Stolberg - Bakterien und Pilze: Harte Zeiten für Eschen und Kastanien

Bakterien und Pilze: Harte Zeiten für Eschen und Kastanien

Von: Sarah-Lena Gombert
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Hoch und gerade gewachsen sind Eschen – wie dieses Exemplar im Stolberger Wald – attraktives Material für beispielsweise Möbel oder Werkzeugstiele. Doch einigen Bäumen geht es nicht gut. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Sie heißen Pseudomonas syringae pv. aesculi und Falsches weißes Stängelbecherchen: Bakterien und Pilze machen derzeit den Eschen und Rosskastanien das Leben schwer. „Das ist ein bundesweites Phänomen“, erklärt Stolbergs Forstamtsleiter Theo Preckel, „und wir sind davon auch in Stolberg betroffen.“

Zwar gebe es in der Stadt und im Wald nicht gerade viele Kastanien und Eschen. Doch die Mitarbeiter der Forstverwaltung behalten die Bäume gut im Auge – denn kranke, faulende Bäume können zur Gefahr für den Straßenverkehr werden. So müssen beispielsweise in Aachen und in Würselen viele befallene Bäume gefällt werden.

„Bei den Rosskastanien haben wir schon seit Jahren mit Schädlingen zu kämpfen“, erzählt Stadtförster Preckel im Gespräch mit unserer Zeitung. Die kleine Miniermotte hat sich von Mazedonien aus über ganz Europa ausgebreitet und macht den Laubbäumen mit den markanten fünffingrigen Blättern das Leben schwer. Die kleinen Flattermänner, deren Raupen sich durch die Kastanienblätter fressen, sind der Grund dafür, warum Kastanien bereits im Sommer oft so aussehen, als habe die Zeit des Herbstlaubs eingesetzt.

„Die Miniermotte ist mittlerweile nur noch als sekundärer Schädling zu sehen“, sagt Theo Preckel. Denn das, was das Bakterium Pseudomonas syringae mit den Bäumen macht, ist für die hölzernen Riesen deutlich bedrohlicher: „Durch den Befall mit dem Bakterium wird der Baum sehr geschwächt“, erklärt Preckel. Erkennbar sei das oft durch schwarze, faulig wirkende Flecken an der Rinde. Außerdem wirke die Rinde oft schartig und aufgerissen. „Diese Verletzungen öffnen dann weiteren Schädlingen Tür und Tor.“ Pilze wie der Austernseitling haben nun leichtes Spiel bei den Kastanien.

Platanen sind deutlich robuster

Zu retten sind einmal erkrankte Bäume kaum. „Wenn die Fäulnis eingesetzt hat, dann müssen die Bäume oft gefällt werden“, sagt Preckel. Kastanien stehen oft am Straßenrand und könnten im Falle einer Erkrankung leichter auf Autos oder Passanten stürzen. Der Einsatz von Pestiziden oder sonstigen Chemikalien kommt für den Forstamtsleiter nicht infrage. Kommt es zu Fällungen, müsse man gegebenenfalls über einen Baumart-Wechsel nachdenken: „Die Platane beispielsweise ist deutlich robuster als die Kastanie.“ Auch wenn vor wenigen Jahrzehnten wohl noch niemand mit den Problemen gerechnet hätte, die diese Bäume heute haben.

Auch für den kleinen Stolberger Eschenbestand sind harte Zeiten angebrochen. Das geht schon bei den Setzlingen los. „Frisch gesetzte Eschen hat mir letztens das Rotwild komplett zerstört“, sagt Preckel, und fügt grinsend hinzu: „Junge Eschen und Eichen sind für unser Rotwild sozusagen wie Nutella.“ Doch auch diejenigen Eschen, die nicht knabbernden Rehen zum Opfer gefallen sind, bereiten den Forstleuten Sorgen. Zu finden sind die Stolberger Eschen vor allem im Wald zwischen Breinig und Zweifall. Ein Pilz namens Falsches weißes Stängelbecherchen befällt die Triebe der Laubbäume, die von Forstexperten eigentlich als Quelle für Möbelholz oder auch Werkzeugstiele geschätzt werden.

Kranke Bäume haben kahle Äste

„Erkrankte Eschen erkennt man daran, dass die äußeren Zweige in der Krone ohne Blätter sind“, sagt Theo Preckel. Der innere Bereich der Krone hingegen sehe ganz gesund aus. Leider bleibt es nicht beim Befall der Triebe. Es bilden sich Nekrosen an der Rinde – das sind einzelne Stellen, die absterben und dem Baum dann keinen Schutz mehr bieten. „Innen sind die Stämme der Eschen dann auch schnell faul.“ Und den anderen, zahlreichen Eschen-Schädlingen wird der Angriff erleichtert. Deren Liste ist ziemlich lang. Ob Eschen-Zwieselmotte, Eschen-Blattfloh, Eschen-Wespe oder Eschen-Rindenrose: Ist der Baum einmal krank, haben sie leichtes Spiel.

Auch bei den Eschen würde der Förster niemals durch den Einsatz von Chemie intervenieren: „Wenn im Wald ein Bestand an Bäumen von Pilzen befallen ist, dann wird das betroffene Stück jedoch anständig durchforstet“, sagt Preckel. Das bedeutet, dass großzügig gefällt wird. Dadurch erhofft man sich einen erhöhten Windzug – der im besten Fall zur Folge hat, dass Pilzsporen aus dem Wald hinausgepustet werden. Ansonsten setzen Preckel und seine Kollegen ganz auf biologischen Forstschutz: Mit Nistkästen soll der Stolberger Wald für die natürlichen Fressfeinde der Baumschädlinge ein attraktives Zuhause werden.

Denn zum Beispiel Meisen und Kleiber ernähren sich von den Mottenarten, die die Bäume angreifen. „Leider haben wir in diesem Winter nur sehr wenige heimische Singvögel“, erklärt Preckel. Ein Grund dafür sei das nasse Frühjahr 2016 gewesen: Viele Vögel hätten es aufgrund der Witterung nicht geschafft, ihren Nachwuchs aufzuziehen. „Das heißt, dass wir die Bäume umso mehr im Blick behalten müssen“, sagt Preckel.

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