AWO verhängt Aufnahmestopp bei Hilfsaktion „Mieki”

Von: Michael Grobusch
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Sie haben alle Hände voll zu tun mit den vielen Anträgen, die für „Mieki” eingehen: die AWO-Mitarbeiterinnen Katja Schimweg (stehend) und Beatrix Deuster. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Salopp formuliert könnte man feststellen, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Doch weil die Angelegenheit eine solche Lockerheit eigentlich nicht zulässt, halten wir uns lieber an Hans-Josef Wellmann.

„Wir sind an der Grenze dessen angekommen, was wir als Ehrenamtler leisten können”, stellt der Vorsitzender der AWO Stolberg fest. Es ist nicht der erste Appell, den Wellmann an die Öffentlichkeit richtet. Doch wenn er zu diesem Mittel gegriffen hat, gab es dafür stets einen triften Grund. Das ist auch diesmal nicht anders. Und der Grund ist mit einem Wort beschrieben: „Aufnahmestopp”.

Den hat die Arbeiterwohlfahrt jetzt bei der Hilfsaktion „Mittagessen im Kindergarten” (Mieki) verhängt. Die erwähnten personellen Ressourcen sind ausgeschöpft, zugleich aber auch die finanziellen Möglichkeiten des Projektes, das von der AWO und dem städtischen Jugendamt im Herbst 2007 initiiert wurde und seitdem einen stetig steigenden Zulauf verzeichnet.

Mittlerweile bekommen 160 Kinder in den Kitas im Stadtgebiet täglich eine kostenfrei eine warme Mahlzeit serviert. „Der tatsächliche Bedarf ist aber noch erheblich größer, uns erreichen ständig neue Anträge”, berichtet Arbeiterwohlfahrt-Geschäftsführer Manfred Steffens.

Rund 60.000 Euro müssen jährlich gesammelt werden, um die Kosten decken zu können. „Das ist gerade in den Zeiten der Wirtschaftskrise eine unglaubliche Herausforderung”, betont Steffens - vor allem dann, wenn sowohl die Spendenakquise wie auch die Antragsbewilligung und die Verteilung der Gelder ausschließlich von Ehrenamtlern geleistet werden müssen. „Die Stadt müsste für die Sachbearbeitung eine eigene Stelle einrichten”, verweist Hans-Josef Wellmann auf den Verwaltungsaufwand und Dutzende Ordner, die inzwischen in den Regalen des AWO-Büros am Kaplan-Dunkel-Platz ihren Platz gefunden haben.

Für den Aufnahmestopp haben sich die Verantwortlichen entschieden, um zunächst bis zu den Sommerferien die Unterstützung für die registrierten Kinder sicherzustellen. Alles Weitere wird von den Benefizveranstaltungen abhängen, die die AWO für die kommenden Monate plant. „Nach dem 16. Mai werden wir schlauer sein”, nennt Wellmann ein richtungsweisendes Datum. An dem besagten Sonntag wird auf dem Kaiserplatz ein Familienfest stattfinden, das vom Stolberger Jugendamt organisiert und von der AWO tatkräftig begleitet wird.

Unterstützung erhalten die Bemühungen um „Mieki” aber auch durch die Städteregion, die für eines von fünf Festen, die am 16. Mai in ihrem Einzugsgebiet stattfinden werden, den Kaiserplatz als Standort ausgewählt hat. So kommt es zu einer Bündelung der (gesellschaftlichen) Kräfte, die sich in einem stattlichen Erlös niederschlagen soll.

Erlös wird richtungsweisend sein

Beteiligt sind auch die Fraktionen der demokratischen Parteien im Rat. Nachdem ein geplatzter Gesprächstermin in der vergangenen Woche kurzzeitig für Entsetzen bei der Arbeiterwohlfahrt gesorgt hatte, haben sich die Wogen mittlerweile wieder geglättet. „Die Parteien haben sich für ihr Fernbleiben entschuldigt und zugesagt, uns bei dem Familienfest mit Personal und Material zu unterstützen”, atmet Hans-Josef Wellmann auf.

Mit dem Erlös aus dem Familienfest soll die Fortsetzung der Hilfsaktion bis Ende des Jahres sichergestellt werden, eine weitere zentrale Veranstaltung wird der Benefizabend am 9. Oktober im Jugendheim Münsterbusch sein. Hier werden die Weichen für 2011 gestellt”, betont Manfred Steffens. Vom Erfolg des Benefizabends genauso wie des Familientages hängt aber auch maßgeblich ab, ob der nun geltende Aufnahmestopp wieder aufgehoben werden kann. Dafür will sich Hans-Josef Wellmann mit aller Kraft stark machen, „schließlich handelt es sich doch um Kinder.”

Erwägungen, die Zahl der Hilfeempfänger gezwungenermaßen zu reduzieren oder die Kriterien für die Anerkennung zu verschärfen, will er deshalb auch vorerst nicht weiter vertiefen. Und auch an die Möglichkeit, dass die Benefizveranstaltungen ein Flop werden könnten, verschwendet er keinen Gedanken. „Von der öffentlichen Hand haben wir keine Unterstützung zu erwarten. Deshalb muss uns als Bürger der Schulterschluss gelingen. Und das werden wir hoffentlich schaffen.”
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