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Barocke Werke erklingen in St. Lucia

Von: Marie-Luise Otten
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Das Weihnachtsoratorium von Ba
Das Weihnachtsoratorium von Bach ist unumgänglicher Bestandteil der winterlichen Festzeit. Gunther Antensteiner hatte seine Sängerinnen und Sänger bestens Foto: Otten

Stolberg. Zur festlichen Einstimmung auf die Adventszeit präsentierte die Kantorei Stolberg zusammen mit vielen Projektsängerinnen und -sängern das Weihnachtsoratorium I bis III von Johann Sebastian Bach. Es zählt zu den wohl schönsten Werken, die der barocke Meister komponiert hat.

In der Pfarrkirche St. Lucia verstand der Chor es die ganze Breite seines stimmlichen Vermögens darzubieten. Leiter Gunther Antensteiner hatte ganze Arbeit geleistet.

Die Kammerphilharmonie Europa, eine freie Orchesterinitiative um Antonia Wiskirchen (Orgel) hatte die instrumentale Begleitung übernommen. Das Solistenquartett Eva-Maria Falk (Sopran), Regula Boeninger (Alt), Joan Ribalta (Tenor) und Rüdiger Nikodem Lasa (Bass) bildete eine homogene Einheit bezüglich Ausdruck und Schönheit des Stimmmaterials.

Trompetenklänge und Paukenschläge eröffnen die erste Kantate. Die Menschheit empfängt die freudige Nachricht von der Menschwerdung Gottes und bricht darüber in Jubel aus. Mit einem strahlenden, in der Tat jauchzenden und frohlockenden Eingangschor setzen die Damen und Herren ein und steigern sich in einen barocken Klangrausch. Gunther Antensteiner dirigiert auf liebevollste Weise ruhig, präzise und differenziert und weiß den Chor und das Orchester bei innigen Stellen zu sensibler Zurückhaltung zu animieren.

Die Jubelstimmung wirkt nach in der Bassarie „Großer Herr und starker König” - hier zeigt sich erstmals die voluminöse Bassstimme von Rüdiger Nikodem Lasa. In die Pracht hinein mischen sich aber auch subtilere Töne. „Wie soll ich dich empfangen?” wird beziehungsvoll angestimmt auf die Choralmelodie „O Haupt voll Blut und Wunden”. Altistin Regula Boeninger fordert mit ihrer warmen Stimme in schönem Zusammenspiel mit dem Orchester Zion auf, sich auf Jesu Ankunft vorzubereiten.

Sehr überzeugend ist auch die Sopranistin Eva-Maria Falk. Sie beeindruckt sowohl alleine als auch zusammen mit dem Bass. Der Evangelist (Solo-Tenor Joan Ribalta) gibt wörtlich den Text nach Lukas wieder. Die zweite Kantate wird durch eine ausgedehnte Sinfonia eingeleitet und hat die Verkündigung der Geburt Christi an die Hirten zum Thema. Der vibrierende Ton der Streichinstrumente versinnbildlicht die Erscheinung der Engel während der behaglich-ruhige Schalmeienklang der Holzblasinstrumente die Hirten charakterisiert. Ein Bass-Rezitativ und eine koloraturenreiche Tenor-Arie kommentieren das Ereignis. Ergreifend die Stimmungsmalerei des Chores „Wir singen dir in deinem Heer” auf die Choralmelodie „Vom Himmel hoch”.

In diesem zweiten Teil singt Regula Boeninger eines der schönsten mütterlichen Wiegenlieder aller Zeiten, die Marien-Arie „Schlafe mein Liebster, genieße der Ruh”. In der dritten Kantate, der Szene an der Krippe mit Christus als Erlöser der Menschheit, überrascht der Chor „Lasset uns nun gehen nach Bethlehem” mit seinem bewegten Orchestervorspiel.

Die melancholische Alt-Arie „Schließe mein Herze” gehört zum innigsten Urbild des Glaubens. Maria hat als erste Person diese Botschaft wirklich angenommen und verinnerlicht. Die Verunsicherung vom Anfang weicht dem festen Willen, es mit Gott zu versuchen. Vor dem Hintergrund dieses positiv gestimmten, ja fast schon naiven Klangbildes, wirkt die sensible Maria mit ihren sehr differenzierten Gefühlen nur noch eindringlicher. Der Chor bekräftigt ihre Worte durch die letzte Strophe „Ich will dich mit Fleiß bewahren”, des Paul Gerhardt Liedes „Fröhlich soll mein Herze springen”. Der Preisgesang zum Schluss „Herrscher des Himmels”, die Wiederholung des Eingangschors, entlässt die Besucher mit Weihnachtsfreude im Herzen nach Hause.
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