicklung von Fließgewässern.

Um nun ein neues Rohr in den Straßendamm einziehen zu können, muss dieser aufgebaggert werden. Und damit ist der größte Teil der Bebauung des Bend erst einmal von der motorisierten Außenwelt abgeschnitten. Da das aber aufgrund des Brandschutzes und Rettungsdienstes nicht sein darf, sind die Fachleute des Tiefbauamtes gefordert, sich etwas einfallen zu lassen.

Die Lösung, die die Ingenieure und Techniker dem Bau- und Vergabeausschuss auf dessen Sitzung am 18. Februar vorschlagen, ist eine mobile, auf Schwerlastverkehr ausgelegte Behelfsbrücke. Sie liegt vor Ort parat, falls während der Arbeitszeiten ein Notfall eintreten sollte.

Dann würde die Behelfsbrücke mit einem Hydraulikbagger über das Bauloch gelegt und so die Straße wieder passierbar. Gleiches ist übrigens außerhalb der Bauzeiten geplant, damit Anwohner abends ihre Häuser erreichen und sie morgens rechtzeitig verlassen können. „Denn während der Tätigkeiten steht nur ein seitlich angelegter Fußweg zur Verfügung“, sagt Tobias Röhm.

Bis zu zwei Wochen je Baustelle

Die Schevenhütter werden sich darauf einstellen können, dass sie in diesem Herbst ein bis zwei Wochen mit diesem Zustand leben müssen, kalkuliert der Technische Beigeordnete der Kupferstadt. Die gleiche Zeitspanne gilt für eine weitere Baustelle in direkter Nähe. Sie wird nur wenige Meter unterhalb des „Bend“ die Hauptverbindungsstrecke zwischen Schevenhütte und Vicht bzw. Süssendell unterbrechen.

Auch in diesem Fall ist der Durchlass für den Lamersiefen unterhalb der Fahrbahn erneuerungsbedürftig. Er ist hydraulisch nicht ausreichend dimensioniert, und entsprechend der „Blauen Richtlinie“ wäre auch für diesen Durchlass ein Durchmesser von 1000 Millimeter erforderlich. Doch oberhalb des bestehenden Durchlasses liegt eine städtische Kanalleitung im Weg. Obwohl die Tiefbauer anstelle eines runden Rohres ein flacheres Kastenprofil verwenden möchten, wird eine Umlegung des Kanals erforderlich.

220.000 Euro Kosten kalkuliert

Im Detail bedeutet auch diese Baustelle nicht nur für die Anwohner des „Bend“ Konsequenzen. Weil aufgrund der Baustelle die Straße „Lamersiefen“ komplett für den Verkehr gesperrt wird. „Die Anwohner des ,Bend‘ werden während der Baumaßnahme gezwungen, über Vicht oder Mausbach nach Schevenhütte zu fahren“, erklärt Röhm.

Nur für den Notfall werde eine Behelfsbrücke während der Bauzeit vorgehalten, da die Fahrzeit für Rettungsfahrzeuge via Vicht durch den Wald zu lange wäre. Über Details der Verkehrsführung müsse aber noch im Rahmen der Ausführungsplanung gesprochen werden. Die soll der Ausschuss in der kommenden Woche beauftragen.

Angesichts der vielfachen Erschwernisse wie Behelfsbrücke, Absturzsicherungen in den Hanglagen, Kanalumlegungen, Kastenprofil werden die Kosten für die beiden Durchlasse des Siefen mit rund 220.000 Euro kalkuliert.

Weil die Arbeiten an dem Rinnsal mitten im Landschaftsschutzgebiet durchgeführt werden, wird eine Genehmigung der Unteren Wasser- sowie der Unteren Landschaftsbehörde bei der Städteregion erforderlich.

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