Stolberg - Auto-Korsos enden nach EM vor dem Bach

Auto-Korsos enden nach EM vor dem Bach

Von: Jürgen Lange
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Schluss mit dem Auto-Korso: Die Heinrich-Heimes-Brücke soll für den motorisierten Verkehr gesperrt werden. Dann endet dort auch die Durchfahrt in Richtung Mühle vor dem Bach. Foto: J. Lange

Stolberg. Nach elf Jahren Debatten über unterschiedliche Varianten einer Sanierung der Heinrich-Heimes-Brücke wird das Vorhaben jetzt beerdigt.

Der Ankündigung der Koalition, auf die Sanierung des maroden Bauwerkes in der unteren Eschweilerstraße aus Kostengründen im Rahmen des Stärkungspaketes zu verzichten, folgt für die Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr am 21. Juni die Vorlage der Verwaltung, Nägel mit Köpfen zu machen: die Sperrung der Heinrich-Heimes-Brücke und den Umbau zur Fußgängerbrücke. 520.000 Euro werden weniger ausgegeben.

Das soll allerdings in erster Linie mit Farbmarkierungen und Blumenkästen geschehen, so dass für spätere Jahr(zehnte) die Option zu einer Sanierung der Anfang der 1950er Jahre errichteten Brücke erhalten bleibt. Rund 20 000 Euro investieren möchte die Verwaltung in Blumenkübel zum Absperren der Fahrbahn für jeglichen motorisierten Verkehr, so dass nur Fußgänger und Radfahrer die Vicht zwischen der Mühle und der unteren Eschweilerstraße queren können. Außerdem wird ein Blumenbeet verkleinert, damit in Höhe der Einmündung der Sackgasse Hermannstraße nebst der dortigen Grundschule ein Wendehammer mit Farbe auf die Fahrbahn gezeichnet werden kann. Außerdem sollen in Höhe des Hauses Nr. 22 die Parkplätze montags bis freitags von 6 bis 20 Uhr mittels Verkehrszeichen gesperrt werden, damit bei einem Begegnungsverkehr von Lastwagen eine Ausweichmöglichkeit besteht.

Denn was seit 2004 mit der Beschränkung auf zwölf Tonnen Belastung als Interimslösung galt, wird für das Stolberger Metallwerk der KME Europe mehr als mittelfristig zur Routine: Durch den endgültigen Verzicht auf eine Brückensanierung verliert der Automobilzulieferer die angestammte Werkszufahrt. „Dem können wir aus Sicht der industriellen Produktion und zur Zukunftssicherung des Standortes Stolberg weiterhin nicht zustimmen”, erklärte Geschäftsführer Leo Bergstein gegenüber unserer Zeitung. Zwar hätte sein Unternehmen jüngst Gesprächstermine mit der Verwaltung aus betriebsinternen Gründen absagen müssen, aber an der seit elf Jahren verkündeten Haltung habe sich nichts geändert: „Für KME ist die Heinrich-Heimes-Brücke unverzichtbar.” Derzeit wird der Lieferverkehr über die Frankentalstraße in das sowie über Eschweiler- und Birkengangstraße aus dem Werk heraus abgewickelt, und die Strecke eigne sich nicht für Schwerlastverkehr.

Befürchtungen einer weiteren Verödung des Stadtteils mangels autogerechter Anbindung hält die Verwaltung entgegen, dass die Brücken von Europa- und Frankentalstraße etwa 345 Meter auseinander liegen, so dass Umwege für den Individualverkehr recht kurz seien.

Begrüßt wird dagegen von der Grundschule Hermannstraße ein Wendeplatz vor der Brücke; es bleibt allerdings die Befürchtung, dass zusätzlicher Verkehr in die Sackgasse gelockt werde. Polizei und Feuerwehr haben laut Verwaltung keine Einwände gegen eine Sperrung der Brücke für den motorisierten Verkehr.

Bemerkenswert ist allerdings der Erhalt des Bestandsschutz genießenden Bauwerkes aus Sicht des Hochwasserschutzes. Denn dem muss nur bei einem Neubau Rechnung getragen werden. Die Untere Wasserbehörde hatte die Planungen immer wieder moniert, weil das 100-jährliche Hochwasser durch einen Neubau nicht konfliktfrei abgewickelt werden könne. Ein Knackpunkt dabei waren Fenster und Türen in den Kellern der Häuser am Bach, die beim Hochwasser unterhalb des Wasserspiegels liegen und somit eine Gefahr für Leib und Leben darstellen würden. Das stört die Behörde heute aber nicht mehr, weil auf eine neue Brücke verzichtet und die bestehende Situation erhalten bleiben soll.

2007 hatte sie noch moniert. Damals hätten die Fenster zugemauert oder das Bachbett der Vicht so verändert werden müssen, dass die Fenster zwar auch überflutet würden, der Rückstau aber nicht mehr durch eine neue Brücke zu verantworten gewesen wäre. Weil aber wassertechnisch alles so bleibt, wie es heute ist, werden die Fenster auch nicht mehr als Gefahr für Leib und Leben angesehen.
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