Ausstellung „Welt. Krieg. Erbe.“: Erinnerungskultur in vielen Facetten

Von: Dirk Müller
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Die Studentinnen Hannah Röhlen (v. l.) Sarah Florek, Sophia Hörmannsdorfer (nicht im Bild sind Julie Morestin und Katelyn Williams) und Museumsleiter Sebastian Wenzler präsentieren die vielfältige Schau. Foto: D. Müller

Stolberg. Krieg bedeutet Zerstörung – andererseits werden zahlreiche neue Bauwerke und Anlagen errichtet, um die Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten. Alte und neue Fabriken waren während der Weltkriege rund um die Uhr in Betrieb, um die Waffen, Schiffe und Flugzeuge zu produzieren, die die Kriegsführung im 20. Jahrhundert erforderte.

Korrespondierend mit der Zerstörung entstanden immer mehr Krankenhäuser, Kriegsgefangenenlager und Soldatenfriedhöfe. Dies sind nur einige Aspekte, welche die Ausstellung „Welt. Krieg. Erbe.“ im Museum Zinkhütter Hof beleuchtet, die am morgigen Sonntag eröffnet wird. „Es geht uns um Erinnerungskultur in weiterem Sinne“ erklärt Sophia Hörmannsdorfer, eine der fünf Studentinnen der Brandenburgischen Technischen Universität, die die Ausstellung verwirklicht haben.

„Ursprünglich wollten wir uns dem Thema in Form eines Essays nähern, haben uns dann aber für eine Ausstellung entschieden, um die Bedeutung der Weltkriege für das materielle Kulturerbe umfassender darstellen zu können“, erläutert Sarah Florek. Und eben dies ist sehr gelungen: Facettenreich und in großer Fülle dokumentiert die Ausstellung Spuren der Weltkriege, die menschliche Zeitzeugen überdauern. Auch in unserer Region, wie Beispiele der Soldatenfriedhöfe im Limburgischen Ysselsteyn nahe der deutschen Grenze oder in Margraten zeigen.

Hemingway im Hürtgenwald

„Ein anderes Beispiel ist die Schlacht im Hürtgenwald, die wir in der literarischen Verarbeitung betrachten“, sagt Hannah Röhlen. Denn nicht nur Heinrich Böll befasste sich zwei Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit dem Kampfgeschehen im Hürtgenwald. Zu den Ende 1944/Anfang 1945 im Hürtgenwald kämpfenden US-amerikanischen Soldaten zählte auch der weltberühmte Schriftsteller Ernest Hemingway. In seinem 1950 erschienen Buch „Über den Fluss und in die Wälder“ verarbeitete Hemingway seine Erlebnisse in der Nordeifel.

Spuren in der Kunst

100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zeigt die Ausstellung, wie Krieg die Kunst beeinflusst an den Beispielen des Werkes „Guernika“ von Pablo Picasso und an den „Lego-Sets“ eines Konzentrationslagers, die der polnische Pop-Art-Künstler Zbigniev Libera 1996 schuf. Weitere kulturelle Einflüsse der Weltkriege offenbaren Schautafeln, die sich etwa dem Film „Der Brücke am Kwai“ widmen. Kirchenruinen als Mahnmale werden ebenso thematisiert wie der Wiederaufbau deutscher Kirchen.

Die Rubrik „Flaktürme in Deutschland“ beschäftigt sich mit monumentalen Zeitzeugen, ein anderer Aspekt befasst sich mit dem Bau der deutschen Autobahnen und dem Volkswagen.

Internationaler Anspruch

Die hoch informative Ausstellung widmet sich „Beinhäusern nach dem Ersten Weltkrieg“ ebenso wie dem Wiederaufbau und der Beseitigung von Kulturerbe wie dem Berliner Stadtschloss.

Dabei hat die Ausstellung der Studentinnen, an der auch Julie Morestin und Katelyn Williams mitgearbeitet haben, durchaus auch internationalen Anspruch: Die Rollen der Freiheitsstatue in New York und des Pariser Eiffelturms in der Kriegspropaganda werden thematisiert und US-amerikanische Flugblätter gezeigt, die an japanische Soldaten gerichtet waren.

Zerstörte Dörfer in Tschechien und Frankreich sind ebenso Gegenstand der Ausstellung wie die Umdeutung von Kriegssymbolen oder der „Schlachtfeldtourismus“ in Slowenien und Frankreich. Die beeindruckende Schau wurde bereits in Cottbus und Peenemünde gezeigt, bevor sie im Industriemuseum Heinrichshütte im westfälischen Hattingen zu sehen war. „Dort hat das ,Netzwerk Industriekultur‘ dann wieder bestens funktioniert“, sagt Sebastian Wenzler, Leiter des Stolberger Industriemuseums Zinkhütter Hof.

Wenzler habe die Ausstellung in Hattingen besucht und sei sofort begeistert gewesen. „Es freut mich sehr, dass wir diese spannende Zusammenstellung wichtiger Erinnerungskultur in der Kupferstadt zeigen können“, betont Wenzler.

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