Stolberg - Bärenklau: Pflanze restlos vernichten bevor sie blüht

Bärenklau: Pflanze restlos vernichten bevor sie blüht

Von: Kristina Toussaint
Letzte Aktualisierung:
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Der Riesenbärenklau wird mitsamt Wurzeln ausgegraben oder mit einem Wasser-Schaum-Gemisch ausgekocht. Foto: S. Gomberg
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So sieht sie aus, die gefährliche Pflanze. Das Berühren der Blätte sollte man tunlichst vermeiden. Foto: K. Toussaint

Stolberg. Er unterdrückt die heimische Vegetation, kann auf Menschenhaut Verbrennungen bis zum dritten Grad auslösen und verbreitet sich in der StädteRegion nach wie vor aus wie eine Plage – der Riesenbärenklau. Problematisch ist die Beseitigung der Pflanze, weil Pestizide oder reines Abmähen nur kurzfristig Abhilfe schaffen beziehungsweise die Ausbreitung noch weiter begünstigen.

 Innerhalb von neun Jahren der intensiven Bekämpfung hat man inzwischen die richtigen Maßnahmen gefunden: allein das Ausgraben der Pflanze samt Wurzeln und das Verbrühen mit einem Heißwasser-Schaum-Gemisch führen zum Erfolg.

Der Riesenbärenklau gehört wie der heimische Wiesenbärenklauzur Familie der Doldenblütler, kann aber bis zu viermal so groß werden. Die Pflanze kann sich sowohl generativ als auch vegetativ vermehren, also über Samen sowie über Wurzeln. Zum Gedeihen braucht sie lediglich eine geringe Menge Licht. Die Untere Landschaftsbehörde hat daher mit der Vernichtung weiterhin alle Hände voll zu tun: Bürger und Naturschutzbehörde melden immer wieder neue Bestände des Eindringlings in der heimische Flora.

„Aktuell müssen wir tatsächlich ein bisschen Brandbekämpfung betreiben“, so Udo Thorwesten vom Umweltamt der StädteRegion. Am gestrigen Mittwoch im Fokus: Standortkontrolle und Schadensbegrenzung im Steinbruch Atzenach in Büsbach. Es gilt, die Pflanzen möglichst vor ihrer Erblühung zu vernichten, damit die bislang erfolgreiche Arbeit der letzten vier Jahre im Steinbruch nicht zunichte gemacht wird. „Die Pflanzen wachsen überall, wo sie ein bisschen Licht bekommen. Die Blüten, die bis zu 40 Zentimeter Durchmesser erreichen, laden sich im Sonnenlicht auf wie eine Autobatterie, bis sie dann ihre Samen an die Umgebung entladen“, erklärte Thorwesten. Bis zu 30.000 Samen kann eine einzelne Pflanze produzieren. „Ein blühender Riesenbärenklau ist also eine Katastrophe für die Umgebung.“

Auskochen oder Ausgraben

Darum müssen die unerwünschten Keimlinge weichen: Mit einer Vorrichtung, die einem Hochdruckreiniger ähnelt, können flächendeckende Bestände ausgekocht werden. 95 Grad heißem Wasser wird ein biologischer Schaumerzeuger aus Kokosfett zugefügt. Bei größeren Pflanzen wird das Gemisch mit einer „Lanze“ direkt in die Wurzelknolle gespritzt, die dank des Schaums dann vollständig auskocht. In abgelegeneren Ecken, die mit dem Anhänger mit Strom- und Wassererzeuger und Kompressor nicht erreicht werden können, müssen die Arbeiter auf eine andere Methode zurückgreifen: mit Spaten werden die Pflanzen möglichst mit vollständigem Wurzelwerk ausgegraben.

Nicht nur für die heimische Vegetation – zum Beispiel für die Futterpflanzen vieler Insekten – ist der hartnäckige Riesen-Bärenklau schädlich. Die lichttoxischen Stoffe der Pflanze rufen auf menschlicher Haut allergische Reaktionen oder sogar Verbrennungen bis zum dritten Grad hervor. Die Reaktion ist ähnlich wie beim Kontakt mit einer Brennnessel – nur 500 Mal so stark. Die Brandblasen bilden sich nach vier bis sechs Wochen zurück, doch die Verletzung bleibt. Auch nach einem Jahr ist die Stelle noch offen und zeigt unter Sonneneinstrahlung wieder verbrennungsartige Symptome. „Die toxischen Stoffe wird der Körper nicht mehr los“, so Thorwesten.

Auch aus eigenem Interesse also sollten Heimgärtner ihre Abfälle nicht in der Natur entsorgen. Im Steinbruch hat wohl genau eine solche Abfallentsorgung zur Ausbreitung des Riesenbärenklaus geführt. Das Umweltamt bittet zudem darum, selbst entfernten Riesenbärenklau nicht im Kompost, sondern im Restmüll zu entsorgen.

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