Autohaus auf Freibad-Gelände?

Von: Jürgen Lange
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Einst war hier Stolbergs Freib
Einst war hier Stolbergs Freibad; nun soll am Bernhardshammer Gewerbe entstehen. Foto: J. Lange

Stolberg. Die betagteren Stolberger kennen das Gelände am Bernhardshammer noch als beliebtes Ausflugsziel mit Freibad und Gastronomie, wo vor 102 Jahren der Stolberger Schwimmverein sich gründete. Das ist längst Geschichte; in den 60er Jahren schloss das Freibad.

Seit der jüngeren Vergangenheit werden auf dem Eckgrundstück zur Derichsberger Straße noch Glassand und -scherben eines gegenüberliegenden Recyclingbetriebes gelagert und Teile als Parkplatz genutzt. Heute fällt allenfalls ein Kartoffel- und Gemüsehändler ins Auge, der unter den passierenden Autos auf Kunden hofft. Das restliche Gelände wurde im Laufe der Zeit von der Natur zurück erobert.

Das soll sich ändern, denn der Eigentümer des Grundstückes mit seiner attraktiven Lage denkt über eine Nutzung des Areals nach, dessen Umfeld entlang der Landesstraße 238 größtenteils gewerblich geprägt ist. Anders sieht es mit der im Norden der Derichsberger Straße anschließenden Fläche aus. Das frühere Steinbruchgelände genießt heute als Fauna-Flora-Habitat höchste Naturschutzansprüche. Sie sind es auch, die eine zukünftige gewerbliche Nutzung aus planungsrechtlicher Sicht nicht einfacher machen. Denn es liegt innerhalb der 300-Meter-Prüfzone des FFH-Gebietes, in dem Belange des Artenschutzes besonders sorgfältig abgewogen werden.

Seit Jahresbeginn, so erklärte es Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt im Ausschuss für Stadtentwicklung, befindet sich die Verwaltung in intensiven Abstimmungsgesprächen mit dem Investor, um das Gelände im Außenbereich reaktivieren zu können. „Wir begrüßen es, wenn an dem Standort etwas passiert”, so Pickhardt.

Unterschiedliche Konzepte und verschiedene Umfänge einer Bebauung wurden besprochen. Nun liegt der Stadt eine Bauvoranfrage für zwei Baukörper auf einer Gesamtfläche von rund 1100 m2, die von der Derichsberger Straße aus erschlossen werden sollen. Eine Nutzung als Autohaus ist angedacht. Dies hängt damit zusammen, dass namhafte Marken nur dort Vertragshändler zertifizieren, wo diese über eine gute Lage an einer überörtlichen Straße verfügen.

„Gewerbebetriebe, die beispielsweise ebenso im Camp Astrid entstehen könnten, können an dem avisierten Standort nicht mit einer Genehmigung der Umweltbehörden rechnen”, erklärte der Planungschef der Verwaltung die Auswahl des geplanten Gewerbes. Aber selbst bei einem Autohaus sei mit erheblichen landschaftspflegerischen Einschränkungen und Auflagen zu rechnen. Städtebauliche Belange stünden dagegen der Bauvoranfrage nicht im Wege. Sie liefere letztlich nur Eckpunkte für einen späteren ordentlichen Bauantrag, der Details zu klären habe.

Viele offene Fragen sahen derweil die Vertreter von CDU und SPD in der Ausschusssitzung. Sie betonten zwar, dass sie das Vorhaben grundsätzlich positiv beurteilen würden, vertagten aber einen Beschluss über die planungsrechtliche Stellungnahme der Verwaltung zu der Bauvoranfrage auf die kommende Sitzung.

Insbesondere bezogen sich die Fragen der Koalition auf das erwartete Verkehrsaufkommen. Ungewiss sei, ob es über die bestehende Einmündung der Derichsberger- auf die Zweifaller Straße sicher abgewickelt werden könne. Aspekte des Hochwasserschutzes seien zu berücksichtigen, die Anzahl neuer Arbeitsplätze und mögliche alternative Gewerbearten wurden angefragt.

Vertreter von FDP, Grünen und Linke sahen hinter der Vertagung eine Verschleppungstaktik. Sie forderten eine rasche Entscheidung zugunsten der Bauvoranfrage; noch offene Fragen könnten im weiteren Verfahren geklärt werden. „Wir freuen uns, wenn etwas passiert”, betonten die Sprecher der Opposition.
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